Internet-Hype: Vong Sprache her - DAS steckt dahinter

Achtung: Dieser Text könnte Ihr Verhältnis zu Rechtschreibung und Grammatik belasten. Im Internet hat die "Vong"-Sprache einen Hype ausgelöst. Was im Krankenbett als Gag startete, hat es inzwischen auf Werbeplakate am Straßenrand geschafft. Einem Phänomen auf der Spur.

Willy Nachdenklich: Auf dem Weg in den Duden? Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Es ist eine dieser Kuriositäten aus dem Netz: Begeistert verbreiten Nutzer ein Sprachphänomen, das auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt. "Vong ... her" hat einen Hype im Internet ausgelöst. Nun befassen sich Wissenschaftler höchst professionell mit dem Stilmittel. Sogar der Duden ist angefixt, und mittlerweile hat die Neuschöpfung es auf XXL-Plakatwände geschafft.

"Vong ... her!" 1 Sprache erobert das Internet

Folgt man den Spuren von "vong", gelangt man wahlweise zum Rapper Money Boy. Dem wird der Trend zugeschrieben, die Artikel "ein" und "eine" durch die Ziffer 1 zu ersetzen ("Was für 1 geile Idee!"). Oder man stößt auf die Facebook-Seite "Nachdenkliche Sprüche mit Bilder". Hier werden Fotos veröffentlicht mit Phrasen, die voller Grammatik- und Rechtschreibfehler sind. Immer wieder dabei:die Konstruktion "vong ... her". Fachleute sprechen von einer Zirkumposition. Ein Bezugswort wird dabei um eine an sich überflüssige Information ergänzt. In Reinform etwa: "Das Wetter ist schön vong Sonne her".

Willy Nachdenklich, der Erfinder von "Vong"

Hinter der Seite steckt ein 33-jähriger Großhandelskaufmann aus Amberg in der Oberpfalz, der sich als Kunstfigur Willy Nachdenklich inszeniert. Er habe eines Tages krank im Bett gelegen und im Internet gesurft, erzählt er, als er auf die - ganz ernsthaft - geteilten und gelikten Fotos mit sentimentalen Sprüchen stieß, die oft vor Fehlern nur so strotzen. "Das wollte ich verballhornen." Also bastelte er Bild-Text-Kombos und tippte absichtlich Fehler rein. "I bims" als falsch geschriebene Form von "Ich bin's" ist eine weitere Variation.

Wie so oft bei Internetphänomenen eher unerklärlich, wurde aus dem Spaß ein Trend. Die Klickzahlen stiegen. Die Seite gefällt heute rund 350.000 Personen. "Das sollte eigentlich ein Gag sein und bekam irgendwann eine Eigendynamik", sagt Willy Nachdenklich. Er hält Lesungen in der Kunstsprache und will im Herbst ein Buch rausbringen.

Linguisten freuen sich über "Vong"-Trend

Linguisten wie Konstanze Marx vom Institut für Deutsche Sprache sind begeistert: "Es ist toll, wenn Laien Sprachkritik üben", sagt die Professorin. "Die regelmäßigen Fehler sind im Netz erkannt worden und werden auf die Schippe genommen." Und das wiederum geschehe nach eigenen Gesetzen wie dem Austausch von N durch M, der Ziffer 1 oder eben der Verbindung aus "vong" und "her".

"Sprachspielerei ist etwas, das kreativ ist und nur funktioniert, weil die eigentlichen Regeln gefestigt sind", sagt Marx. Daher sieht sie auch keine Gefahr, dass sich die falsche Grammatik und Rechtschreibung durchsetzen könnten. "Wer sich mit korrekter Schreibe auskennt, merkt, dass das übertrieben und Absicht ist." Ein Fehler, den manche machten: Sie verwechselten Jugendsprache mit Internetsprache.

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