Türkei-Urlaub April 2017: Das spricht aktuell FÜR und GEGEN eine Türkei-Reise

Die Kluft in der Türkei ist groß: Auf der einen Seite stehen Sonne, Strand und günstige Ferienhotels. Auf der anderen Seite sind da Hetze gegen Europa, Terror und die Verfolgung politischer Gegner. Was ist nun von Urlaub in der Türkei zu halten?

Einige in Deutschland fragen sich: In diesem Jahr Urlaub machen in der Türkei - ja oder nein? Bild: Jens Kalaene/dpa

Kein Reiseland polarisiert so stark wie die Türkei. Einerseits ist es immer noch Massenziel für Millionen Deutsche. Andererseits wettert Präsident Erdogan gegen Deutschland, die Sicherheitslage gilt als fragil. Mancher Urlauber fragt sich:Soll ich eine Türkei-Reise buchen?

Türkei-Urlaub 2017: Das spricht aktuell gegen eine Türkei-Reise

Oppositionelle und Journalisten sitzen im Gefängnis, der Präsident teilt gegen Deutschland und Europa aus, will seine Macht ausbauen und die Todesstrafe wiedereinführen. Das klingt nicht nach einem Land, in dem man gerne seine Ferien verbringen möchte.

"Als Urlauber würde ich mich in so einer Umgebung nicht wohlfühlen", meint Prof. Marie-Luise Raters, Dozentin für Ethik an der Universität Potsdam. Und als Urlauber habe man eine moralische und persönliche Verantwortung, sagt Raters: "Genauso wie man wissen sollte, wie das eigene T-Shirt produziert wurde, sollte man sich auch Gedanken machen, wen man mit seinem Urlaub finanziell unterstützt."

Urlaubs-Boykott als Kritik am Erdogan-Regime

Doch ist es sinnvoll, mit einem Boykott der Regierung Erdogan die ganze türkische Bevölkerung zu bestrafen? "Die Türken leiden ja nicht alle unter dem Wegfall des Tourismus. Es gibt auch Türken, die unter der Regierung Erdogan leiden", erklärt Prof. Raters. Und nicht alle Türken arbeiten im Tourismus. Diese würde man nicht bestrafen, sondern mit einem Boykott politisch sogar unterstützen. Wer bloß einen Strand zum Sonnen sucht, kann also auch nach Griechenland.

Auch der Tourismusexperte und ehemalige Tui-Vorstand Karl Born aus Hannover spricht sich für einen Boykott aus - allerdings nicht aus moralischen Gründen. Für ihn steht die Sicherheit im Vordergrund.

Türkischer Präsident Erdogan schockt mit Nazi-Vergleichen

Präsident Erdogan hatte die Stimmung gegen Deutschland aufgehetzt. Er warf zum Beispiel Bundeskanzlerin Merkel "Nazi-Praktiken" vor. Das Auswärtige Amt sah sich Mitte März genötigt, seinen Reisehinweis mit Blick auf das türkische Referendum zu ändern:Es könne zu Protesten kommen, die sich auch gegen Deutschland richten können, heißt es. Davon könnten auch deutsche Reisende in der Türkei betroffen sein.

Gefahr im Türkei-Urlaub: Regierung lässt Oppositionelle verhaften

Für Born sind diese Entwicklungen viel gefährlicher als der Terror, der das Land immer wieder heimsucht: "Der kann überall passieren" - Erdogan hingegen sei eine "flächendeckende Gefahr", die jeden Urlauber treffen könne. Unter Erdogan sei vor allem Denunziation ein großes Problem. Auch vermeintlich unpolitische Touristen könnten davor nicht sicher sein. "Wissen Sie, ob der Hotelangestellte nicht ein politischer Streber ist und einem das Wort im Munde rumdreht?"

Auswärtiges Amt warnt vor Urlaub in Türkei

Und auch das Auswärtige Amt warnt: Personen, gegen die türkische Behörden zum Beispiel wegen des Verdachts auf Verbindungen zur sogenannten Gülen-Bewegung vorgehen, könne die Ausreise untersagt werden. Das gelte auch für Menschen, die nicht die türkische Staatsbürgerschaft besitzen.

Erdogan greift Merkel und Deutschland an

Der Tourismusforscher Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven betont zwar, dass es weltweit auch andere Länder gibt, in denen das politische System durchaus fragwürdig sei - und die man deshalb streng genommen auch nicht mehr bereisen dürfte. "Allerdings ist die Türkei ständig in den Schlagzeilen und präsent", sagt er. Und es kommt noch etwas hinzu: Durch Erdogans Wettern gegen Angela Merkel, die Deutschen oder auch den in der Türkei inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel gebe es eine deutsche Betroffenheit. "Wenn die Chinesen die ganze Zeit gegen uns wettern würden, würde da wahrscheinlich auch keiner mehr hinwollen."

Kurzum: Das ganze Gebaren Erdogans macht die Türkei für viele Urlauber derzeit schlicht unsympathisch. Sie sagen sich: Da fahre ich lieber in ein anderes Land - die Auswahl ist schließlich groß.

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