Von news.de-Volontärin - 10.01.2015, 08.00 Uhr

Reine Haut und reines Gewissen: So kaufen Sie tierversuchsfreie Kosmetik

Seit 2013 ist der Verkauf von Kosmetika, die an Tieren getestet wurden, verboten. Doch für Hersteller gibt es dennoch Schlupflöcher. Wir verraten, wie Sie beim Einkauf den Durchblick behalten und tierversuchsfreie Kosmetik kaufen.

Kaninchen werden sehr gern für Tierversuche verwendet. Angeblich haben ihre Augen die selben Eigenschaften wie die des Menschen. Bild: Screenshot Twitter / AnimalRights

Tierversuche sind ein heikles Thema. Seit Jahren fordern Tierschutzorganisation den Stopp der grausamen Experimente. Der Wissenschaft dienen sie als Erkenntnisgewinn. An Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten und Mäusen werden medizinische Verfahren, aber auch Inhaltsstoffe für Kosmetik getestet. Viele der Tiere sterben dabei oder werden im Anschluss an die Versuche getötet. Ob die Verbraucher die schmerzhaften Praktiken an den Vierbeinern moralisch vertreten können, liegt bei jedem selbst. Die Aussagekraft der Tierversuche ist jedenfalls umstritten.

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zurück Weiter Glucosamin aus Hühnerknochenmark findet vor allem in Feuchtigkeitscremes Anwendung. (Foto) Foto: picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte Kamera

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Mascara-Test an Kaninchen

Normalerweise sind Kaninchen beliebte Haustiere. Doch Kosmetikhersteller prüfen oftmals genau an ihnen bestimmte Eigenschaften von Stoffen, bevor diese auf den Markt gehen. Da die Augen der Tiere ähnlich reagieren wie die von Menschen, wird vor allem die Reizung der Schleimhäute getestet. Dabei wird eine große Menge der Substanz in das Auge der Langohren getropft. Damit die Tiere die Flüssigkeit nicht aus dem Auge wischen, werden sie in enge Käfige gesperrt, bei denen der Kopf herausragt. Im Jahr 2013 ist an 255 Kaninchen in Deutschland dieser Test durchgeführt worden. Rund 2,9 Millionen Wirbeltiere wurden 2011 für Tierversuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendet.

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EU stoppt Tierversuche

Regelmäßig protestieren Tierschützer gegen die vermeintlich unnützen Versuche. Seit März 2013 dürfen in der EU keine Kosmetikprodukte verkauft werden, die an Tieren erprobt wurden. Doch der Schein trügt. Bereits 2003 hatten die EU-Staaten und das Europaparlament beschlossen, Tierversuche für die Körperpflege zu stoppen. Bereits seit 2004 dürfen fertige Kosmetik-Produkte in Europa nicht mehr an Tieren getestet werden, seit 2009 gilt dies auch für einzelne Inhaltsstoffe. Produkte, deren einzelne Bestandteile an Hamster und anderen Tieren ausprobiert wurden, dürfen seit März 2009 nicht mehr verkauft werden. Die schrittweise Umstellung sollte der Industrie Zeit geben für die Forschung an tierfreien Testmethoden.

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Der Begriff «tierversuchsfrei» sei irreführend, so Vertreter der Kosmetikindustrie. «Die Sicherheit praktisch aller Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten beruht auf Daten, die zuvor an Tieren gewonnen wurden», erklärte der europäische Dachverband Cosmetics Europe. Und der Bundesverband der Tierversuchsgegner teilte mit: «Für Substanzen, die auch in anderen Bereichen wie z. B. der Industrie eingesetzt werden, gilt die Testung nach dem Chemikalienrecht, welches Tierversuche zulässt.» Gänzlich ohne Tiertests ist Kosmetik somit auch weiterhin nicht immer zu haben.

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