Familie: Alternativen zur anonymen Babyklappe

Berlin - Die anonymen Babyklappen an vielen Krankenhäusern sind umstritten, weil dort abgelegte Kinder später keine Möglichkeit haben, ihre Identität zu erfahren. Ab 1. Mai gibt es eine Alternative.

Alternativen zur anonymen Babyklappe Bild: Uli Deck/dpa

Ab 1. Mai erhalten schwangere Frauen in Not eine Alternative zur anonymen Babyklappe. Dann tritt das bereits im Sommer vergangenen Jahres von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Gesetz über die «vertrauliche Geburt» in Kraft. Die Neuregelung ermöglicht einer Schwangeren, ihr Kind in einem Krankenhaus oder bei einer Hebamme zur Welt zu bringen und trotzdem vorerst anonym zu bleiben. Die Personendaten der Mutter werden zwar gespeichert, bleiben jedoch mindestens bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) betonte, das Gesetz biete zugleich verbesserte Beratung für Schwangere in Not. Betroffene Frauen könnten während und nach der Schwangerschaft von den rund 1600 Schwangerschaftsberatungsstellen beraten, betreut und begleitet werden. Mit dieser Regelung soll auch verhindert werden, dass verzweifelte Schwangere ihr Kind heimlich gebären und möglicherweise sogar aussetzen oder töten.

Die anonymen Babyklappen an vielen Krankenhäusern sind umstritten. Das Bundesverfassungsgericht hatte in einem Urteil betont, dass Kinder grundsätzlich ein Recht auf Kenntnis ihrer Eltern haben. Gleichwohl wollen einige Einrichtungen an den anonymen Babyklappen festhalten.

Schwesig sagte: «Keine Frau in Deutschland muss ihr Kind heimlich und alleine zur Welt bringen. Wir wollen erreichen, dass möglichst viele Schwangere den Weg in das zur Verfügung stehende Hilfesystem finden.» Ab 1. Mai ist zudem ein Hilfstelefon unter der kostenlosen Nummer 0800 40 40 020 geschaltet.

Einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zufolge wurden von 2000 bis 2010 in der Bundesrepublik 973 Kinder anonym abgegeben. 278 davon wurden in Babyklappen abgelegt. Von den Findelkindern wurden demnach 198 regulär und weitere 314 anonym adoptiert. Neuere Daten sind nicht bekannt.

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news.de/dpa

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