Love Scams Liebesbetrug aus dem Internet

Per Mausklick zur großen Liebe: Die Partnersuche per Internet boomt. (Foto)
Per Mausklick zur großen Liebe: Die Partnersuche per Internet boomt. Bild: iStock

Immer mehr Deutsche gehen online auf Partnersuche. Auf Flirt- und Datingportalen kann die große Liebe warten - doch auch sogenannte Love Scams treiben auf den Plattformen ihr Unwesen und haben es nur auf eines abgesehen: das Geld ihrer verliebten Opfer.

Sarah hatte fest an ihre Liebe geglaubt. Da war er doch, der britische Ingenieur, der in Mali arbeitete. Mit Lebenslauf, Bildern und allem, was dazugehört. Zudem wusste Sarah als gebildete Frau doch, dass in Mali gerade «alles drunter und drüber» ging. Deshalb sah sie kein Problem darin, ihrer Internet-Bekanntschaft, die sie schon mal als «ihren Verlobten» bezeichnete, schnell einmal 3000 Euro zu schicken. Die brauchte er, um sein Leben zu retten - hatte es ihn doch in Rebellengebiete verschlagen. Ihr Gesicht verklärte sich: Sie würde ihn ja schon bald am Flughafen Frankfurt in die Arme nehmen, um das gemeinsame Glück beginnen.

So wie Sarah geht es täglich Frauen, die auf E-Mail-Kontakte bei Singlebörsen geschrieben haben. Sie ist, wie nach Zehntausenden anderen Frauen, einem Vorschussbetrüger zum Opfer gefallen, auch «Love Scammer» oder «Romantic Scammer» genannt. Immer arbeiten die angeblichen Ehekandidaten in gefährlichen Gebieten - mal in Afghanistan, mal im Kongo, mal im Iran. Eigentlich klar, dass diese Männer dem Idealbild der Frau entsprechen: Knackige Kerle, aufgeschlossen, im Ausland reich geworden - und jetzt wollen sie endlich wieder sesshaft werden. Das begeistert vor allem Frauen über 40, die in der einheimischen Männerwelt nur noch wenige Chancen auf eine Ehe sehen.

Wie funktionieren diese Love-Scams? Voraussetzung ist das Internet - die Scammer sitzen mittlerweile überall, bevorzugen aber «kostenlose» Singlebörsen, bestätigt Henning Wiechers, der Chef des Bewertungsportals für die Online-Partnersuche Singleboersen-Vergleich.de. Dort bauen sie über längere Zeit Vertrauen auf, geben Versprechungen ab und gaukeln Liebe vor. Erst nachdem die Opfer «richtig verliebt» gemacht wurden, werden kleine Geldsummen verlangt, die sozusagen als «Testfall» eingesetzt werden. Das eigene Vermögen liegt angeblich «auf Eis», weil irgendwelche korrupten Behörden es eingefroren haben, und man benötigt eine gewisse Summe, die man von der «Verlobten» verlangt. Zahlt die Frau dann tatsächlich, werden neue Lügengeschichten aufgetischt und es wird mehr Geld verlangt. Kürzlich wurde ein Fall in Göttingen bekannt, bei dem eine Frau nahezu eine Viertelmillion Euro an einen «Scammer» aus Ghana gezahlt hatte.

Fachleute wie Henning Wiechers wissen nicht nur, wer die Opfer sind, sondern sie reden auch über Zahlen: Wie Wiechers gegenüber verschiedenen Medien sagte, dass die Opfer länderübergreifend mit rund 10 Millionen Euro jährlich geschädigt würden. Frauen sind dabei erst seit einigen Jahren bevorzugte Opfer - zuvor waren es überwiegend Männer über 50, die von bandenähnlich organisierten Gruppen in Afrika ausgenommen wurden - mit Frauenprofilen als Lockvögel.

Abhilfe wäre ganz einfach: bei der geringsten Geldforderung misstrauisch werden und nicht zahlen. Das jedenfalls raten Experten und Kriminalisten, doch die verliebten Frauen glauben oftmals, gerade ihre «Verlobten» wären die Ausnahmen.

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