Frauen Wieder mehr Abtreibungen - «Armutsfalle Kind»

Wiesbaden - Trendwende bei Schwangerschaftsabbrüchen? In Deutschland werden erstmals seit Jahren wieder mehr Abtreibungen gemeldet. Ursache sind oft Geldsorgen oder Probleme in der Partnerschaft.

Wieder mehr Abtreibungen - «Armutsfalle Kind» (Foto)
Wieder mehr Abtreibungen - «Armutsfalle Kind» Bild: dpa

Erstmals seit Jahren ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland wieder spürbar angestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag (14.9.) mitteilte, wurden im zweiten Quartal diesen Jahres 26 900 Abtreibungen gemeldet. Das sind 300 Abbrüche beziehungsweise 1,2 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2011. Bereits im ersten Quartal war die Zahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen - jedoch nur um 0,4 Prozent. Von den Statistikern wurde der Wert damals als Stagnation bewertet.

Nun aber gingen die absoluten Zahlen deutlicher nach oben - zum ersten Mal seit acht Jahren, wie Hans-Jürgen Heilmann vom Statistischen Bundesamt erklärte. «Der letzte Bruttoanstieg bei den absoluten Zahlen war von 2003 auf 2004», sagte Heilmann. Er schränkte allerdings ein, dass sich das bis zum Ende dieses Jahres wieder relativieren könne.

Die Beratungsorganisation pro familia würde dennoch nicht von einer Trendwende sprechen. Es sei schwierig aus Quartalszahlen Trends abzulesen, sagte die Bundesvorsitzende des Verbandes, Daphne Hahn. «300 Fälle mehr - das kann einfach ein Ausreißer sein.»

Ihrer Erfahrung nach «gibt es kaum Frauen, die die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch leichtfertig fällen.» Häufig seien es «kombinierte Argumente», die zu einer Abtreibung führten: berufliche Überlegungen, eine instabile Partnerschaft oder Geldsorgen. «Ein Kind kann eine Armutsfalle sein. Viele Frauen fragen sich dann zu Recht, ob sie das sich und dem Kind zumuten können.» Um die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche zu senken, sieht Hahn nur ein Mittel: «Viel Aufklärung und ein leichter Zugang zu Verhütung».

Knapp drei Viertel der Frauen, die im zweiten Quartal 2012 abgetrieben haben, waren zwischen 18 und 34 Jahren alt, 15 Prozent zwischen 35 und 39 Jahren. Acht Prozent waren über 40, vier Prozent unter 18 Jahre. Diese Werte sind laut Destatis seit Jahren stabil. 40 Prozent der Abtreibenden hatte noch keine Kinder. 97 Prozent der Abbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Gründe waren nur bei drei Prozent der Grund.

Bei der Wahl der Methoden hat sich wenig verändert. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche (69 Prozent) wurden mit der Absaugmethode durchgeführt, die Abtreibungspille Mifegyne pendelt sich zwischen 15 und 16 Prozent ein. Die Eingriffe erfolgten zu 80 Prozent ambulant in gynäkologischen Praxen und seltener im Krankenhaus.

Was die Statistik nicht zeigt sind die Abbrüche, die außerhalb Deutschlands vorgenommen werden. Darüber gibt es aber keine Zahlen. pro familia-Berater vermuten, dass häufig jene Frauen ins Ausland gehen, die ihre ungewollte Schwangerschaft spät bemerken.

news.de/dpa

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