Öliges Vergnügen Dreckig, dreckiger, Cascamorras

Von news.de-Mitarbeiterin Katharina Akkermann
Sand und Dreck, Öl und Kreide: In den spanischen Dörfern Guadix und Baza findet einmal im Jahr das Cascamorras statt. Vom 6. bis zum 9. September liefern sich die Orte eine Schlammschlacht um eine Madonnenfigur. Ein riesiger Spaß für alle, die dabei mitmachen.
 

Es ist heiß. Die Sonne brennt vom Himmel, die Luft ist trocken und flirrt in der Ferne. Staub liegt auf der Zunge und die Augen sind leicht zusammengekniffen, Schweiß rinnt den Rücken herunter. Aber das ist egal. Es ist Cascamorras. Und zu diesem ganz besonderen Festival im Süden Spaniens muss man nicht gut aussehen. Man würde nur unangenehm auffallen.

Vor mehr als 500 Jahren wurde in Guadix eine sprechende Madonna von einem Handwerker gefunden – die wunderliche Reliquie kam in das rund 45 Kilometer entfernte Baza. Damit hätte die Heiligenlegende ein Ende gehabt. Doch es gab eine Zusatzabmachung: Sollte ein Gaukler, auf spanisch Cascamorras, aus Guadix an einem Tag im September sauber und ordentlich gekleidet nach Baza gelangen, dann dürfe er die Madonna mitnehmen.

Bis heute ist es keinem Gaukler gelungen. Denn jedes Jahr am 6. September, dem einen Tag, schmieren sich die Bewohner aus Baza ein. Mit Öl, Staub, was der Erdboden und das Dreckfass so hergibt. Wer hier sauber ist, der fällt als der Cascamorras, als Gaukler, auf.

Öl und Sand von oben

Mittlerweile machen auch die Menschen aus Guadix mit – und zehntausende Besucher. Niemand ist mehr sauber, wenn der Tross aus Leibern bei der Madonna ankommt.

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2006 wurde das Cascamorras zum bedeutenden touristischen Event gewählt – zu Recht. Obwohl selbst Anfang September noch hohe Temperaturen im südlichen Spanien herrschen, sind die Hotels schon Monate vorher ausgebucht. Langjährige Besucher wissen: Auch sie bleiben nicht sauber.

Wer das versucht, wird schnell merken, dass es unmöglich ist. Die Einheimischen machen dreckig, was noch sauber ist. Von den Balkonen, die auf dem Weg zur Madonna sind, wird schmutziges Wasser heruntergekippt, eimerweise Federn verhaken sich in den Haaren und in der Kleidung.

Die Brunnen der Dörfer sind nach spätestens einer Stunde mit dreckigem Wasser gefüllt – einige Unverbesserliche scheinen sich unterwegs waschen zu wollen.

Aber auch an den Tagen danach bleibt keiner sauber. Denn der Gaukler muss von Baza wieder zurück in sein Heimatdorf Guadix – und weil er es nie schaffte, die Madonna zu befreien, gibt es auch hier noch einmal eine Dreckschlacht. Vom 6. bis zum 9. September geht es so – dazu gibt es Musik und viel gutes Essen.

Sonst noch sehenswert: bewohnbare Höhlen

Wer in diesen drei Tagen auch etwas sehen möchte, hat in in Guadix und Baza eine ganze Menge Möglichkeiten. Die beiden Städte sind für ihre Wohnhöhlen bekannt. In diesen sollen allein in Guadix zwischen 4000 und 10.000 Menschen wohnen. Dabei wurden Räume in das Gestein geschlagen, Strom und Wasserleitungen wurden verlegt. Der Vorteil dieser ungewöhnlichen Gebäude: Im heißen und langen spanischen Sommer steigt die Temperatur in den Wohnungen nicht über 20 Grad, im Winter sinkt sie nicht unter 16 Grad. Die meisten dieser Höhlen sind bewohnt, einige können aber besichtigt werden.

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Auch die Kirchen beider Städte sind eine Besichtigung wert. Die maurische Geschichte der beiden Orte ist an jeder Ecke zu spüren: Überreste von Festungsmauern, Ruinen einer Moschee. Aber eine sollte Sie nicht vergessen: Es ist Cascamorras. Und die Spanier nehmen während dieser drei Tage auch auf Touristen keine Rücksicht.

Informationen zur Reise:

Anreise: Der nächste Flughafen ist in Granada, rund 70 Kilometer von Guadix entfernt. Auch nach Almeria kann man fliegen (beispielsweise mit RyanAir). Almeria ist rund 120 Kilometer von Guadix entfernt. Es bietet sich an, vorher einen Mietwagen zu buchen und dann mit dem Auto selber durch atemberaubende Landschaft Andalusiens zu fahren.

Übernachtung: Es bietet sich an, in Guadix zu übernachten, da von dort viele Ausflüge in die Umgebung möglich sind. In dem Ort liegt in der Nähe der Autobahn das Vier-Sterne-Hotel «Abades Reina Maria». Übernachtungen kosten ab 31 Euro aufwärts. Wer in einer der Wohnhöhlen übernachten möchte, kann im Hotel Cueva Del Abuelo Ventura unterkommen. Übernachtungen kosten ab 45 Euro aufwärts.

beu/ham/news.de

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