Familie Dicker und unsportlicher: TV-Konsum schadet Kindern langfristig

Montreal - Wer als Kleinkind schon Stunden vor der Glotze hängt, ist später dicker und unbeweglicher als Sprösslinge mit Fernsehverbot. Zu diesem Ergebnis kommen kanadische Forscher.

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Dicker und unsportlicher: TV-Konsum schadet Kindern langfristig Bild: dpa

Dicker seien auch Kinder, deren Vater viel arbeite, berichten australische Experten.

Jede Stunde vor dem Fernseher wirkt sich bei Kleinkindern einer kanadischen Studie zufolge langfristig auf Körperumfang und Sportlichkeit aus. Je länger Kinder in jungen Jahren vor dem Fernseher sitzen, desto größer ist ihr Hüftumfang zum Ende der vierten Klasse, berichten Forscher der Universität Montreal im «International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity».

Die Wissenschaftler um Caroline Fitzpatrick und Linda Pagani hatten die Eltern von mehr als 1300 Kindern im Alter von etwa 2,5 Jahren nach deren Fernsehgewohnheiten befragt. Zu späteren Messzeitpunkten erfassten sie den Hüftumfang und die Fähigkeit der Kinder, aus dem Stand zu springen.

Die Muskelkraft der Kinder mit längerem Fernsehkonsum war demnach später geringer. Der Hüftumfang nahm den Forschern zufolge zu: Ein Kind, das mit 4,5 Jahren 18 Stunden pro Woche vor dem Fernseher sitze, habe mit zehn Jahren durchschnittlich 7,6 Millimeter mehr Hüftumfang als ein Kind, das nicht ferngesehen habe.

Angesichts der relativ geringen Werte geben die Wissenschaftler zu bedenken, dass sich der negative Effekt über die Jahre akkumuliere. «Hoher TV-Konsum verdrängt nicht nur aktive Formen der Freizeitgestaltung, sondern lehrt womöglich ein falsches Bild gesunder Ernährung«, erklärte Pagani in einer Mitteilung zur Studie.

18 Stunden und mehr pro Woche - so viel Zeit verbrachten 15 Prozent der Kleinkinder nach Angaben der Eltern vor dem Fernseher. Zu Beginn der Studie, im Alter von etwa 2,5 Jahren, sahen die Kinder bereits durchschnittlich 8,8 Stunden pro Woche fern. Als Kontrollwerte bezogen die Wissenschaftler auch Daten wie den Body-Mass-Index (BMI) der Mutter, ihren Schulabschluss und das Einkommen ein.

In den USA empfiehlt die Vereinigung amerikanischer Kinderärzte «American Academy of «Pediatrics», dass Kinder ab zwei Jahren nicht mehr als zwei Stunden täglich fernsehen sollten. Die deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien rät Eltern und Erziehenden, Kinder unter drei Jahren brauchten gar kein Fernsehen. Vier- bis Fünfjährige könnten bis zu 30 Minuten am Tag fernsehen, am besten mit einem Erwachsenen.

Dass auch die Arbeitszeiten beider Elternteile das Gewicht der Kinder beeinflussen, stellten australische Forscher um Vivienne Moore von der University of Adelaide in einer Studie fest. Insbesondere Kinder, deren Väter abends, nachts oder am Wochenende arbeiteten, seien einem erhöhten Übergewichtsrisiko ausgesetzt, berichteten sie kürzlich im «Journal of Obesity». Sie vermuten einen Zusammenhang zwischen den Arbeitszeiten und den Koch- und Ernährungsgewohnheiten in den Familien.

news.de/dpa

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