Herbsturlaub Von Großbritannien nach Kleinbritannien radeln

Fahrradurlaub auf der neuen «Velodyssey»-Route von Südwestengland nach Westfrankreich ist besonders für Familien und Hobbyradler geeignet. (Foto)
Fahrradurlaub auf der neuen «Velodyssey»-Route von Südwestengland nach Westfrankreich ist besonders für Familien und Hobbyradler geeignet. Bild: dpa

Sie möchten einen Radurlaub machen und dabei vor allem atemberaubende Landschaften genießen? Dann sollten Sie Ihre Tour im Südwesten Englands starten. Die neue Fahrradroute «Velodyssey» verspricht unvergessliche Impressionen auf der Strecke von Devon in die französische Bretagne.

Die Radstrecke zwischen Großbritannien und Kleinbritannien - unter dieser Bezeichnung ist die Bretagne auch bekannt - gehört zur «Eurovelo 1». Vollständig verläuft diese Radroute vom Nordkap über Trondheim ins schottische Aberdeen nach Glasgow, bevor Belfast und Galway vor den Etappen Cork und Bristol erreicht werden. Der Abschnitt von Plymouth nach Nates bildet das Herzstück, bevor die Tour mit den Stationen La Rochelle, Salamanca und Sagres endet. Das Radwegnetz Eurovelo wurde vom Europäischen Radfahrer-Verband ins Leben gerufen und soll künftig auf 70.000 Kilometer ausgeweitet werden.

Mildes Klima für eine gemütliche Radtour

Das milde Klima Südwestenglands macht einen Fahrradurlaub auch in den Herbstmonaten zu einem unvergesslichen Erlebnis. Schroffe Klippen und einladende Sandstrände wechseln sich mit grünen Hügeln und pittoresken Küstendörfern ab - genau das Richtige für eine gemütliche Radtour. Für einen Familienausflug ist die «Velodyssey» ebenso geeignet wie für Hobby-Radler - die Strecke verläuft hauptsächlich auf verkehrsfreien Straßen, die viele Gelegenheiten bieten, die Landschaft in aller Ruhe zu genießen.

Fahrradfahren
In die Pedale treten und überall hin

Die Anreise auf die britische Insel ist per Flugzeug oder mit dem Auto möglich. Von Deutschland aus gibt es Nonstop-Flüge von Düsseldorf nach Exeter, künftig können auch österreichische Urlauber direkt von Salzburg nach Devon fliegen.

Auf gut 440 Kilometern führt der Pfad Radurlauber durch den malerischen südwestlichen Teil Englands bis in die westfranzösische Bretagne. In Ilfracombe, einem viktorianischen Küstenort in Nord-Devon rund eineinhalb Autostunden von Exeter entfernt, beginnt die Radstrecke «Velodyssey». Im englischen Teil der Route legen Radfahrer ungefähr 120 Kilometer zurück.

Mit dem Rad durch Küstendörfer und den Dartmoor Nationalpark

Auf dieser Etappe führen Radwege durch bezaubernde Küstendörfer, die auch bei Surfern sehr beliebt sind. Laubwälder und Sandstrände wechseln sich ab, dazwischen tauchen Burgen und Schlossruinen wie Okehampton Castle auf. Direkt neben der Fahrradstrecke liegt der Dartmoor-Nationalpark - anders als in vielen Nationalparks dürfen Besucher das Gebiet hier auch abseits der markierten Wege erkunden. Die mystische Landschaft Devons diente zudem vielen Schriftstellern als Inspiration für Legenden und Erzählungen - die bekannteste dürfte die Detektivgeschichte Der Hund von Baskerville von Arthur Conan Doyle sein.

Wer sich für die Geschichte Englands als Seefahrernation interessiert, kommt um einen kurzen Aufenthalt in Tavistock nicht herum. Hier wurde Sir Francis Drake geboren, der sich als erster Engländer mit einer Weltumsegelung von 1577 bis 1580, Kaperfahrten in die Karibik und dem Kampf gegen die Spanische Armada einen Namen machte. Sehenswert ist auch die Abteiruine aus dem 10. Jahrhundert sowie das kleine Museum, das sich mit der Vergangenheit des Bergbau-Städtchens befasst.

Mit der Fähre in die Bretagne

Den Weg über den Ärmelkanal legen Feriengäste per Fähre von Plymouth nach Roscoff zurück. Wo einst Seefahrer wie Walter Raleigh und James Cook in See stachen, legen heute Fähren nach Frankreich und Spanien ab. Fährgesellschaften wie Britanny Ferries setzen bis Anfang November ein- bis zweimal täglich nach Roscoff über. Die Fahrt dauert sechs Stunden bei Tag, eine Nachtfähre braucht acht Stunden bis nach Frankreich. Zwei Erwachsene mit Fahrrädern zahlen für eine einfache Überfahrt ohne Kabinenbuchung umgerechnet rund 100 Euro.

Radurlauber, die sich für Maritimes und die Lebensart der Bretagne interessieren, können ihren Aufenthalt in Roscoff nach der Überfahrt auch ein paar Stunden ohne Drahtesel verbringen. Das Städtchen mit knapp 4000 Einwohnern ist maritim geprägt - einerseits durch den Fährhafen, andererseits durch die Station biologique de Roscoff, ein Forschungsinstitut für Meereskundler und Meeresbiologen.

Algen als Bretagne-Souvenir

Die Küste der Bretagne ist bekannt für ihre Algenvorkommen - für Badeurlauber mag das Wassergewächs zuweilen lästig sein, in den kleinen Ortschaften an der Küste hat sich jedoch eine Industrie rund um die Grünalge entwickelt. Algenseife oder Badezusätze sind in den kleinen Läden von Roscoff ebenso erhältlich wie Algensenf und Gemüsefond auf Algenbasis. Zum Ausklang ist der Jardin Exotique ein perfektes Ziel für Liebhaber der Pflanzenwelt - in diesem exotischen Park lässt es sich prima ein paar Stunden entspannen, bevor die Radtour weitergeht.

Auf der Radtour nach Nantes, der finalen Station der «Velodyssey», führt die Route durch die keltisch geprägte Landschaft mit ihren schiefer- und schilfgedeckten Häuschen. Hier macht Radfahren auch in den Herbstmonaten Spaß - dem Golfstrom sei Dank, der in der Bretagne für ein ganzjährig mildes Klima sorgt. Auf der Fahrt durch die westliche Bretagne bieten sich Radurlaubern faszinierende Panoramen der Monts d'Arrée, einer Bergkette, die zum Massif armoricain gehört. Auf mittelalterlichen Pfaden geht es vorbei an der Stadt Morlaix mit ihrem gewaltigen Eisenbahnviadukt und weiter zu idyllischen Orten wie Pontivy, Josselin und Mur de Bretagne.

Picknick am Brest-Nantes-Kanal

Die letzte Etappe führt Radurlauber entlang des Kanals zwischen Brest und Nantes. Die grünen Uferlandschaften sind perfekt für ein gemütliches Picknick während der Radtour - den Blick auf die Hausboote auf dem Kanal gibt's gratis dazu. Wer zusätzlich zum Radfahren dem Wassersport frönen möchte, der kann am Lac de Guerlédan, einem künstlich angelegten See, halten.

In Nantes haben sich Radurlauber eine kulturelle Pause verdient. Dafür gibt es genügend Möglichkeiten: Das Jules-Verne-Museum, malerisch auf einem Felsen über der Loire gelegen, bietet Literaturfreunden eine Fülle von Artefakten, Nachbildungen seiner Erfindungen und Erinnerungsstücke. Das Schloss der Herzöge der Bretagne ist ebenso sehenswert wie die Kathedrale Saint-Pierre. In Einkaufsstraßen wie der Rue Crébillon und der Passage Pommeraye findet sich bestimmt ein nettes Reisemitbringsel. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Flasche Cidre oder Muscadet oder den fruchtigen Berlingots-Bonbons?

loc/beu/sca/news.de/dapd

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