Schöner Reisen Horrortrip Pauschalurlaub

Abenteuer Reise
Vorurteile über deutsche Urlauber
Deutsche im Urlaub? Da fällt einem sofort der Ballermann auf Mallorca ein. (Foto) Zur Fotostrecke

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Auch Pauschalurlauber wollen entspannen. Doch bei Mark Spörrle wird die Reise zum Klischee-Abenteuer - mit Hundekacke am Strand, Ameisen im Abfluss und völlig irren Miturlaubern. Nachzulesen im Urlaubsbuch Weg da, das ist mein Handtuch.

Wir Deutschen arbeiten 40 Stunden in der Woche und mehr. Kein Wunder, dass die Ansprüche an den eigenen Urlaub besonders hoch sind. Und weil sich die meisten weder um Verpflegung noch um Ausflüge kümmern wollen, wird Pauschalurlaub gebucht. Doch ob das die beste Idee ist, die ein Urlauber haben kann? Zweifelhaft. Zumindest nach der Lektüre von Mark Spörrles Urlaubsbuch Weg da, das ist mein Handtuch. Hier können Sie das Buch direkt bestellen.

Sieben Kandidaten schickt Spörrle für acht Tage nach Mallorca, alle mehr oder weniger urlaubsreif. Doch der Schauplatz lässt ahnen: Da buddelt einer in der Klischeekiste, um seine Leser zum Lachen zu bringen. Mit Wissenschaftler Pete nimmt das Unheil seinen Lauf. Der will einen Vulkanausbruch auf Island beobachten. Doch dummerweise kann er sein Hotelzimmer nicht verlassen: Die Klinke der Badezimmertür ist defekt, vom Room-Service ist weit und breit nichts zu hören.

Oliver geht es nur wenig besser. Der Chef-Schisser will endlich mal ausbrechen, macht allerdings den Fehler, mit der ganzen Familie in den Urlaub zu reisen - Schwiegereltern inklusive. Dagegen hat Jessica das große Los gezogen. Wenn sie es nur nutzen würde. Doch die materiell veranlagte Karrieretussi müsste wohl ein Wörterbuch zu Rate ziehen, um die Bedeutung des Wortes Urlaub zu verstehen.

Peinlichkeiten im Pauschalurlaub

Und das sind längst nicht alle Klischees, die Spörrle in Weg da, das ist mein Handtuch zum Besten gibt. Für Weiberheld Mario beginnt die Jagd schon im Flieger. Aber nicht nur nach Frauen. Er will alles abgreifen, was geht, damit der Urlaubsanbieter an ihm nichts verdient. Und wenn er sich dafür später dreimal zum Mittagsessen im Hotel einschleicht. Komplettiert wird die Runde der Urlaubschaoten von der Selbstmord planenden Susann und dem inkognito reisenden Schauspieler Moritz.

An Peinlichkeiten ist das Septett in Weg da, dass ist mein Handtuch nicht mehr zu überbieten. Obendrein zieht Spörrle, wann immer möglich, seine Charakteren nicht nur in den Dreck. Sein Buch ist auch ein plakativer Versuch, Pauschalurlaub als Horrortrip und Nervenkrise zu stilisieren. Ganz egal, ob dafür plötzlich wildfremde Leute das Hotelzimmer der Urlauber entern, Ameisen die Herrscher der Abflüsse werden oder ob die Handtuchmafia regen Handel mit dem eigentlich nicht erlaubten Reservieren von Pool-Liegen treibt. Und sich damit eine goldene Nase verdient.

Ob er sich nun bei Doku-Soaps aus dem Fernsehen bedient hat, oder Foren nach Urlaubermeinungen durchforstet hat: Das Szenario greift auf jede Gruselvorstellung von Urlaub zurück, die ein Tourist nur haben kann. Angefangen bei nervigen Animationsspielchen, über verdreckte Strände, dünne Wände im Hotelzimmer und Klappbetten, mit denen überbuchte Hotels möglichst viel für sich herausholen. Bis hin zu Reiseleitern, die sich im Hotel nie blicken lassen, weil sie die Mängel in der Bettenburg nur zu gut kennen.

Benimmkurs für den Urlaub

Doch eigentlich geht es um mehr, als den Begriff «Pauschalurlauber» zum Schimpfwort avancieren zu lassen. Spörrles Klischeereiterei ist ein Stück weit Spiegel für die eigenen Landsleute. Ganz besonders jene, die in fremden Kulturen lieber zum gewohnten Schnitzel-Pommes-Teller greifen - und das gleich en masse - oder nicht anders können, als Besitzansprüche an Gemeingut stellen zu müssen. Frei nach dem Motto: In anderen Ländern kennt einen keiner, wer sich daneben benimmt, muss sich zu Hause wenigstens nicht rechtfertigen.

Dass man als Leser am Ende nicht weiß, ob die Figuren frei erfunden sind, oder doch auf Tatsachen beruhen, spielt in Weg da, das ist mein Handtuch eigentlich keine Rolle mehr. Zu viel des Guten ist am Ende, dass Spörrle vom österreichischen und schwäbischen Dialekt nicht lassen kann, um seine Urlauber durch den Kakao zu ziehen. Denn wer bis zum Urlaubsdienstag durchhält, der ist schon ordentlich abgestumpft und hat sich vorgenommen, auf keinen Fall mehr Pauschalurlaub zu machen.

Letztlich ist das ein Vorsatz, der für die meisten Leser kaum haltbar sein dürfte. Aber vielleicht trägt Spörrles Urlauber-Gruselkabinett ein bisschen dazu bei, mehr Erholung zu suchen, statt einen Sport daraus zu machen, dass der Urlaub sein Geld auch wert war. Ob man dafür allerdings Mark Spörrles fiese Klischeesammlung Weg da, das ist mein Handtuch wirklich lesen muss? Nun ja, die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben selbst. Und wer weiß: Vielleicht hat der eine oder andere Leser von Spörrles sommerlichem Urlaubshorror ein eigenes Erlebnis zum besten zu geben.

Bester Satz: «Olivers erster Gedanke war, den Schreibtisch des Reiseleiters zu zertrümmern und in Brand zu stecken und dann den Hoteldirektor zu suchen und ihn mit den verkohlten Resten zu füttern.»

Hier können Sie Mark Spörrles Urlaubsbuch Weg da, das ist mein Handtuch direkt bestellen.

Autor: Mark Spörrle
Titel: Weg da, das ist mein Handtuch
Verlag: Piper Verlag
Umfang: 256 Seiten
Preis: 8,99 Euro

sca/loc/news.de

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