Tourismus Beim Urlaub sind die Deutschen Gewohnheitstiere

Berlin - Spanien, Türkei, Italien, Griechenland: An der Reihenfolge der beliebtesten Sommerurlaubsziele hat sich auch 2012 wenig geändert.

Beim Urlaub sind die Deutschen Gewohnheitstiere (Foto)
Beim Urlaub sind die Deutschen Gewohnheitstiere Bild: dpa

Doch eines ist neu: Die Deutschen zieht es zunehmend auch wieder zu ferneren Zielen.

Fast wird es ein wenige langweilig: «An den Hauptreisezielen der deutschen Urlauber ändert sich auch in diesem Sommer nichts», sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV). «Die Deutschen sind eben Gewohnheitstiere.» Die Länder rund um das Mittelmeer liegen für den Sommerurlaub 2012 bei allen Reiseveranstaltern weiter voll im Trend - dabei gibt es nur geringfügige Verschiebungen.

Unangefochten steht weiterhin Spanien an Position eins der Beliebtheitsskala. Während die Kanaren das klassische Winterreiseziel sind, bleiben das Festland und die Balearen die beliebtesten Urlaubsregionen der Deutschen im Sommer. «2012 wird wieder ein Spanienjahr», ist Tui-Sprecherin Anja Braun überzeugt. Dahinter folgt die Türkei, wo die Reiseveranstalter in diesem Jahr einen Boom ausmachen. Als «Gewinnerdestination» bezeichnet Sören Hartmann, Sprecher der Geschäftsführung von Rewe Touristik, das Land. Nach einem starken Wachstum 2011 liege man noch einmal deutlich über den Vorjahreszahlen. Hinter der Türkei kommen Italien und Griechenland.

Trotz aller politischen Ereignisse halten die Deutschen den Hellenen weiterhin die Treue, sagen die Veranstalter unisono - auch wenn es dazu einiger Preismaßnahmen bedurfte. «Die Urlauber haben schon etwas abwartend auf die Fernsehbilder der Demonstrationen reagiert», hat Thomas-Cook-Sprecherin Nina Kreke festgestellt. Preissenkungen der Hoteliers um bis zu 30 Prozent hätten bei den Buchungszahlen jedoch wieder zu einem deutlichen Schub geführt. Auch bei Tui sei Griechenland nicht gut ins Jahr gestartet, bestätigt Sprecherin Anja Braun. «Preissenkungen haben die Nachfrage aber angekurbelt - Griechenland bleibt einfach eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen.»

Ebenfalls bergauf geht es derzeit in Ägypten und Tunesien. Doch dahinter stecken teilweise statistische Effekte: Im vergangenen Jahr waren die Buchungszahlen infolge des Arabischen Frühlings massiv eingebrochen. So wäre alles andere als ein Buchungsplus in diesem Jahr verwunderlich. «Beide Länder haben sich noch nicht ganz erholt», berichtet Braun.

Dabei gibt es nach wie vor Unterschiede: «Tunesien hat ein beachtliches Comeback hingelegt», so Kreke. Insbesondere bei Familien sei das Land wegen seines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses sowie seiner schönen Strände beliebt. Als «Shootingstar» bezeichnet DRV-Sprecher Schäfer Tunesien. Ägypten liege noch etwas zurück.

Das Mittelmeer ist schön und gut. Doch immer mehr Deutsche zieht es weiter weg. «Fernreisen boomen», so Schäfer. Tui sieht die Deutschen sogar vor einem «Jahrzehnt der Fernreise». Allen voran die USA laufen beim deutschen Marktführer sehr gut, die Karibik zieht ebenfalls deutsche Urlauber in Massen an. Tui-Sprecherin Anja Braun sieht außerdem einen Boom bei Zielen wie Mexiko, Malediven, Malaysia und Neuseeland. Rewe-Touristik-Chef Hartmann hat als Boomziele auf der Fernstrecke neben den Malediven Thailand ausgemacht.

Die Gründe für diese Lust auf fremde Länder ist für Braun verständlich: «Die Welt ist kleiner geworden, die Deutschen sind reiseerfahrener. Die Nahziele kennen viele, jetzt werden die Ziele exotischer», erklärt die Tui-Sprecherin. Schäfer argumentiert auch mit wirtschaftlichen Überlegungen: «2009 haben viele Deutsche wegen der Wirtschaftskrise eher Ziele in der Nähe gebucht und sind auf Nummer sicher gegangen. Jetzt gibt es einen Nachholeffekt bei Fernreisen.»

Das geht offenbar weniger zulasten des Mittelmeers als vielmehr etwas zulasten der absoluten Nahziele. «Nord- und Ostsee sind bislang noch nicht so gut gebucht wie in den Vorjahren», so Schäfer. Bei Tui sind Deutschland-Reisen zwar «nach wie vor beliebt», aber Sprecherin Anja Braun sieht hier einen Trend zum eher kurzfristigen Buchen.

Neben der Fernreise liegen Kreuzfahrten weiter im Trend - wenngleich der Untergang der «Costa Concordia» eine Buchungsdelle hervorgerufen hat. «Das Segment ist weiter im Plus», erklärt Schäfer, «wenn auch derzeit nicht ganz so stark wie in den Vorjahren.» Abgesehen von den teils deutlich niedrigeren Preisen in Griechenland müssen die Deutschen für den Sommerurlaub etwas tiefer in die Tasche greifen. Von leichten Preiserhöhungen berichten die Reiseveranstalter: ein Prozent auf der Fernstrecke und zwei Prozent auf der Mittelstrecke zum Beispiel bei Tui.

Doch das macht den Deutschen offenbar nichts aus. «Der Urlaub ist den Deutschen heilig. Hier wird zuletzt gespart», sagt Schäfer. Schon seit mehreren Jahren beobachte man, dass mehr Geld für die schönsten Tage des Jahre ausgegeben werden. «Statt drei dürfen es gerne auch mal vier Sterne sein», so der DRV-Sprecher.

news.de/dpa

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