Familie Probieren geht über kopieren: Den eigenen Stil finden

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Probieren geht über kopieren: Den eigenen Stil finden Bild: dpa

Weiterstadt - Seinen eigenen Stil zu finden, ist gar nicht so leicht. Viel ausprobieren hilft Jugendlichen dabei. Und mit Schlagfertigkeit und ernsthaften Argumenten können sie ihren Geschmack auch gegenüber Freunden und Eltern durchsetzen.In der Schule können nicht nur die Lehrer und die Matheklausur nerven.

Auch das Schaulaufen der anderen Mädchen und Jungen auf dem Schulhof kann stressen. Denn den eigenen Stil zu finden und sich zu trauen, sich von anderen abzusetzen - das erfordert Mut und Geduld.

Jugendliche sollten sich deshalb genug Zeit zum Ausprobieren nehmen, sagt Jugendbuch- und Ratgeberautorin Ilona Einwohlt aus Weiterstadt. Bevor man sein ganzes Taschengeld in die falschen Klamotten investiert, sollte man erst einmal viele verschiedene Kleidungsstücke anprobieren. So finde man leichter etwas Passendes: «In der Umkleidekabine geht ziemlich viel, die ist geduldig», sagt Einwohlt. Alternativ könnten Jugendliche auch aus Katalogen oder Zeitschriften Kleidungsstücke ausschneiden und mit Fotos von sich selbst kombinieren oder entsprechende Computerprogramme nutzen.

Bei der richtigen Schminke wird es schon schwieriger. «Das würde ich spielerisch angehen, vielleicht in einer Schminksession mit Freundinnen, oder die Mutter fragen», rät Einwohlt. Eine andere Möglichkeit sei, sich an mehreren Tagen unterschiedlich zu schminken. Dann könnten Jugendliche die Meinung von Freunden und Eltern einholen.

Viele Teenager fühlen sich unter Druck gesetzt, wenn sie Freunde auf dem Schulhof in teurer, enger oder gewagter Kleidung sehen. Davon dürfe man sich aber nicht einschüchtern lassen: «Man muss nicht alles mitmachen», sagt Einwohlt. Ein stabiles Selbstbewusstsein aufzubauen, könnten Jugendliche üben: «Ein Gegencheck mit der besten Freundin hilft. Da gibt man sich gegenseitig ehrliches Feedback und überlegt, was man besser machen kann.»

Fernsehsendungen mit Models taugten hingegen nicht als Vorbild. «Da hilft es hin und wieder den Verstand anzuknipsen. Das sind Models, die machen das jeden Tag, deswegen sehen die auch so aus», sagt Einwohlt.

Farb- und Stilberaterin Martina Eßer aus Moers unterstützt zwar meistens Erwachsene bei der Wahl ihres Outfits, aber hin und wieder kommen auch Jugendliche zu ihr. «Die Mädchen tragen meist etwas, was die Mode hergibt, ihnen aber nicht passt.»

Oft gilt es nicht nur, das passende Kleidungsstück zu finden, sondern auch, die Eltern davon zu überzeugen. Etwa vom Minirock: «Er sollte natürlich nicht nur so breit sein wie ein Gürtel», sagt Eßer. Bevor gewagte Klamotten gnadenlos ausgemustert werden, ist es besser, Kompromisse einzugehen. «Wenn die Mutter die Hose zu eng findet, kann man argumentieren, dass man eine weite Tunika darüberzieht.»

Zu Kompromissen rät auch Manuela Cosenza, Farb- und Stilberaterin in Hamburg: «Vor dem Einkaufen mit den Eltern mache ich mir eine Liste, was mir wichtig ist und auf was ich verzichten könnte. Dann mache ich Zugeständnisse da, wo es mir nicht so wichtig ist.» Das sei besser, als damit zu argumentieren, alle anderen trügen auch dieses Outfit. Geschickter sei es, sein Outfit zu variieren, zum Beispiel wenn der Minirock kritisch beäugt wird: «Mit einer blickdichten Strumpfhose und Stiefeln sieht er nicht mehr ganz so aufreizend aus. Damit kann auch der besorgte Vater leben», sagt Cosenza.

Viele angesagte Klamotten gibt es nur in kleinen Größen. Trotzdem sind fülligere Teenager nicht dazu gezwungen, in sackförmigen Sweatshirts und Hosen herumzulaufen. Wer gerne eine Strumpfhose mit Rock tragen möchte, sollte einfach das knielange Modell wählen und nicht eines, das mitten am Oberschenkel aufhört, erklärt Cosenza.

Outfit hin oder her: Hänseln einen die Freunde in der Schule wegen der Kleidung, der Frisur oder der Schminke, liegt das Problem vielleicht gar nicht am Äußeren - sondern an den Freunden. «Wenn man in der Clique ohnehin nicht akzeptiert wird, kann man anziehen, was man will, es wird nie gut sein», sagt Ratgeberautorin Karin Kampwerth aus Bayern. Echte Freunde machten einen auf Ausrutscher aufmerksam, mobben einen aber nie.

Literatur:

- Ilona Einwohlt: Meine Clique und ich. Arena. 256 S. Euro 9,99. ISBN: 9783401064437

- Karin Probst/ Cornelia Matthias: Ganz schön selbstbewusst! Mit den besten Tipps für mehr Selbstvertrauen und eine tolle Ausstrahlung. Klopp. 185 S. Euro 12,95. ISBN: 9783781716278

news.de/dpa

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