Rodeln Auf dem Schlitten ins Tal brettern

Auf dem Schlitten ins Tal brettern  (Foto)
Rodeln erlebt eine Renaissance. Kein Wunder, denn Schlitten fahren gibt es in allen Facetten. Bild: dapd

Von Elke Gersmann
Frostige Temperaturen und reichlich Schnee sorgen in den Bergen für stabile Wintersportbedingungen. Doch nicht nur auf Skiern geht es talwärts: Rodeln ist in. Ob sportlich oder ganz traditionell: Schlitten-Fans haben die Wahl.

Der Adrenalinkick in der Röhre

Im Sauerland geht es stellenweise ziemlich rasant zu. Auf der Bobbahn Winterberg werden in den Disziplinen Bob, Rodel und Skeleton Weltcuprennen ausgetragen. Mit zuweilen mehr als 130 Kilometern pro Stunde rasen die Athleten den Eiskanal hinunter - auch im Training außerhalb der Wettbewerbe. Kaum hört man das Rattern der Kufen, ist der Bob auch schon vorbei. Was die Geschwindigkeit und die Fliehkraft angeht, so kann eine solche Fahrt mit jedem Achterbahnvergnügen mithalten. Und bei der Kurvenführung dürften Bobbahnen die Nase vorn haben.

Wer sich auf der 1600 Meter langen Bahn in Winterberg mit ihren 14 scharfen Kurven einmal ordentlich durchschütteln lassen und dem Geschwindigkeitsrausch hingeben möchte, kann dies im sogenannten Taxibob tun. Ein erfahrener Pilot steuert den Bob durch den Eiskanal. Die Mitfahrenden haben nur die Aufgabe, sich gut festzuhalten und geschmeidig in die Kurven zu legen.

Skimode 2010
Farbtupfer auf weißem Schnee

Spätestens wenn es heißt «Bahn frei», steigt der Adrenalinspiegel ordentlich an. Denn dann geht es los mit dem rund einminütigen Abenteuer. Auch andere Bobbahnen bieten Fahrten mit dem Taxibob an. Beispielsweise in Altenberg im Erzgebirge oder am Königssee im Berchtesgadener Land.

Rodeln, ganz klassisch

Keine Geschwindigkeitsrekorde gibt es bei der traditionellen Form der Abfahrt auf Kufen, dem Rodeln. Zehn Rodelhänge gibt es rund um das sauerländische Winterberg, das damit nicht nur ein Ski-, sondern auch ein Rodelgebiet ist. Mit allem Drum und Dran. Bei Schneemangel werden manche der Hänge künstlich beschneit. Und mühsam mit dem Schlitten den Berg hochstapfen, das war einmal. Heute lässt man sich ganz gemütlich mit dem Rodellift wieder hinauffahren.

Zugspitze
Sonne satt und Pulverschnee

Zu sagen, Rodeln sei der neue Trend, ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber es hat sich vom Skifahren emanzipiert und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Rodellifte und Flutlichthänge im Sauerland sind nur ein Beispiel. In vielen Skigebieten wird nicht mehr nur auf die Skifahrer gesetzt, es gibt jedes Jahr mehr Angebote abseits der Pisten. Schneeschuhrouten werden markiert, Winterwanderwege regelmäßig geräumt - und Rodelbahnen angelegt.

Sechseinhalb Kilometer im Schuss nach unten

Die längste Rodelbahn Deutschlands befindet sich oberhalb des Tegernsees, in Rottach-Egern. Bis zu 60 Minuten dauert die sechseinhalb Kilometer lange Schlittenfahrt den Wallberg hinunter - grandioser Panoramablick auf die verschneite Bergwelt der Alpen inklusive. Los geht's auf 1620 Meter, Endpunkt ist die 825 Meter tiefer gelegene Talstation der Bergbahn.

High-Tech für die Piste
Der Ski, der mitdenkt

«Kinder haften für ihre Eltern», könnte das Motto lauten: Während der Nachwuchs meist problemlos den Berg hinuntersaust, sind es oft die Erwachsenen, die in einem Schneehügel notbremsen oder eine Kurve verpassen. Ihnen fehlt schlicht die Übung, liegt die Kindheit doch schon einige Jahre zurück. Da ist es besser, vor der großen Tour ein paar Mal einen «Idiotenrodelhügel» hinabzufahren, um das Lenken und Bremsen zu üben. Denn bei all dem Spaß sollte man die Rodelbahnen nicht unterschätzen: Viele tragen das Attribut «sportlich-anspruchsvoll». Für ganz kleine Kinder sind sie nicht geeignet.

Fast jedes Skigebiet, das auf sich hält, hat auch eine präparierte Rodelbahn. Wie beispielsweise Oberstdorf im Allgäu. Deutschlands südlichster Kurort liegt am Ende des Iller-Tals, umgeben von Gipfeln wie dem 2038 Meter hohen Fellhorn und dem noch rund 200 Meter höheren Nebelhorn. Genau dort gibt es eine zweieinhalb Kilometer lange Rodelbahn. Von der auf 1280 Meter gelegenen Bergbahnstation Seealpe geht es hinab ins Tal bis an den Ortsrand von Oberstdorf.

Auch im Norden geht es bergab

Auch in den Mittelgebirgen hat man in Sachen Rodeln aufgerüstet. Im erzgebirgischen Oberwiesenthal bringt die älteste Seilschwebebahn Deutschlands Wintergäste nicht nur zu den Skipisten, sondern auch zu der rund zweieinhalb Kilometer langen Rodelbahn. Im Harz gibt es am 726 Meter hohen Bocksberg bei Hahnenklee für Rodler eine 1500 Meter lange Abfahrt, auf der schon deutsche Rodelmeisterschaften ausgetragen wurden und die bei Schneemangel künstlich beschneit wird. Auf die gleiche Länge bringt es die Bahn an Niedersachsens höchstem Berg, dem Wurmberg bei Braunlage.

Der längste Rodelhang Norddeutschlands liegt am 168 Meter hohen Bungsberg, der höchsten Erhebung Schleswig-Holsteins. Und dem nördlichsten Skigebiet Deutschlands, inklusive Skilift. Die Abfahrt bringt es immerhin auf stolze 300 Meter.

sca/ham/news.de/dapd

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