Biomode Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

Nachhaltigkeit und Bio sind in. Nicht nur bei Lebensmitteln. Auch in Sachen Mode wollen sich immer mehr Menschen in Stoffe hüllen, für die weder die Umwelt belastet noch Tiere gequält oder Menschen in armen Ländern ausgebeutet werden.

 
Biobaumwolle (Foto)
Biobaumwolle ist noch lange nicht wirklich öko. «Organic Cotton» sagt nur was über den Anbau aus. Bild: Flickr/Moria

Mit der Bio-Mode ist das so eine Sache. Öko ist bei Klamotten nicht gleich Öko. Einheitliche Gütesiegel gibt es noch nicht. So wird aus dem Handel mit dem guten Gewissen schnell eine Mogelpackung mit Aufpreis. Doch einige Labels verhelfen bereits zum Durchblick auf dem Markt.

Soll die Kleidung auf ganzer Linie nachhaltig sein, müssen einige Faktoren bei der Produktion, der Verarbeitung und dem Vertrieb sowie der endgültigen Entsorgung erfüllt sein, saubere Wege vorgewiesen und internationale Sozialstandards eingehalten werden. Je nach Material kann das unterschiedliche Dinge bedeuten.

So sagt etwa der Begriff Bio-Baumwolle oder die gern benutzte englische Bezeichnung «organic cotton» nur etwas über den Anbau des Rohstoffs aus. Dieser muss ohne genetische Manipulation und frei von Pestiziden ablaufen. Ob es bei der Weiterverarbeitung mit rechten Dingen zugeht oder ob T-Shirts beim Einfärben die Chemiekeule verpasst bekommen, ist nicht ersichtlich. Dass die Menschen, die die Kleidung herstellen, unter humanen Bedingungen arbeiten und einen Mindestlohn bekommen, ist bei Bio-Baumwolle nicht selbstverständlich.

Mode: Nichts öko - ökomodisch!

Die wichtigsten Gütesiegel

Die anspruchsvollsten Qualitätszeichen werden vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) vergeben. So etwa die Gütesiegel «Naturtextil-IVN zertifiziert» und «Naturtextil-IVN zertifiziert Best». Letzteres bietet den höchsten Standard. Verwendet werden dürfen nur Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau und mit unbedenklichen Farbstoffen. Chemie ist nicht erlaubt. Auch gesundheitliche Ansprüche müssen vor allem in der Weiterverarbeitung erfüllt werden. Das Verbot von Kinder- oder Zwangsarbeit versteht sich bei diesen Siegeln von selbst.

Zudem müssen die Produkte recycelbar oder biologisch abbaubar sein und Entwicklungsländer sollten gefördert werden. Produkte, die nur den Mindeststandard erreichen, bekommen vom IVN das Global Organic Textile Standard-Siegel (GOTS).

Ein Label, das ebenfalls hohe Qualität erfordert, ist Öko-Tex Standard 100, das mit dem Motto «Textiles Vertrauen» für sich wirbt. Damit gekennzeichnete Textilien wurden auf Schadstoffe geprüft. Zudem stammen sie aus Betrieben, die sich strengen Umweltauflagen und sozialen Standards verpflichten. Das Label entstand 1990 aus dem Bedürfnis der Verbraucher, gesundheitlich unbedenkliche Kleidung leicht identifizieren zu können.

Naturfasern haben in Sachen Nachhaltigkeit aber nicht immer die Nase vorn. So werden etwa für die Produktion von Baumwolle enorme Mengen von Wasser verbraucht. Die Entsorgung von Chemiefasern, die klinisch sauber produziert wurden, ist einfacher. So können etwa Gore-Tex oder Sympatex recycelt und direkt zu neuer Kleidung verarbeitet werden, ohne dass neues Erdöl, der Grundstoff der Materialien, verwendet werden muss.

Pelz und Leder - kann das Öko sein?

Pelz oder Leder mögen Organisationen wie Peta ein tierquälender Dorn im Auge sein. Doch diese Naturmaterialien stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch zu Tierschutz und Nachhaltigkeit. So verarbeitet etwa das Münchner Unternehmen Loringhoven Pelze ausschließlich von Tieren, die zum Schutz der Natur gejagt wurden oder natürlich gestorben sind - etwa von australischen Rotfüchsen sowie Possums und Lämmern aus Neuseeland. Das Unternehmen wird von Naturschutzunternehmen wie WWF und Greenpeace unterstützt.

Ein ähnliches Prinzip gilt für öko-korrektes Leder. Dieses wird nur von Tieren verwendet, die zur Fleischgewinnung getötet werden - etwa Rindern. Beim Gerben wird zudem auf die Verwendung von Schwermetallen verzichtet. Der Umwelt zuliebe. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, wird das Produkt mit dem Siegel «Naturleder» belohnt.

Das umweltfreundlichste Material kommt aus China. Bambusfasern werden durch einen High-Tech-Prozess ohne jegliche Umweltverschmutzung hergestellt und sind biologisch vollständig abbaubar. Echte Bambusfaser ist in Textilien allerdings sehr selten. Bambus-Viskose kommt dagegen öfter vor.

 

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ham/rzf/news.de

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