St. Moritz Aktiv genießen im Engadin

Ski (Foto)
Pulverschnee, Luft und Sonne und ein wunderbarer Blick ins Tal und auf St. Moritz: Da lacht das Herz eines jeden Skifahrerers. Bild: swiss-image

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Nicht nur James Bond ist gerne Gast in St. Moritz. Der Schweizer Nobelskiort lockt neben Agenten im Geheimdienst ihrer Majestät auch Prominente, Geschäftsleute und einfach all die, die nach perfekten Wintersportbedingungen suchen.

In Chur beginnt die Reise ins gelobte Land. Entdecker, die keinen Learjet oder einen Aston Martin besitzen, müssen sich den Weg durch dichte Wälder und enge Berge bahnen. Obwohl St. Moritz von Chur nur 45 Kilometer Luftlinie entfernt ist, dauert die Fahrt mit der Rhätischen Bahn über zwei Stunden. Doch jede Minute davon ist Genuss.

Immer höher schlängelt sich die Bahn durch Kiefernwälder und Tunnel, über Viadukte und Schluchten. Die Schienen schmiegen sich ebenso an die Felswände wie die Wolken. Die Albulalinie ist zweifellos eine der wildromatischsten Bahnstrecken der Welt und gehört seit 2008 zum Unesco-Welterbe. Kurz vor Samedan, wo die, für die Zeit Geld ist, ihren Jet landen, öffnet sich das enge Tal. Auf knapp 1800 Metern entfaltet sich ein Winterparadies von St. Moritz: schneesicher, sonnenverwöhnt und nobel.

Wintertourismus
St. Moritz - Top of the World
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Die Weite und das Licht beeindrucken noch immer genauso wie vor knapp 150 Jahren, als der Grundstein für den Wintertourismus in St. Moritz gelegt wurde. Mit durchschnittlich 322 Sonnentagen verwöhnt das Oberengadin seine Gäste. Der Schnee ist durch die trockene Luft von einer feinen Qualität, wie man ihn sonst nur in den Rocky Mountains findet. Und wenn eine leichte Brise die feinen Kristalle aufwirbelt, flimmert die Luft wie mit Diamanten durchzogen. Champagnerklima nennt man dies in St. Moritz marketingoptimiert.

Eine Wette begründet Wintertourismus in St. Moritz

St. Moritz ist von Natur aus privilegiert. Und das ist es auch, was seit der legendären Wette von Johannes Badrutt die Privilegierten anzieht. Der Hotelier schwärmte im Herbst 1864 seinen englischen Kurgästen von den wunderbaren Wintern im Engadin vor und versprach ihnen, sie könnten bei Sonnenschein hemdsärmlig auf der Terrasse sitzen. Wenn es ihnen nicht gefiele, würde er ihre Reisekosten tragen. Die Engländer blieben bis Ostern.

Noch immer sind Badrutts Kulm-Hotel, in dem übrigens 1878 das erste elektrische Licht der Schweiz brannte, und Badrutts Palace die ersten Adressen. Doch sie haben Konkurrenz bekommen. Acht Fünfsternehotels gibt es mittlerweile im Tal. Das Neueste ist das Anfang dieser Saison eröffnete Giardino Mountain im Ortsteil Champfèr unterhalb des legendären Suvretta-Hangs, wo in den 1960er Jahren die Villen von Bogner, Niarchos, Onassis und Agnelli aus dem Boden schossen.

Von den Patriarchen sieht man heute in St. Moritz abseits der Hochzeit über Weihnachten und Neujahr wenig. Auch die Briten, die St. Moritz mit ihrem Sportsgeist und Gentleman-Auftreten stark geprägt haben, machen heute nur noch vier Prozent der über 400.000 Übernachtungen im Winter aus. Der Großteil der Gäste stammt aus der Schweiz. Mit Abstand folgen Ski-Touristen aus Deutschland und Italien.

St. Moritz trotzt der Finanzkrise

Der starke Franken, respektive der schwache Euro, mag wohl eine Rolle spielen. Allerdings scheint sich nur das Publikum gemischt zu haben. Einen großen Einbruch durch die Finanzkrise stellt kaum jemand im Engadin fest. Im Restaurant El Paradiso auf über 2000 Meter ist noch immer Schlangestehen angesagt. «Wir müssen an manchen Tagen an die hundert Gäste wegschicken, weil wir ausgebucht sind», erklärt Küchenchef Jens Bochow.

Dabei kostet die Kalbsbratwurst mit Beilage 32 Franken. 75 Schweizer Franken Mindestverzehr sind so keine Hürde. Von einer Skihütte zu sprechen, verbietet sich auch, weil der Weinkeller mit rund 650 verschiedenen Posten jedem Klassehotel zur Ehre gereichen würde. Eine Sensation ist ebenfalls die Cremeschnitte. Die Heavens Lounge ist den 99 Mitgliedern des St.-Tropitz-Klubs vorbehalten. Noch immer ist die Warteliste für die Aufnahme lang.

Die Pisten sind auch so selten überfüllt, denn nicht alle Touristen, die nach St. Moritz kommen, fahren Ski. Dabei kann man das hervorragend. Auf 105 Kilometern und 350 Pisten findet fast jeder Alpine sein Terrain. Auf der Corviglia, dem Hausberg von St. Moritz, tummeln sich eher die Genussskifahrer; auf dem Corvatsch gegenüber die sportlichen Skifahrer. Mit der Diavolezza gibt es eine Gletscherabfahrt von zehn Kilometern Länge. Auf der Corviglia kann man sich zudem jeden Freitag beim Nachtskifahren bis um zwei Uhr Morgens vergnügen - Fondue auf der Alpetta-Hütte einkalkuliert.

St. Moritz, das Vielfältige

Im Tal machen Rodeln und Skilanglauf dem Alpin-Ski Konkurrenz. Der See von St. Moritz, dem Silvaplanasee und der Silsersee bieten riesige Spielflächen für Curler, Eishockey-Spieler und Snowkiter. Kaum ein anderes Skigebiet kann mit so vielfältigen Aktivitäten aufwarten. Snowkiten kann man innerhalb von einem Tag erlernen, wenn man Glück mit dem Wind hat. «Dann ist es fantastisch. Es geht bergab, bergan und auf der Fläche», verspricht Kitelehrer Simon Sprecher.

Wer es gemütlich mag, macht eine Pferdeschlittenfahrt ins Val Fex oder noch passiver aber dennoch an der frischen Luft, schaut bei einem der vielen Weltcups vorbei. Der alpine Ski-Weltcup der Frauen macht in St. Moritz ebenso Station wie die Bob-, Rodel- und Skeletonwettbewerbe. Die Bobbahn von St.Moritz-Celerina ist die einzige Natureisbahn im Weltcup und schon deshalb eine Augenweide. Wagemutige können alternativ auch anschließend eine Taxibobfahrt für 250 Schweizer Franken buchen. James Bond lässt grüßen.

sca/news.de

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