Streiken die Fluglotsen? Was Reisende jetzt wissen müssen

Fluglotsen wollen streiken (Foto)
Noch geht es auf deutschen Flughäfen ruhig zu. Streiken die Fluglotsen, wird sich das Bild ab Mittwoch deutlich ändern. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Bei den Fluglotsen läuft gerade die letzte Verhandlungsrunde. Wenn die scheitert, wird gestreikt an deutschen Flughäfen, Starts und Landungen dürften dann nicht mehr möglich sein. Wie sich Reisende am besten darauf vorbereiten, erklärt news.de.

Es ist der letzte Einigungsversuch, und er findet an einem geheim gehaltenen Ort statt: Der Bund hat sich jetzt als Eigentümer der Deutschen Flugsicherung (DFS) eingeschaltet, um den drohenden Streik noch zu verhindern.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen im Sommer und den in letzter Minute abgewendeten Streiks war am Freitag auch die letzte Schlichtungsrunde ergebnislos abgebrochen worden. Hauptstreitpunkt ist die Beförderung von Schicht- und Teamleitern.

Am Montag dann sprach sich die GdF klar für den Arbeitskampf aus, willigte aber in ein letztes Gespräch ein. Verkehrminister Peter Ramsauer zeigt sich nun kurz nach Beginn der entscheidenden Runde, an dem auch sein Staatssekretär teilnimmt, vorsichtig optimistisch: «Ich gehe mit einer Wahrscheinlichkeit von deutlich über 50 Prozent davon aus, dass wir heute Abend ein für beide Seiten tragfähiges Ergebnis haben werden», sagte er in Berlin. Er verwies darauf, dass zuletzt ein einziger, wenn auch durchaus gewichtiger Punkt von ursprünglich 30 strittigen Punkten zwischen den Tarifparteien noch offen sei.

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Das sind Ihre Rechte
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Dennoch sollten Reisende, die für die nächsten Tage gebucht haben, sich schon einmal über ihre Rechte - und Pflichten - belesen. Wir haben sie zusammengestellt. Warten am Flughafen zumindest muss nicht sein.

Pflichten: Auch wenn eine größere Flugverspätung vorhersehbar ist, sollten Passagiere immer rechtzeitig zum ursprünglich gebuchten Abflug am Flughafen sein. Hat die Fluggesellschaft nämlich einen früheren Ersatzflug angeboten, muss die Buchung nicht erstattet werden.

Stornieren oder umbuchen: Wird ein Flug wegen des Streiks gestrichen, kann der Flug storniert werden. Viele Fluggesellschaften bieten alternative Umbuchungen an. Der Flug kann aber auch erst nach dem Streik starten.

Achtung: Zwar kann ein Flug jederzeit umgebucht werden. Ist der Streik aber noch nicht beschlossene Sache, trägt der Verbraucher dafür die Kosten selbst.

Verspätungen: Bereits ab zwei Stunden Flugverspätung stehen den betroffenen Passagieren Leistungen der Fluggesellschaft zu. Wer einen Flug gebucht hat, der mindestens eine Strecke von 1500 Kilometer überwindet, dem stehen Getränke, Mahlzeiten und zwei Telefonate zu. Gegebenenfalls sogar eine Übernachtung inklusive Transfer, wobei die Fluggesellschaft dann die Unterkunft aussucht. Diese Form der Betreuung muss für den Passagier kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Wer bis zu 3500 Kilometer fliegt, dem stehen diese Leistungen ab drei Stunden Verspätung zu. Hat ein Flug mindestens fünf Stunden Verspätung, kann die Erstattung des Flugpreises verlangt werden. 

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Schadenersatz: Bis zu 600 Euro Entschädigung gesteht eine EU-Verordnung Passagieren zu, wenn ein Flug gestrichen, überbucht oder mindestens drei Stunden verspätet ist. Voraussetzung ist ein sogenannter «außergewöhnlicher Umstand». Auf Streiks trifft diese Regelung nicht zu, diese werden von den Fluggesellschaften als «höhere Gewalt» eingestuft - eine Situation, die nicht vorhersehbar und damit auch nicht zu beherrschen wäre.

Wer sich den Nervenkrieg am Flughafen nicht leisten will, kann wegen höherer Gewalt den Reisevertrag kündigen. Vorausgesetzt, eine Reise wird durch den Streik erheblich beeinträchtigt. Darauf weißt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hin. Dann muss der Reiseveranstalter den Reisepreis, der bereits bezahlt wurde, erstatten. Wird zum Beispiel eine zehntägige Reise um einen Tag verschoben, handelt es sich aber nur um eine geringe Beeinträchtigung, die keine Kündigung des Vertrages zulässt. In dem Fall könne aber der Reisepreis gemindert werden.

Informationen zur aktuellen Lage: Egal ob ein Streik angekündigt ist oder sich ein Flug aus anderen Gründen verspätet: Reisende sollten sich immer zuerst Informationen direkt beim Anbieter holen. Bei einem einfachen Flug ist die Fluggesellschaft der richtige Ansprechpartner (Kontaktdaten finden Sie in der Tabelle unten). Wer eine Pauschalreise gebucht hat, wendet sich an den Reiseveranstalter.

Fluggesellschaft Info-Telefon Internetseite
 Airberlin  (01805) 73 78 00  www.airberlin.com
 Air France  (01805) 83 08 30  www.airfrance.de
 British Airways  (01805) 26 65 22  www.britishairways.com
 Condor  (01805) 76 77 57  www.condor.com
 Germanwings  (0900) 191 91 00  www.germanwings.com
 KLM  (01805) 25 47 50
 (Online-Reservierung)
 (01805) 21 42 01
 (Telefon-Reservierung)
 www.klm.com
 Lufthansa  (0800) 850 60 70  www.lufthansa.com
 Ryanair  (0900) 116 05 00  www.ryanair.com
 Tuifly  (0511) 567 80 00  www.ryanair.com


Als Ansprechpartner sind aber auch die Flughäfen verfügbar. Dort sind in der Regel aktuelle Flug- und Ankunftszeiten direkt zu erfragen. Wer auf Informationen von Internetseiten zurückgreift, sollte dieses ausdrucken, um im Streitfall Beweise vorlegen zu können.

Flughafen Fluginformationen
Berlin/Tegel  Ankunft, Abflug,SMS-Dienst, Mobil-Dienste
Dresden  Ankunft, Abflug, Online-Dienste
Düsseldorf  Ankunft, Abflug
Frankfurt am Main  Ankunft, Abflug, Fluginformation per E-Mail
Hamburg  Ankunft, Abflug, SMS-Dienst
Köln/Bonn  Ankunft, Abflug
Leipzig/Halle  Ankunft, Abflug
München  Ankunft, Abflug, Mobil-Dienst


Reisealternativen:
Wenn Sie nicht gerade in den Urlaub fliegen wollen, sondern eine Dienst- oder Inlandsreise antreten, können Sie auf die Bahn umsteigen. In Streikfällen gelten die Flugtickets für innerdeutsche Bahnverbindungen. Dies hat der Dachverband der Fluggesellschaften vereinbart.

Zu spät zurück am Arbeitsplatz: Grundsätzlich ist auch ein Streik bei den Fluggesellschaften kein Grund, die Arbeit - zum Beispiel nach dem Urlaub - nicht pünktlich anzutreten. Wichtig ist, dass Sie Ihren Chef sofort über die Problematik informieren. Sie können jedoch nur auf Kulanz hoffen. Bieten Sie an, die fehlenden Stunden nachzuarbeiten, manche Chefs sind für solche Angebote offen.

sca/som/beu/iwi/news.de/dpa

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