neue Technologie Haute Couture aus Milchpulver

Mode aus Milch  (Foto)
Die Modedesignerin und Biochemikerin Anke Domanske hat sich ihr Verfahren patentieren lassen, aus Milchfasern Garne zu machen. Bild: dpa

Von Christina Sticht
Milch ist gesund, stärkt Knochen und Zähne, soll beim Einschlafen helfen und schmeckt. Aber Milch kann noch viel mehr. Geht es nach Designerin Anke Domaske, tragen wir schon bald Kleidung aus Milchfasern.

Glatt und weich fühlen sich die ersten Kleider an, die Anke Domaskes neu entwickelte Milchfaser enthalten. «Die Proteine im Stoff pflegen die Haut», sagt die 28 Jahre alte Designerin, Mikrobiologin und Gründerin des Faserproduzenten «Qmilch».

Gemeinsam mit dem Faserinstitut Bremen hat sie ein Verfahren zur Herstellung von Milchfasern entwickelt und patentieren lassen, das nach ihren Angaben ohne Chemie auskommt. «Wir haben nicht nur Interessenten aus der Textilindustrie, sondern auch aus der Automobilbranche und der Medizintechnik», berichtet Domaske im Loft ihrer Firma in einer ehemaligen Porzellanfabrik in Hannover.

Basis für die Milchfaser ist technisches Kasein, Milcheiweiß in Pulverform. Somit werden für die Kleider keine Lebensmittel vernichtet. Die kommende Frühjahrskollektion Domaskes soll 30 Prozent Milchfasern, 65 Prozent Viskose-Jersey und fünf Prozent Elastan enthalten. Im Moment wirbt sie mit den Musterentwürfen bei Kunden.

Mythos Milch
Was wirklich in der Milch steckt

Mit ihrer antiallergischen, nachhaltig produzierten Milchfaser springt Domaske auf den Ökozug auf. Ob Otto, C&A oder H&M: Viele große Textilketten haben eigene Bio-Linien im Programm, meist Mode aus Biobaumwolle. Statt unförmiger Jutesäcke gibt es Green Glamour, selbst von Star-Designern wie Giorgio Armani.

«Das Thema Nachhaltigkeit ist ein großer Werbeträger geworden», sagt Heike Scheuer vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft. Bei Naturtextilien herrsche Faserknappheit auf dem Weltmarkt, die Preise explodierten. «Dann ist es sehr sinnvoll, ein vorhandenes Abfallprodukt wie Kasein mit geringem Aufwand zur Faser zu verarbeiten», sagt die Expertin über «Qmilch».

Wie aus Milchpulver feines Garn wird

Noch produziert «Qmilch» nach Domaskes Angaben zwei Kilogramm Milchfasern pro Stunde im Bremer Faserinstitut. Dazu wird das Kasein-Pulver mit anderen natürlichen Zutaten in einer eigens entwickelten Maschine - eine Art Fleischwolf - erhitzt und durch eine Düse in Fäden gezogen. Ziel ist die Produktion von 70 Kilogramm pro Stunde in eigenen Produktionsstätten. Die Faser wird anschließend mit Spinnmaschinen zu Garn gesponnen, so dass sie in verschiedenen Mischungen zu Stoff oder Gewebe weiterverarbeitet werden kann.

Professor Hans-Peter Fink vom Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung in Potsdam sieht einen großen Zukunftsmarkt für biobasierte Fasern. Was die Zukunft der Milchfaser aus Kasein angeht, die es seit den 1930er Jahren gibt, ist Fink jedoch noch skeptisch: «Es können sich nur Fasern durchsetzen, die besser oder billiger als die bestehenden sind. Das war bisher bei den Kasein-Fasern nicht der Fall.»

Anke Domaske dagegen ist überzeugt von ihrem neuen Herstellungsverfahren. «Wir haben unglaublich viel Glück gehabt. Viele können es sich nicht vorstellen, dass wir in nur zwei Jahren diese Faser entwickelt haben», sagt sie. Schon jetzt sei die Resonanz enorm. «Die Menschen achten einfach mehr darauf, umweltbewusst zu leben und sich auch bewusster zu kleiden.» Die Berichte über Gift in T-Shirts oder menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken der Dritten Welt schreckten viele auf, glaubt sie.

som/sca/rzf/news.de/dpa

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