Grönland Kreuzfahrt zu den Eisbergen

Kreuzfahrt nach Grönland (Foto)
Urlaub mit Ausblick auf Eisberge: Eine Kreuzfahrt nach Grönland ist Genuss mit ein bisschen Abenteuer. Bild: SRT-Archivbild/Neckermann Reisen

Von Rasso Knoller
Auf dem Weg nach Grönland müssen auch moderne Kreuzfahrer einige Herausforderungen überwinden: Sei es ein übervolles Schiffsbuffet oder ein Orkan im rauen Nordmeer. Am Ende aber warten die Eisberge.

Der Küchenchef auf der MS Ocean Nova hat alle Hände voll zu tun. Nach eineinhalb Tagen bei Windstärke zwölf sind die Mägen geleert und die Passagiere ausgehungert. Doch seit das Schiff an der westgrönländischen Küste entlang fährt, scheint die Sonne. Keiner der Passagiere denkt an den zurückliegenden Tag, als sich das 73 Meter lange Schiff durch die Dänemark-Straße quälte. Als es ächzend gegen die Wellen ankämpfte, die hoch über dem Deck zusammenschlugen.

Fast drei Wochen ist die MS Ocean Nova auf den Spuren von Erik dem Roten von Kopenhagen in Richtung Grönland unterwegs. Das jedenfalls verspricht der Katalog des Veranstalters. Doch so ganz stimmt das nicht. Tatsächlich war der jähzornige Erik nie in Kopenhagen. Er lebte ungefähr um das Jahr 950 in Norwegen. Von dort musste er nach Island fliehen, weil er in seiner Heimat einen Mord begangen hatte. Aber auch dort konnte er sein Temperament nicht zügeln, erschlug wieder einen Mann und wurde nach Grönland verbannt.

Grönland
Per Schiff zum ewigen Eis

Obwohl die MS Ocean Nova zu Beginn der Reise weit abseits der historischen Route fährt, erinnern sich Passagiere gern an die ersten Tage an Bord - vor allem an das ruhige Meer. Die Sonne strahlt, als die MS Ocean Nova in Bergen, der angeblich regenreichsten Stadt Europas, vor Anker geht. Die Hansestadt, bekannt wegen des Kaufmannviertels Bryggen, ist eine Stadt der Musik. Einmal im Jahr findet ein großes Musikfestival statt, und von hier stammte auch Edvard Grieg, Norwegens bekanntester Komponist. Auch deswegen führt der Landgang nach Troldhaugen, dorthin wo der Meister von 1885 bis zu seinem Tod im Jahre 1907 wohnte und arbeitete.

Kurzbesuch bei der isländischen Trilogie

Die Reisenden haben noch Griegs Peer-Gynt-Suite im Ohr, als das Schiff hinaus ins Nordmeer aufbricht. Die Färöer-Inseln sind das nächste Ziel. Als es im Hafen von Thorshavn einläuft, werden die Passagiere mit Sonnenschein begrüßt, nur um von da an im schnellen Wechsel Regen, Schneeregen und Hagel zu bieten. Alles, was das Wetter in seinem Spektrum vorsieht - ein Jahr im Schnelldurchlauf. Wolkenfetzen ziehen um die steilen Berge, die Sonne kämpft gegen sie an, behält für kurze Zeit die Oberhand und taucht die Hänge in mildes Licht.

Später in Island ist der Aufenthalt nur kurz, aber lang genug für eine Bustour zu drei Sehenswürdigkeiten, die stellvertretend für das stehen, was Island bekannt gemacht hat: Thingvellir, Geysir und Gullfoss - die Wiege der Demokratie, die Geysire und die mächtigen Wasserfälle.

Danach geht es hinüber nach Grönland durch die berüchtigte Dänemark-Straße. Sturm und schlechtes Wetter sind in der Meerenge zwischen Island und Grönland normal. Aber einen Orkan hat selbst Kapitän Niels Kallesen hier noch nie erlebt. Dabei hat er schon einige Abenteuer durchgestanden. So war das Schiff im Februar 2009 in der Antarktis in der Nähe eines Gletschers auf Grund gelaufen und hatte es damit in die Tagesschau geschafft.

Per Beiboot in die Geisterstadt

Auf der aktuellen Reise hatte Kapitän Kallesen den Passagieren versprochen: «Sobald wir das Kap Farvel umrundet haben, scheint die Sonne.» Und tatsächlich: Nur wenige Seemeilen, nachdem das Schiff den südlichsten Punkt Grönlands umrundet hat, legt sich der Orkan. Weit backbord voraus tauchen die ersten Eisberge auf: Zwei schwimmende Kathedralen, die je nach Sonneneinstrahlung ihre Farbe verändern. Unwirklich sehen sie aus, wie Gäste aus einer anderen Welt.

Auf der Fahrt nach Norden steigen die Passagiere immer wieder in die Zodiacs. Die Beiboote bringen sie zu Ausflügen an Land. Etwa zur alten Kryolith Mine von Ivitut. Sie ist seit 1987 verwaist und erinnert als Geisterstadt an bessere Zeiten. Legt aber ein Kreuzfahrtschiff an, fährt jemand aus dem fünf Kilometer entfernten Ort Kangilinnguit über den Berg und öffnet für die Passagiere das Museum. Man ist stolz auf die Vergangenheit.

Der Ort wirkt so, als hätte man ihn erst vor kurzem fluchtartig verlassen. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Mine liegen noch die Lohnabrechnungen auf dem Schreibtisch. In einem der Häuser steht eine Bierflasche auf dem Tisch, so als wäre derjenige, der sie geleert hat, nur kurz vor die Tür gegangen.

Wunschzeit für den Weihnachtsmann

Kurz vor Ende der Reise legt das Schiff in der Hauptstadt Nuuk an. Schön ist die 15.000-Einwohner-Hauptstadt Grönlands wahrlich nicht. Moderne Zweckbauten bestimmen das Bild. Nur am alten Hafen stehen ein paar der alten roten und gelben Holzhäuser, die typisch sind für die Dörfer und Städte Grönlands. Dort liegt auch das Nationalmuseum. Absolut sehenswert sind hier die Eismumien von Qilakitsoq.

Unter einem Steinhügel wurden in der westgrönländischen Gemeinde acht unglaublich gut erhaltene und mit Robbenfellen bekleidete Mumien gefunden. Wer sich nach dem Museumsbesuch ein paar Wünsche erfüllen lassen will, wirft in den riesigen roten Briefkasten unten am Hafen einen Brief an den Weihnachtsmann ein.

Beeindruckender ist der Evighedsfjord, in den die MS Ocean Nova als nächstes einfährt. Direkt aus dem Meer ragen einige der höchsten Berge Grönlands in den blauen Himmel, teilweise über 2000 Meter hoch. Am Ende des Fjords kalbt ein Gletscher ins Meer. Dort lässt der Kapitän auf Deck das Abschiedsessen auftragen: gegrillten Lachs, zubereitet vom jungen Küchenchef.

ham/sca/news.de/srt

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