Wandertouren Auf den Spuren edler Weine

Von Hans-Werner Rodrian
Der teure Italiener oder der schwere Südfranzose: Wer Wein genießen will, muss dafür nicht ins Ausland reisen. Edle Tropfen finden sich auch in Deutschland - und lassen sich an der Mosel, in Mittelfranken und entlang von Saale und Unstrut mit wunderbarem Urlaub verbinden.

Erst wer gesehen hat, wo edle Weine herkommen, weiß sie richtig zu schätzen. Kein Wunder, dass die deutschen Weinlagen Wanderurlauber umwerben. Weinstraßen und Weinwanderwege laden von der Mosel bis nach Sachsen-Anhalt ein, sich genüsslich Kenntnisse über den deutschen Wein anzueignen.

Loreleys Lockruf am Mittelrhein

Da oben hat sie gesessen und den Schiffern den Hals verdreht. Erhard Sopp, einer von 60 Weinbauern in der Winzergenossenschaft Loreley, zeigt auf den mächtigen Fels, wo die blonde Nixe einst gesungen haben soll. 23 Kilometer lang ist die spektakulärste Etappe des Rheinsteigs von St. Goarshausen nach Kaub.

Wem die sieben Stunden und mehr als 800 Höhenmeter des Guten zu viel sind, der begnügt sich mit dem zweistündigen Weinlehrpfad, den Sopp und seine Winzerkollegen pflegen. Kurz vor der Loreley zweigt der Weg von der Straße ab und kurvt um den Hauptweinberg «Bornicher Rodenack» herum. Famos ist der Blick hinunter ins Rheintal. Und am Wegrand wachsen dem Wanderer die Brombeeren geradewegs in den Mund.

Wandertouren
Weinseliges Deutschland

An schönen Wochenenden ist auch die Weinprobierhütte auf halber Strecke geöffnet - eine gute Gelegenheit, die Genossenschaftsweine von der Literware «Loreley lieblich» bis zum hochgelobten Winzersekt «Riesling Loreley brut» zu verkosten. Danach gestaltet sich auch der zweite Teil der Runde bis zum Loreleyfelsen beschwingt.

Impressionen rund um den Weinbau in Deutschland, sehen Sie in unserer Bilderstrecke.

Auf dem Pfad der Trierer Weinkultur

Als Inbegriff der deutschen Weinromantik gilt die Mosel. Fallen im Herbst die Kegelklubs in die historischen Ortszentren von Cochem und Bernkastel-Kues ein, wird die Kehrseite solcher Berühmtheit offenbar. Doch auf den Weinbergswegen über dem Fluss herrscht selbst an solchen hektischen Wochenenden Genuss ohne Lärm.

Das Wandern hier ist kein leichtes Unterfangen: Die Weinberge an der Moselschleife von Bremm sind die steilsten Europas. Noch heute ist fast alles Handarbeit, was die Winzer der Moselregion in ihren steilen Wingerten tun. Davon können sich Urlauber besonders gut in der Moselhauptstadt Trier überzeugen.

Rund um den Petrisberg wurde dort der zwei Kilometer lange «Trierer Weinkulturpfad» angelegt. Er beginnt gleich neben dem römischen Amphitheater und zeigt auf rund 25 Schildern, wie sich etwa die Rieslingtraube von der Bacchusrebe unterscheidet. Dass sie auch unterschiedlich schmecken, stellt Wanderer am Ende des Weinlehrpfads im Winzerstadtteil Olewig fest. Dort haben sich die Winzer geeinigt, dass wöchentlich ein anderer von ihnen zur Weinkellerbesichtigung lädt.

Das «Wii-Wegli» im Markgräfler Land

Badens gute Stube, das Markgräfler Land, breitet sich vom Südschwarzwald bis zum Rhein und fast nach Basel aus. Ihren Namen hat die Region vom Markgrafen Friedrich. Der liebte die Gutedelrebe über alles und brachte sie im 18. Jahrhundert vom Genfer See in seine badische Heimat, wo sie heute vorherrscht. Mit Flammkuchen und exquisiter Küche erinnert die Gastronomie ans nahe Elsass.

Von Badenweiler mit seinen römischen Thermen wandert es sich herrlich zum zwölf Kilometer entfernten Schloss Bürgeln. Dort wird die Mühe mit einer grandiosen Aussicht übers Rheintal und die Vogesen belohnt. Wer von diesem Vorgeschmack Appetit bekommen hat, kann sich auf den 70 Kilometer langen Weg des «Markgräfler Wii-Wegli» machen. Er reicht von Weil am Rhein bis Freiburg im Breisgau, führt durch dunkle Wälder und vorbei an reichen Obstgärten.

Besonders im Herbst, wenn die Laubfärbung einsetzt, bleibt die Strecke ein unvergessliches Erlebnis. An Einkehrmöglichkeiten mangelt es nicht: Überall locken gastliche Weinstuben mit Munsterkäse, Hausmacherwurst und natürlich einem Glas Gutedel.

Die Heimat der Paraderebe Silvaner

Die Heimat des Frankenweins vermutet der Weinlaie am Ufer des Mains. Dabei stammen einige der süffigsten Tropfen aus dem Steigerwald östlich von Kitzingen. Der beste Startpunkt zu einer ganztägigen Wanderung durch diese ruhige Wein- und Waldlandschaft liegt in Castell. Das majestätisch aufragende Schloss ist Frankens größtes Privatgut und wird heute weitgehend ökologisch geführt.

Kenner stärken sich vor der Tour mit einer Vesper im Weinstall und besichtigen den imposanten Gewölbekeller. Dann geht es über den Kammweg des Schwanbergs zur Burgruine mit einem fantastischen Fernblick und weiter Richtung Iphofen. Der Weg führt durch einige der besten Lagen Frankens: Rödelseer Küchenmeister, Julius-Echter-Berg, Iphöfer Kronsberg machen Lust auf die verträumte Wein- und Fachwerkstadt Iphofen. Denn dort wird es niemand versäumen, innerhalb der vollständig erhaltenen Stadtmauern Frankens Paraderebe Silvaner zu verkosten. Gute Adressen hierfür sind der historische Zehntkeller und Winzer Johann Ruck am Marktplatz.

Steinernes Bilderbuch des Weinbaus

Steilterrassen, Trockenmauern, südliche Sonne: Deutschlands nördlichstes Weinanbaugebiet an Saale und Unstrut lockt mit geradezu italienischem Flair. Seit der Wiedervereinigung geht es mit Erfolg und Qualität steil bergauf. Das gilt gottlob nicht für die sanften Wanderwege der Region.

Angenehm und nie zu steil läuft der Besucher in gut drei Stunden von Freyburg nach Naumburg. Typisch für das Städtchen Freyburg sind die rundum angelegten Weinterrassen, viele von ihnen wurden neu bepflanzt. Immer wieder stößt der Wanderer auf kleine Villen und Pavillons zwischen den Reben, sogenannte Weinberghäuser. Manche stammen noch aus dem 18. Jahrhundert.

Nahe der Mündung der Unstrut in die Saale lässt sich das «Steinerne Bilderbuch» bewundern, ein zwei Jahrhunderte altes Bundsandsteinrelief. Auf 200 Meter Breite schildert es den Weinbau im Mittelalter. Durch den sogenannten «Blütengrund», eine idyllische Südlage, auf der Weißburgunder und Müller-Thurgau gedeihen, wandert Besucher nach Naumburg mit dem weltberühmten Dom samt Stifterfiguren. Zurückgekehrt nach Freyburg, lohnt sich der Besuch der Rotkäppchen-Sektkellerei. Im überdachten Lichthof aus der Gründerzeit serviert der Kellermeister bis zu acht unterschiedliche Cuvees des Hauses.

Andere, wunderbare Regionen in Deutschland, die Sie unbedingt einmal besuchen sollten, stellt Ihnen news.de in «Meine Heimat» vor.

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