Entjungferung Intimes aus vier Generationen

Eine Journalistin hat mit Männern zwischen 19 und 83 Jahren über deren ersten Sex geredet. Ergebnis: Ein Buch mit 18 unverblümten, geistreichen und unterhaltsamen Porträts. Sexual- und Zeitgeschichte vom Feinsten.

Jutta Vey (Foto)
Vor dem Hintergrund, dass sich die Sexualität in den letzten Jahrzehnten radikal verändert hat, befragte die Autorin Jutta Vey Männer zwischen 19 und 83 Jahren über ihren ersten Sex. Bild: Schwarzkopf&Schwarzkopf

Mein erstes Mal - Männer aus vier Generationen erzählen hat nichts mit Bravo, Dr. Sommer oder Schmuddellektüre zu tun. Das könnte man beim halbherzigen Blick aufs Cover mit dem makellosem, oberkörperfreien Pärchen im Teeniealter vermuten. Wer schon etwas von Autorin Jutta Vey gehört hat, der weiß: Hier sind seriöse und erkenntnisreiche Sexual- und Sozialgeschichten zu erwarten.

Bereits 2008 hatte die Hamburger Journalistin großen Erfolg mit ihrem analog angelegten Vorgängerwerk Mein erstes Mal - Frauen aus vier Generationen erzählen. Nun sind die Männer an der Reihe, Intimes von sich preiszugeben. Und wieder lebt das Ergebnis von der Authentizität, Offenheit und Diversität der Interviewpartner.

Jutta Vey hat Männer im Alter von 19 bis 83 Jahren mit unterschiedlichen Werten, Moralvorstellungen und Bildungsniveaus befragt. Herausgekommen sind einfühlsame und spannende Porträts. Allesamt sehr persönliche Geschichten über Liebe und Sex, Erwartungen und Ängste, über Erziehung und Aufklärung, Normen und Triebe und die Prägungen, die das erste Mal hinterlässt.

18 Lebens- und Liebesgeschichten aus nicht miteinander zu vergleichenden Blickwinkeln. So war Dennis (26) bis vor zwei Jahren Jungfrau und Arno (73) sparte in den 1950er-Jahren für einen Bordellbesuch, um sich professionell entjungfern zu lassen. Die Männer und ihre lustigen, skurrilen oder romantischen Erlebnisse sind so unterschiedlich wie die Zeit, in der sie ihre Sexualität entdeckten.

Schnell wird klar, dass sich die Rahmenbedingungen für Sex und Liebe und eben auch besonders für die Entjungferung in den letzten 70 Jahren radikal geändert haben. Aus den Geschichten der Herren älteren Semesters lässt sich zwischen den Zeilen lesen, dass Lust früher natürlich noch viel mehr Privileg der Männer war als heute. Doch die wenigsten von ihnen waren aufgeklärt genug, um schon in jungen Jahren zu wissen, was sie wollen und was zu tun ist. Um ihre Sexualität überhaupt genießen zu können. Heute ist das Thema Sex allgegenwärtig. Es gibt kaum Tabus mehr und auch beim ersten Mal scheint es ganz individuell zuzugehen. Erlaubt ist was gefällt, wann es gefällt und mit wem es gefällt.

Jutta Vey gelingt es auf einzigartige, unterhaltsame und überraschende Weise das Thema Entjungferung aus einem soziologischen, geschichtlichen, psychologischen und anthropologischen Blickwinkel zu betrachten. So entsteht aus 18 Puzzleteilen ein Bild, das auch auf Überzeitliches und Überregionales schließen lässt. Die wichtigste Erkenntnis aber: Sexualität und Zeitgeist sind untrennbar miteinander verwoben.

Jutta Vey, geboren 1970 in Fulda, arbeitet als Redakteurin bei einer großen Fernsehzeitschrift in Hamburg. Ihre Themenschwerpunkte sind Menschen und Psychologie, sie hat ein Faible für Porträts, Interviews und Reportagen. 2008 erschien ihr erstes Buch Mein erstes Mal - Frauen aus vier Generationen erzählen. 2009 folgte Sex, Liebe oder was?. Im Juni 2011 erschien Mein erstes mal - Männer aus vier Generationen erzählen.

Lesetipp: Mein erstes Mal - Männer aus vier Generationen erzählen; Jutta Vey; Schwarzkopf und Schwarzkopf; 280 Seiten; erschienen im Juni 2011; 9,95 Euro.

rzf/som/news.de

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