Abhängige Promis Leiden sie wirklich an Sexsucht?

Sie sollen gierig nach Sex sein, können von Pornos nicht genug bekommen und haben ständig wechselnde Partnerinnen. Angeblich leiden Stars wie Charlie Sheen und Arnold Schwarzenegger unter Sexsucht. Was ist dran an den Gerüchten? News.de hat mit einem Sexsucht-Experten gesprochen

Leiden sie unter Sexsucht? (Foto)
Arnold Schwarzenegger, Lindsay Lohan und Charlie Sheen Bild: news.de/dpa/dapd(Montage)

Kaum hatte das erste Gerücht von Arnold Schwarzeneggers erster außerehelichen Affäre die Runde durch die internationalen Medien gemacht, hieß es schon, der «Gouvernator» sei sexsüchtig. Die Sucht nach Sex wird seit einiger Zeit jedem amerikanischen Prominenten unterstellt, der wegen seiner häufig wechselnden Sexualpartnerinnen in die Schlagzeilen gerät. Egal ob Tiger Woods, Jesse James oder Charlie Sheen – sie alle können im Grunde nichts für ihre Verfehlungen, denn sie alle sind ja krank.

Charlie Sheen, Arnie & Co: Diagnose Sexsucht?

Seltsam nur, dass kaum ein Promi öffentlich über diese Sucht spricht. Über Alkohol- und Drogenabhängigkeit werden Bücher geschrieben. Jede Woche beichtet ein Star in einer der zahlreichen Klatschzeitschriften, wie er erfolgreich von Kokain und Co. losgekommen ist, nur über die unüberwindliche Gier nach Sex und Pornographie sprechen Stars wohl nicht so gern. Der Einzige, der sich damit bisher in die Öffentlichkeit traute, war Akte X-Star David Duchovny. 2008 checkte er in eine Entzugsklinik ein und gab über das amerikanische People-Magazin bekannt: «Ich habe mich freiwillig in eine Einrichtung für die Behandlung von Sexabhängigkeit begeben».

Bushido - Frauenheld oder Sexsüchtiger?

Auch der deutsche Rapper Bushido sagte in einem Interview mit der Zeitschrift Bravo vor einigen Jahren, dass er «süchtig nach Sex sei» und «jede nähme, egal wie sie aussähe». Ob sich hinter solchen Aussagen eine Krankheit oder nur Koketterie mit dem Image eines Frauenhelden verbirgt, ist aus der Entfernung schwer zu sagen. Und darin liegt ja eben die Krux der ganzen Sache. Um einen Süchtigen einzuschätzen und dessen Sucht zu erkennen, muss man denjenigen gut kennen. Aber eine Sucht wird vor allem heimlich ausgelebt. Schließlich bedeutet sie immer etwas Verbotenes. Etwas, für das man sich schämen muss.

Dr. Kornelius Roth, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Bad Herrenalb, ist Experte für Sexsucht, hat dazu auch ein Buch geschrieben. Seiner Meinung nach gibt es für die angeblich sexsüchtigen Stars eine ganz einfach Erklärung: «Die Diskussion um die sexsüchtigen Promis ist künstlich entstanden. Was wir im Moment sehen, ist, dass das Leben immer öffentlicher wird. Wenn einer wie Strauss-Kahn festgenommen wird, dann kriegen wir das alles mit und wollen wissen, warum ist das so? Der Begriff ‹Sexsucht› fällt dann schnell.»

Eine Erfindung erzkonservativer Moralapostel?

Sexsucht ist keineswegs ein Problem der modernen Zeit. Der Sexualforscher Ernst Wilhelm Julius Bornemann fand heraus, dass Begriffe wie «Geilsucht» oder «Liebessucht», die nichts anderes als Sexsucht beschreiben, schon im 16. Jahrhundert bekannt waren. 2013 soll die Sucht im internationalen Katalog aller Krankheiten aufgenommen werden. Denn Sexsucht ist nicht, wie einige US-Forscher jetzt behaupten, eine Erfindung erzkonservativer Moralapostel aus Amerika, sondern eine ernstzunehmende Krankheit (Spiegel 19/2011).

Aber teilweise wegen dieser Moralapostel, die in den Vereinigten Staaten bekanntermaßen zahrleich sind, gäbe es diese Sucht, behauptet Dr. Kornelius Roth. Schuld daran sei das verklemmte Verhältnis der Amerikaner zur Sexualität: «Sucht breitet sich da aus, wo alles verboten ist. Man will immer das machen, was man nicht darf. Das kennen wir aus unserer Jugend. Normalerweise erlischt dieses Verlangen. Wenn die Repression aber bleibt, kann sich das leicht in eine Suchtform entwickeln. Ein Parameter für die Sexsucht ist ein negatives Verhältnis zur Sexualität».

Die Zahlen sprechen dafür. In Deutschland geht man davon aus, dass weniger als ein Prozent der Deutschen unter Sexsucht leiden, in den USA sind es über fünf Prozent, also rund 15 Millionen Menschen. Da könnte natürlich der eine oder andere Star dabei sein. Und wenn Charlie Sheen offen über sein Verhältnis zu Pornodarstellerinnen und Prostituierten spricht, liegt es besonders für die Verfechter von Enthaltsamkeit nahe, dass es sich bei der so öffentlich gelebten Sexualität nur um eine Krankheit handeln kann. Sexsucht könne selbstverständlich auch missbräuchlich verwendet werden, erklärt Dr. Kornelius Roth.

Lindsay Lohans nymphomane Neigungen

Sexsucht betrifft übrigens nicht nur Männer. Auch Frauen haben nymphomane Neigungen, wie es so schön heißt. Eine prominente Betroffene soll angeblich Lindsay Lohan sein. Anlass für derartige Spekulationen gab die Indiskretion eines ihrer Exliebhaber. Allerdings sind Frauen in der Regel weitaus seltener von der Sucht betroffen als Männer. Man könne von einem Verhältnis von 80 zu 20 ausgehen, sagt Dr. Kornelius Roth. «Frauen haben nicht so eine starke Affinität zur Pornographie wie Männer, die eher ‹Augentiere› sind». Frauen leben ihre Sexsucht meist mit tatsächlichen Partnern aus, während der Mann dazu neigt, seine Sucht virtuell, zum Beispiel durch Pornos, oder beziehungsfern, wie zum Beispiel im Rotlicht, auszuleben.»

Es ist also nach wie vor fraglich, ob die Promis, die unter dem Verdacht der Sexsucht stehen, auch wirklich daran leiden. Viel eher kann man davon ausgehen, dass die wirklich sexsüchtigen Stars damit nicht an die Öffentlichkeit gehen. Denn, was nach Sexualität klingt, ist vor allem in den USA ein großes Tabu-Thema.

Welche Stars angeblich süchtig nach Sex sind, sehen Sie in unserer Fotostrecke.

wie/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • hellboy
  • Kommentar 7
  • 01.07.2011 17:33
Antwort auf Kommentar 1

Wo er Recht hat, hat er Recht ;-))

Kommentar melden
  • writer
  • Kommentar 6
  • 28.06.2011 14:49

Mittlerweile wird´s lächerlich. Mal agesehen von der sicherlich genutzten Chance auf PR: heute wird versucht, jede denkbare moralische Sauerei oder die Allgemeinheit sonst belastende Unaussprechlichkeit als Ausdruck von Krankheit zu deklarieren. Ich bekenne mich: zur Sucht nach Nahrung, Kleidung, Wohnung, Sexualität, sozialer Anerkennung. Und zur Sucht danach, nicht mit noch weiterem Schmonzes solcher Natur in 68er-Manier belästigt zu werden. Leider verbieten es mir meine Moral und das Gesetz, bei Zuwiderhandlung meine RACHSUCHT auszuleben.

Kommentar melden
  • Heinz
  • Kommentar 5
  • 27.05.2011 12:07

Solange ich denken kann bestimmt die Sexualität unser/mein Leben. Aus ihr gehen wir/ich hervor und ihr dient unser/mein Aufenthalt auf diesem Planeten. Die Sexsucht wie auch die vielen anderen Süchte sind erst durch die Kulturvierung des Menschen entstanden.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig