Saale-Orla-Kreis Thüringer Meer und mehr

Juliane ZiegengeistVon news.de-Mitarbeiterin
Burgen und Schlösser umringt von Wäldern und Flüssen: Im Saale-Orla-Kreis kommen Naturliebhaber, Kulturinteressierte und Action-Suchende auf ihre Kosten. Denn der Südosten Thüringens ist gespickt mit Superlativen - vom hauseigenen Meer bis zum lebensgroßen Märchenwald.

Der größte Stausee Deutschlands, die älteste deutsche Naturrennstrecke, das größte Hexenhaus Europas: Der Saale-Orla-Kreis hat einiges zu bieten. Mit rund 88.600 Einwohnern eher klein, ist der Landkreis im Südosten Thüringens reich an Ausflugszielen, die längst keine Geheimtipps mehr sind. Sie erstrecken sich entlang von Orla und Saale, die dem Kreis seinen Namen geben und seinen Sehenswürdigkeiten im Zusammenspiel mit dem Grün der Wälder ein besonderes Flair verleihen.

In der Orlasenke, einer rund 40 Kilometer langen Flachlandregion, eignen sich zahlreiche größere und kleinere Städte von Ost nach West für einen Kurztrip. Neustadt an der Orla lädt nicht nur zu einer Wanderung zum Bismarckturm auf dem 425 Meter hohen Kesselberg ein. Auch die Innenstadt mit den mittelalterlichen Fleischbänken, einstiger Ladenstraße der Fleischer, spätgotischem Rathaus und LutherhausReformator Martin Luther besuchte die Kleinstadt mehrfach und predigte in der örtlichen Stadtkirche Sankt Johannis. kann sich sehen lassen.

Nur wenige Kilometer westlich von Neustadt liegen Oppurg und Ranis, die beide mit historischen Bauten beeindrucken: Das Barockschloss Oppurg ist ein Schloss wie aus dem Bilderbuch - Wassergraben und Schlossgarten inklusive. Auch die 1000-jährige Burg Ranis hat all das, was man sich unter einer Burg vorstellt: Kellergewölbe, Hungerturm, Burgküche und Bergfried. Am Fuße der Burg weiden Wisente im 1. Thüringer Wisent-Freilandgehege. Daneben ist der Naturlehrgarten in Ranis mit über 30 Biotopen einen Besuch wert.

Renn- und Wassersport im Umkreis weniger Kilometer

Über das Land der tausend Teiche geht es in die Kreisstadt Schleiz, in der Konrad Duden einst über Rechtschreibregeln sinnierte. Sie lockt mit Auto-, Motorrad- und Seitenwagenrennen auf dem Schleizer Dreieck Jahr für Jahr zahlreiche Motorsportfans an. Seit 1923 wird die Strecke für Rennen genutzt, sie ist damit die älteste Naturrennstrecke Deutschlands. Jährlicher Höhepunkt im Rennkalender: der Lauf der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft, der in Schleiz in diesem Jahr zum 77. Mal stattfindet. Seit dem vergangenen Jahr sind auch Radfahrer auf dem Schleizer Dreieck unterwegs. Das sogenannte Jedermannrennen führt aber nicht nur über die traditionsreiche Rennstrecke. Insgesamt 1800 Höhenmeter stellen sich den teilnehmenden Hobbyradsportlern in den Weg, denn es wird durch das Thüringer Schiefergebirge und vorbei an Deutschlands größtem Stausee, der Bleilochtalsperre, geradelt.

Thüringen
Auf Rundreise durch den Saale-Orla-Kreis

Diese bildet mit dem Hohenwarte-Stausee weiter westlich das «Thüringer Meer». An der Saale zwischen den Stauseen gelegen, strahlt Schloss Burgk. Mit Rokokopavillon, Silbermann-Orgel und einer historischen Schlossküche, die den größten Kamin Deutschlands beherbergt, zählt es zu den beliebtesten Ausflugszielen des Saale-Orla-Kreises. Wer die 192 Stufen des Saaleturms am Ortseingang von Burgk erklimmt, erhascht nicht nur einen Blick auf den Schlossfelsen, sondern auch auf die 215 Millionen Kubikmeter Wasser der Bleilochtalsperre. All jene, die nicht schwindelfrei, dafür aber wasserfest sind, können sich in Saalburg vom Fahrgastdampfer über den See schippern lassen. Die einstündige Fahrt kostet 10 Euro und führt entweder zur 65 Meter hohen Staumauer oder nach Zoppoten zum sogenannten Totenfels. Hier sollen einst Menschen in die Saale gestürzt worden sein. Heute beeindruckt der steil aus dem Wasser herausragende Felsvorsprung sowohl von der See- als auch Landseite aus.

Für Sportfreunde stehen an zahlreichen Bootsanlegestellen Kanu oder Tretboot bereit, um die Läufe der Saale auf eigene Faust zu erkunden. Auch an Wander- und Radrouten mangelt es rund um die Talsperre nicht. Wer sich von Saalburg aus auf den Weg macht, ist in nur 20 Minuten im Märchenwald, wo sich Schneewitchen und Co. in Lebensgröße präsentieren. Rund 40 Märchenszenen wurden detailverliebt nachgestellt, darunter das größte Hexenhaus Europas. Kinder können sich zudem in Minicars, einer Seilbahn und einem Tiergehege austoben. Der Park hat bis einschließlich Oktober von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 5, Kinder 4 Euro Eintritt. Nur einen Steinwurf von Saalburg entfernt gibt es Sommerrodelbahn und Kletterpark - genau das Richtige für Aktivurlauber, die Geschwindigkeit und Höhe lieben.

Natürliche Entspannung und Entspannung in der Natur

Am südlichen Ende der Bleilochtalsperre liegt Bad Lobenstein. Als Moorbad Lobenstein bekannt, ist der Kurort zwischen Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald dank eisenhaltiger Quellen und reichlicher Moorvorkommen erste Anlaufstelle für gesunde Erholung. In der Ardesia-ThermeArdesia kommt aus dem Italienischen und bezeichnet Schiefer. kann in Thermalwasser entspannt werden, das direkt aus dem Erdinneren gepumpt wird. Einzigartig ist die Moorsauna, in der sich Besucher selbst Moor auflegen.

Wahrzeichen von Bad Lobenstein ist aber der Alte Turm, der zu den Resten einer Burgruine aus dem 11. Jahrhundert gehört. Er thront hoch über der Stadt und kann für nur 1,50 Euro bestiegen werden. Wer sich die 130 Holzstufen im Inneren des schmalen Turms hinaufgequält hat, dem bietet sich in 36 Meter Höhe eine wunderschöne Aussicht über die Stadt und angrenzende Wälder. Im Regionalmuseum am Fuße des Turms wird ein Stück Geschichte der ehemals preußischen Residenzstadt erzählt. Hier steht auch der älteste noch funktionstüchtige Webstuhl Deutschlands.

Nicht weniger geschichtsträchtig ist Hirschberg an der Saale, das unmittelbar an Bayern grenzt und von 1945 bis 1989 zum Sperrgebiet der DDR gehörte. Fast ein halbes Jahrtausend prägte die Lederfabrik, einst größter deutscher Schuh- und Sohlenlederproduzent, das Stadtbild. Noch heute zeugt das Museum für Gerberei- und Stadtgeschichte davon. Es ist das einzige Überbleibsel, nachdem die Fabrik Mitte der 1990er Jahre vollständig abgerissen wurde.

Auf dem Lohberg steht das Barockschloss der Stadt, von hier aus lässt sich ganz Hirschberg überblicken. Der Namensgeber der Stadt wacht auf einem Felsvorsprung am Rande des Berges. Über die Schlossterrassen oder einen Hängesteg am unteren Ende des Felsens gelangen Wanderer zum sogenannten Hag, einem Mischwald entlang der Saale. Hier finden rund 95 Personen auf nur einer Holzbank Platz. Die «lange Bank» wurde aus einem Baumstamm gefertigt und misst stolze 30 Meter. Am Wochenende können Ausflügler mit einem Boot der Gondelstation, die zu DDR-Zeiten für Bewohner und Touristen der Stadt tabu war, einen Abstecher gen «Westen» wagen.

Unter dem Titel «Meine Heimat» stellen news.de-Redakteure die Besonderheiten und Highlights ihrer Heimatlandstriche oder Städte vor. Kommen Sie mit auf eine persönliche Reise durch Deutschland.

ham/rzf/ivb/news.de

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