Jakobsweg Als Luxuspilger durch Spanien

Sinnsuche zu Fuß (Foto)
Mit Stab und Jakobsmuschel unterwegs. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Die Jakobsmuschel ist das Symbol des Jakobspilgers. Die Strahlen auf ihr führen an einem Punkt zusammen. Sinnbildlich stehen sie für die vielen Wege nach Santiago de Compostela. Nicht nur religiös motivierte Wanderer finden unterwegs ihre Erfüllung.

Der Jakobsweg ist die vielleicht älteste Wanderroute Europas. Seit dem 9. Jahrhundert ist Santiago de Compostela, wo die Reliquien des Apostels unter der prunkvollen Kathedrale liegen sollen, das Ziel von Wallfahrten. Wie ein Netz durchziehen die Wege Europa, Teile davon auch Deutschland. Sie alle laufen in Galicien zusammen. Die Bekanntesten sind Camiño Frances, Via de la Plata, Camiño del Norte und Caminho Português.

Pilgern ist seit Hape Kerkeling und Paulo Coelho wieder in: 2009 registrierte das Pilgerbüro in Santiago 160.000 Pilger. 2010, also in einem Heiligen Jahr, verzeichnete man mit knapp 275.000 einen Rekord. In diesen Jahren, wenn der Jakobustag (25. Juli) auf einen Sonntag fällt, öffnet die Kathedrale die Porta Santa, den Eingang an der Rückseite. Wenn man nach seiner Pilgerreise durch sie ins Innere tritt und eine Reihe bestimmter Rituale ausführt, erhält man vollständigen Ablass von seinen Sünden. So will es die Legende.

Jakobsweg
Natur und Kultur beim Pilgern erleben

Nicht nur, dass vor der heiligen Pforte mit langen Wartezeiten gerechnet werden muss. Es kann auch schon unterwegs zu Bettenengpässen kommen. Besonders auf dem meistfrequentierten Camiño Frances können die Pilgerherbergen beileibe den Andrang nicht auffangen. Üblicherweise nächtigen Pilger in Schlafsälen. Wenn alle Betten jedoch belegt sind, bleibt oft nur die eigene Isomatte im Korridor - oder ein teureres Hotel. An Schlaf ist sonst nicht zu denken.

Etwas Luxus gefällig?

Das ist dann tatsächlich nur etwas für Hardcore-Gläubige. Für jene, die das Wandern auf historischen Wegen mit kulturellem Erleben in den Vordergrund stellen oder auf dem Weg zu sich selbst finden wollen, empfiehlt es sich, die Heiligen Jahre zu meiden. 2011 ist wieder ein normales Pilgerjahr. Wer garantiert entspannt wandern statt entbehrungsreich pilgern möchte, dem bietet Turgalicia seit einigen Jahren das Bono-Iacobus-Programm.

Die Idee ist einfach wie genial. Das Pilgern wird sozusagen von jeglichem Ballast befreit. Statt in Massenunterkünften bieten 600 Landhäuser verschiedener Kategorien Übernachtungen inklusive Frühstück und Abendbrot an. Das Gepäck wird auf Wunsch von Etappe zu Etappe transportiert, ebenso können Lunchpakete geordert werden und die müden Wanderer werden am Etappenziel sogar abgeholt, falls das Gasthaus etwas weiter ab vom Wege liegt.

Während der Pilger mit schwerem Gepäck halb entkräftet oft kaum einen Blick für die Schönheit der Landschaft und der Architektur hat, kann sich der Wanderer voll darauf konzentrieren. Für den französischen Weg in Galicien von O Cebreiro nach Santiago (157 Kilometer) sind beispielsweise sieben Tagensabschnitte vorgesehen. Das längste Stück ist 28 Kilometer lang, die Kosten mit 860 Euro für zwei Personen und Halbpension human.

Ob man die gesamte Strecke zu Fuß zurücklegt oder es auf einem Teilstück auch einmal gemütlich angehen lässt - wichtig ist nur, sich an die Regeln zu halten. Um die Pilgerurkunde «Compostela» zu erhalten, müssen die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer per Fahrrad oder Pferd zurückgelegt werden. Der Pilgerausweis, der entlang der Strecke in Herbergen und Kirchen abgestempelt wird, dient im Pilgerbüro in Santiago de Compostela als Nachweis.

som/zij/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Anabel
  • Kommentar 1
  • 13.04.2011 18:35

Hallo, mein Name ist Anabel und ich arbeite in Turgalicia, wo wir den Bono Iacobus entwickelt haben. Ich wollte mich herzlich bedanken, dass Sie den Bono Iacobus erwähnen. Genau, dieser Jakobusgutschein schließt Unterkunft, Abendessen, Frühstück und die Überführungen von den Landhäusern bis zum Anfang und Ende jeder Etappe im Auto ein. Es werden aber leider nicht 600 Landhäuser angeboten. Es sind von uns ausgewählte Häuser und es sind fast immer die gleichen, also ein Haus pro Etappe. Schöne Grüße aus dem grünem Spanien. Anabel Twitter: @BelTurgalicia Facebook:anabel.cmturgalicia

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