Buchtipp Schluss mit öden Reiseführern

Eine richtige Sandburg bauen, sich im Urlaub auf ganz besondere Nationalgerichte freuen oder mit dem Bus nach Shanghai fahren - im Reisebuch erfahren Urlauber, wie sie genau das anstellen, ohne in Fettnäpfchen zu treten.

Reisebuch (Foto)
Dominik Prantl (links) und Jochen Temsch haben allerlei Skurriles zusammengetragen. Bild: Stephan Rumpf/Süddeutsche Zeitung Verlag

Die Stempel der Reiseziele Samoa, Benin, Barcelona, Peschici und Namibia sind bereits auf der Umschlaginnenseite des Reisebuches von den Journalisten Dominik Prantl und Jochen Temsch zu finden. Und auch die Reisepassoptik macht schnell klar, worum es sich handelt. Einen schnöden Reiseführer muss niemand fürchten: Prantl und Temsch haben sich vielmehr dem Thema Reisen auf ihre ganz eigene Art genähert und eine Hinführung zum Reisen selbst verfasst.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Fülle an Informationen dieses Werkes kann an dieser Stelle nicht detailliert wiedergegeben werden - es ist schier unmöglich. Denn das Autorenduo hat zu wirklich jedem nur erdenklichen Thema rund ums Reisen recherchiert. Das Ergebnis erstreckt sich auf 416 Seiten voller Anekdoten sowie praktischem, vor allem aber außergewöhnlich verpacktem Wissen.

Vor der Reise - vom Reisewetter bis zum Koffer

Wie liest man einen Reisekatalog eigentlich richtig? Dieser Problematik nehmen sich die Autoren Prantl und Temsch unter anderem im ersten großen Kapitel ihres Reisebuch an. Hier haben sie gängige Beschreibungen für Flug, Reiseziel, Hotel und Ausstattung zusammengetragen und fühlen klangvollen Versprechen wie «gute Verkehrslage», «kurzer Transfer», «direkt am Meeer» oder «zweckmäßige Einrichtung» auf den Zahn. Schließlich sagt die Floskel «beheizbarer Swimmingpool» nur aus, dass der Pool beheizbar ist - aber nicht, dass dies auch tatsächlich geschieht. Und in einem «neu eröffneten» Hotel können theroretisch auch Bauschutt und letzte Renovierungsarbeiten auf die Feriengäste warten.

Koffer ist nicht gleich Koffer - das wissen Urlauber, wenn Sie mit dem Reisebuch fertig sind. Wie der perfekte Koffer aussieht, welche Arten es überhaupt gibt und wie Sie ihn richtig packen - all das verrät das Autorenduo auf witzige Weise. Des Weiteren erfährt man, wiedie richtige Reisezeit für ein Land bestimmt, einem Urlaub gebührend entgegengefiebert oder aber eine Fernbeziehung geführt wird. Schließlich kann es in den Ferien auch mal funken.

Hinkommen - viele Wege führen zum Ziel

Egal ob mit dem Auto, dem Flugzeug, der Bahn oder zu Fuß - Prantl und Temsch halten für alle spannende und lustige Tipps bereit. Wer schon immer wissen wollten, wie er mit dem Taxi nach Teheran oder dem Bus nach Shanghai kommt, wird in diesem Buch fündig. Auf der einen Seite erfährt man, wie man sich mit Niederländern verständigt, auf der anderen wie eine langweilige Bahnfahrt ein spaßiges Quiz im Stil von Wer wird Millionär? die lange Reisezeit angenehm verkürzt - inklusive Abteil- und Zubegleiterjoker. Schiffsreisende haben es da besser: Sie bekommen praktische Tipps zum Belegen der richtigen Kabine, dem stilvollen Dinieren mit dem Kapitän oder dem perfekten Kniff beim Spielen von Schiffe versenken.

Am Ziel - von Sandburgen und Nationalgerichten

Schnöde Urlaubsgrüße per Postkarte oder SMS gibt es zuhauf. Dank einer großen Tabelle im Reisebuch lassen sich bereits fertige Satzblöcke zu Wetter, Befinden sowie dem Urlaubsort zu kleinen Nachrichten an die Daheimgebliebenen formulieren. Heraus kann dabei zum Beispiel folgender Urlaubsgruß kommen:

«Mein liebster Hase! Auch wenn die Schönheit hier mit Deiner nicht konkurrieren kann, geht es mir gut. Die Sonne hat die Wärme Deiner Haut. Habe ein paar Mal versucht Dich spät abends anzurufen. Wo warst du denn? 1000 Küsse, dein Hase.»

Wem schnöde Grüße zu öde sind, der kann sich - Strandurlaub vorausgesetzt - an einer Sandburg versuchen. Wie dieses Unterfangen richtig begonnen wird, welcher Sand sich am besten eignet, wo keine Burgen gebaut werden dürfen (Venetien, Sylt) und welches Zubehör auf keinen Fall fehlen sollte (Kartons, Joghurtbecher, Eisstiele) haben Prantl und Temsch akribisch zusammengetragen. Es zu lesen ist eine Freude.

Weniger mit Freude, dafür mit Interesse studiert man die Nationalgerichte aus aller Welt. Bildhaft wird die Zusammensetzung landestypischer Spezialitäten wie Yan Wo (Schwalbennestersuppe aus echten Schwalbennestern), Haggis (gefüllter Schafsmagen), Balut (angebrütetes, gekochtes Hühner- oder Entenei) sowie Blutwurst beschrieben.

Ein wenig erinnert das Reisebuch an Ben Schotts Sammelsurium, einer Sammlung unzähliger Fakten zu allen möglichen Themen, aus der Feder des britischen Journalisten Ben Schott. Nur haben sich Prantl und Temsch eben auf das Reisen spezialisiert und servieren in kleinen Häppchen skurrile, witzige und sehr lesenswerte Fakten und Ideen rund um die schönste Zeit des Jahres.

Titel: Reisebuch
Autor: Dominik Prantl & Jochen Temsch
Verlag: Süddeutsche Zeitung
Seitenzahl: 416 Seiten
Preis: 19,90 Euro

jag/news.de

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