Tourismus Heiliges Schmuggelgut: Das Ikonenmuseum in Suprasl

Heiliges Schmuggelgut: Das Ikonenmuseum in Suprasl (Foto)
Heiliges Schmuggelgut: Das Ikonenmuseum in Suprasl Bild: dpa

Suprasl (dpa/tmn) - Noch vor 20 Jahren blühte der Schmuggel mit russischen Ikonen. Zum Glück haben polnische Zöllner Hunderte Marien- und Heiligenbilder an der Grenze abgefangen. Inzwischen gibt es für sie ein eigenes Museum im ostpolnischen Suprasl.

Suprasl (dpa/tmn) - Noch vor 20 Jahren blühte der Schmuggel mit russischen Ikonen. Zum Glück haben polnische Zöllner Hunderte Marien- und Heiligenbilder an der Grenze abgefangen. Inzwischen gibt es für sie ein eigenes Museum im ostpolnischen Suprasl.

Als die Sowjetunion zerbrach, schlug die Stunde der Schmuggler. Und geschmuggelt wurden nicht nur geklaute Autos, sondern auch gestohlene Ikonen. In einem stillgelegten Warschauer Sportstadion verscherbelten Händler auf dem «Jarmark Europa», einem der größten Freiluftmärkte Osteuropas, die Marien- und Heiligenbilder zu Schleuderpreisen. Doch nicht alle Ikonen landeten auf dem Markt. Immer wieder gelang es den Zöllnern an Polens Ostgrenze, die Schmuggelware zu beschlagnahmen. Jetzt ist sie in einem Museum wieder zu sehen.

Das Ikonenmuseum in der polnischen Kleinstadt Suprasl nahe der weißrussischen Grenze zeigt seit drei Jahren Hunderte der Heiligenbilder. Das Regionalmuseum in Bialystok, das die Ausstellung betreibt, besitzt rund 1200 Ikonen und damit eine der größten Sammlungen Polens. Das Haus habe bereits in den 1960er Jahren Ikonen gekauft und Schenkungen erhalten, erklärt Museumsführer und Kunsthistoriker Piotr Sawicki. «Ab 1990 war der Zoll unsere Hauptquelle.»

Im orthodoxen Kloster von Suprasl werden die Malereien eher unorthodox präsentiert: Auf für Museen typische weiße Wände und lange Texte haben die Ausstellungsmacher verzichtet, da sie nur die Wahrnehmung der Ikonen stören würden, von denen die ältesten aus dem 18. Jahrhundert stammen. Sie minimierten die Beleuchtung, im Hintergrund läuft byzantinische Musik. So sollen die Besucher die Malereien in einem «natürlichem Umfeld» betrachten.

Die neun Säle repräsentieren einzelne Stationen und Glaubensinhalte des Christentums. Im ersten Raum stehen die Ikonen inmitten römischer Katakomben, die an die Christenverfolgung und die Anfänge christlicher Malerei erinnern. Der nächste Saal ist im Stil einer Basilika eingerichtet. Umgeben von aufwendigen Deckenmalereien und liturgischen Texten werden dort Ikonen mit Motiven aus dem Alten Testament gezeigt. «Sie sind praktisch die Bibel in Bildern und halfen Menschen, die nicht lesen konnten», erklärt Sawicki.

Hymnen zu Ehren der Jungfrau Maria führen in den «blauen Raum» ein. «Die Wandfarbe steht für die mystische Verbindung zwischen Maria und dem Himmel», erläutert Sawicki. Darstellungen der Mutter Gottes gebe es in rund 700 Varianten. In Suprasl hängen unter anderem Bilder aus Kazan und Smolensk. Bei der Mehrheit der Ikonen sei aber unbekannt, woher sie stammen.

In den dunklen Räumen ist Sawicki kaum zu erkennen. Die Ikonen strahlen hingegen regelrecht. Licht werde kaum benötigt, da die Malereien eine eigene Leuchtkraft besitzen, sagt der Museumsführer. Anders als in der westlichen Malerei werde das gemalte Objekt nicht von einer Lichtquelle angestrahlt, sondern leuchte von selbst und verdeutliche so das Göttliche.

Der nächste Raum mit Heiligenbildern ist dunkelrot gehalten. Die Farbe steht für das Blut, das die ersten Christen für ihren Glauben vergossen. Hier wird deutlich, dass Ikonen nicht nur aus Holz, sondern auch aus Metall bestehen und in Form eines Kreuzes gefertigt wurden. In einem Video erfahren die Besucher, wie Ikonen entstehen, in Workshops können sie selbst den Pinsel zur Hand nehmen.

Die Ausstellung schließt mit byzantinischen Fresken aus der Suprasler Klosterkirche, die deutsche Soldaten 1944 zerstörten. Die Kirche des Männerklosters ist wiederaufgebaut und steht Besuchern ebenfalls offen. Das Kloster, einst eine orthodoxe Hochburg Polens, sei die ideale Heimat für die Ikonen, sagt Sawicki. Sorgen, dass Russland Exponate zurückfordert, hat er nicht. «Es hat sich noch niemand gemeldet.»

Informationen:

Muzeum Ikon, ul. Klasztorna 1, 16-030 Suprasl. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2,50 Euro, ermäßigt 1,25 Euro. Familientickets für bis zu fünf Personen kosten 5 Euro. Das Museum hat von Mai bis August dienstags bis sonntags von 12.00 bis 19.00 Uhr und freitags von 10.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Von September bis August ist es von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. An Feiertagen ist die Ausstellung geschlossen. Führungen sind in englischer Sprache möglich.

Webseite des Museums (poln.)

news.de/dpa

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