Stechlinsee Wandern auf Fontanes Spuren

Stechlinsee (Foto)
Wenn die Sonne günstig steht, schimmert der See in Azurblau. Bild: Sanja Taghizadeh

Von news.de-Redakteurin Melanie Sohn
Glasklares Wasser, sattes Grün, tiefe Wälder - im Naturpark Stechlin liegt einer der saubersten Seen Deutschlands. Zahlreiche Sagen und Mythen ranken sich um das Gewässer, das als einziges den Fisch Fontane-Maräne beherbergt.

Schon Theodor Fontane wandelte an seinen Ufern und Buchten, suchte unter kühlen Buchen Schatten und benannte einen seiner Romane - Der Stechlin - nach ihm. Um das Gewässer ranken sich zahlreiche Mythen. Eine erzählt vom Roten Hahn, der aus den tosenden Tiefen des Wassers emporsteigt und unter ohrenbetäubenden Lärm allzu gierige Fischer in das Wasser hinabzieht.

Bei ausgedehnten Wanderungen um den Stechlin findet sich auch die berühmte Mordbuche. Ihre Geschichte ist tragisch, handelt sie doch von zwei jungen Menschen und unerwiderter Liebe, die im Tod endete. Zeuge der Tragödie war nur der Baum, der noch heute zwei in die Rinde geritzte Personen zeigt. Kein Mythos, sondern die volle Wahrheit ist die Fontane-Maräne. Ein Fisch, der nur hier lebt und seinen Namen dem berühmten Schriftsteller verdankt.

Stechlinsee
Azurblaues Wasser und ein Roter Hahn

Die Rede ist vom Großen Stechlinsee im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land in der Gemeinde Stechlin in Oberhavel. Ganze 12.000 Jahre ist er alt, entstanden aus Toteis, einem Gletscherstück, welches nicht mehr mit seinem eigentlichen Gletscher verbunden ist. Von Berlin sind es nur knappe 90 Kilometer, also eine gute Stunde mit dem Auto, um vom Großstadtdschungel aus in eine grüne Oase voller Pflanzen und Wasser einzutauchen.

Idealerweise wird der See vom Dörfchen Neuglobsow aus erkundet. Massentourismus gibt es hier nicht. Ein paar Straßen, ein Konsum, kleine Gasthöfe und Hotels sowie die Tauchbasis - mehr hat und braucht es nicht, um sich in dem Örtchen wohl zu fühlen.

Karibiktraum mitten in Norddeutschland

Im Frühling und Sommer wird aus dem staatlich anerkannten Erholungsort ein Naturparadies mit üppigstem Grün, alten Buchenwäldern, Duft nach Natur und dem schillernden See, der sogar Trinkwasserqualität haben soll. Steht die Sonne günstig, leuchten seine Wellen in karibischem Blau und Grün. Das Gewässer erstreckt sich auf 4,2 Quadratkilometern und gehört zu den saubersten Deutschlands. Das liegt an der Nährstoffarmut, der Algenwachstum keine Chance gibt.

Der Stechlinsee
Tauchen auf den Spuren Fontanes
Video: YouTube

Die tiefste Stelle des Stechlin misst 69 Meter, die Sichttiefe beträgt fast elf Meter - ein Paradies für Taucher. Diese finden in den unendlichen Tiefen und zahlreichen Buchten Hechte, Barsche, Krebse und Maränen. Manche von ihnen lassen sich schon als zahm bezeichnen, begleiten sie die ungewöhnlichen Unterwassebesucher doch manchmal ein Stück weit durch das kühle Nass.

Wer dem Tauchen oder endlosen Sonnenbädern auf der großen Seewiese nichts abgewinnen kann, schwingt sich aufs Rad zu einer Tour um den Stechlin - die große dauert gute zwei Stunden, die kleine Runde eine. Doch auch zu Fuß ist die Umgebung erkundbar. Auf einem Wanderpfad, der nur wenige Meter vom Ufer entfernt ist, geht es entlang einer beschaulichen Route durch geschütze Wälder. Zahlreiche ruhige und romantisch anmutende Buchten laden zum Zwischenstopp, Baden und Schwimmen ein.

Die Glasmacher unter der Fontanelinde

Doch nicht nur die Natur, auch die Geschichte Neuglobsows ist erfahrenswert. Der Begriff Stechlin stammt vom slawischen Begriff steklo und bedeutet soviel wie Glas. Das passt, denn das Wasser ist glasklar und der Ort selbst blickt auf die längjährige Tradition der Glasmacher zurück. Noch heute prägen alte Häuser im Fachwerkstil das Dorfbild - direkt im Kern befindet sich das alte Glasmuseum in einem 225 Jahre alten Haus. Rastmöglichkeiten bieten urige Gasthöfe, wie das alte Fontanehaus. Wie der Dichter selbst, können Besucher hier unter der Fontanelinde Platz nehmen, ihren Gedanken nachhängen oder die nächste Tour planen.

Egal wofür Sie sich entscheiden, kehren Sie nach einem ausgedehnten Strandtag, Wanderungen oder Radtouren unbedingt noch an der Nordbucht am Hirschberg ein. Hier bietet die Fischerei Böttcher seit sechs Generationen fangfrische Fischspezialitäten an. Darunter auch lecker Geräuchertes und natürlich die stechlintypische Maräne. Allerdings nicht die von Fontane, denn der Winzling steht aus Artenschutzgründen nicht auf der Speisekarte. Vielmehr handelt es sich um eine Artvariante, die sowohl gebraten als auch geräuchert ein wahrer Gaumenschmaus ist. Und wenn Fischer Böttcher seine Netze eingeholt und an Land ist, und Sie ihn nett fragen, erzählt er bestimmt die Geschichte vom Roten Hahn und dem Fischer Minack, den das Tier für immer in seine unendlichen Tiefen gezogen hat.


Unter dem Titel «Meine Heimat» stellen
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ham/news.de

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