Tunesien-Urlaub Wer bleibt, trägt das Risiko allein

Tunesien (Foto)
Einige der Urlauber wurden frühzeitig durch ihre Reiseveranstalter aus Tunesien ausgeflogen. Bild: dapd

Soll ich in Tunesien bleiben oder vorzeitig nach Hause fliegen? Manchen Urlaubern, die sich seit den Unruhen im Lande diese Frage gestellt hatten, ist die Entscheidung abgenommen worden: Thomas Cook mit der Hauptmarke Neckermann fliegt seine Gäste zurück.

Thomas Cook hat am 14. Januar 2011 die Evakuierung von rund 2000 deutschen Gästen aus dem nordafrikanischen Land in die Wege geleitet. Eine Verpflichtung dazu gab es für die Veranstaltergruppe mit der Hauptmarke Neckermann Reisen aber nicht. Denn der einen Tag zuvor neu formulierte Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes (AA) hatte den Touristikunternehmen mehrere Optionen gelassen - und Thomas Cook entschied sich, anders als die anderen Veranstalter, für die am weitesten gehende aller Möglichkeiten. Urlauber, die freiwillig in Tunesien bleiben wollten, müssen die Risiken jetzt allein tragen.

Der genaue Wortlaut im AA-Sicherheitshinweis lautete seit dem 13. Januar 2011 «Aufgrund der unsicheren Lage wird derzeit von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Tunesien abgeraten». Damit war die äußerste denkbare Stufe einer formellen Reisewarnung jedoch nicht erreicht: «Rotlicht ist das noch nicht», erläuterte der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Bei einer Reisewarnung hätten die Touristikanbieter nicht anders gekonnt, als alle deutschen Tunesien-Urlauber schnell nach Hause zu holen. Die Verschärfung des Reisehinweises, so Degott, sei aber «nur Gelblicht» gewesen, das den Veranstaltern noch einen Spielraum eröffnete.

Reisende wollen nicht nach Hause

Anbieter wie die TUI, die Rewe-Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg) und Alltours entschieden sich, Gästen mit einem bevorstehenden Abflug nach Tunesien neben Umbuchungen nun auch die Gelegenheit zum kostenlosen Stornieren der Reisen anzubieten. Bei der TUI und den Rewe-Marken zum Beispiel gilt das jetzt für Anreisen bis zum 24. Januar. Dass Thomas Cook einen Schritt weiterging, alle Anreisen bis einschließlich Montag absagte und Gäste aus Tunesien herausholte, wollte der Deutsche Reiseverband (DRV) nicht kommentieren. Sprecher Torsten Schäfer in Berlin verwies auf die bestehenden Umbuchungs- und Stornomöglichkeiten, «alles andere sind Unternehmensentscheidungen».

Die Zahl der deutschen Reiseveranstaltergäste, die sich am 14. Januar in Tunesien aufhielten, bezifferte Schäfer auf «etwa 6000 bis 8000». Die von den Veranstaltern angebotene Möglichkeit, freiwillig nach Deutschland zurückzureisen, werde bisher «kaum in Anspruch genommen».

Wie viele Thomas-Cook-Gäste sich am Freitag entschieden - nun auf eigenes Risiko - in Tunesien zu bleiben, war noch unklar. Die Veranstalter des Konzerns hatten bei allen Gästen den Reisevertrag wegen höherer Gewalt gekündigt, erklärte Sprecher Mathias Brandes im hessischen Oberursel. Wer vorzeitig zurückflog, erhalte anteilig für die ausfallenden Tage seinen Reisepreis zurück. Trotzdem bestand auch die Möglichkeit, für den gebuchten Zeitraum weiter in den Hotels zu bleiben. Wer das wollte, hatte aber fortan keine Haftungsansprüche mehr gegen seinen Veranstalter.

Der «Anspruch auf Rückbeförderung» bleibt in solchen Fällen bestehen, erklärte der Thomas-Cook-Sprecher. Das heißt: Der Anbieter hat die bleibenden Gäste auch später nach Hause zu fliegen. Unter Umständen ist dies für den Gast aber mit höheren Kosten verbunden - zum Beispiel weil neue Flugtickets gekauft werden müssen. «Falls ein zusätzlicher Aufwand erforderlich wird, werden diese Zusatzkosten zwischen Veranstalter und Gast geteilt», sagte Brandes. Ob in den kommenden Tagen tatsächlich alle ursprünglich geplanten - und damit aufpreisfreien - Rückflüge von Tunesien nach Deutschland stattfinden werden, könne «noch niemand mit Sicherheit sagen», erklärte Brandes.

som/news.de/dpa

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