Limburg Der Dom, die Säcker und die sieben Laster

Limburg (Foto)
Wer Limburg besucht, kommt am Dom nicht vorbei. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Wer Limburg hört, denkt meist an eine würzige Käsesorte. Doch weit gefehlt! Limburg hat mit dem Stinker gar nichts zu tun. In der Reihe «Meine Heimat» stellt news.de heute die Stadt an der Lahn vor.

Es gibt eine Stelle an der Autobahn A3 auf halber Strecke zwischen Köln und Frankfurt, die haut fast jeden Autofahrer um. Sofern er den unfallträchtigen Elzer Berg erfolgreich hinter sich gebracht hat und seinen Blick im richtigen Moment nach rechts wendet. Für einen winzigen Moment kann er dann den Limburger Dom erblicken, der theatralisch auf den Felsen oberhalb der Lahn thront.

Die fast 800 Jahre alte Bischofskirche ist das Wahrzeichen der mittelhessischen Stadt Limburg. Und der Stolz der Limburger, die Besucher immer noch gerne darauf hinweisen, dass ihr Gotteshaus einmal den alten 1000-Mark-Schein geziert hat. Und denen es stinkt, wenn Gäste glauben, sie befänden sich in der Heimat einer bestimmten Käsesorte. Nein, der geruchsstarke Limburger gehört ins belgische Limburg!

Limburg an der Lahn
Von Bischöfen, Rittern und Teigbildhauern

Der Duft von Bratwurst und Rebensaft

Im hessischen Limburg duftet es vielmehr nach Bratwurst und Rebensaft, wenn die Limburger die Rheingauer Weintage oder das Altstadtfest feiern. Nach Zimt, Mandeln und Glühwein, wenn der Weihnachtsmarkt Tausende Besucher auf Neu- und Kornmarkt lockt. Nach frisch zubereitetem Espresso oder Cappuccino, den man in den unzähligen Cafés, die Meloni, Valentino oder Don Camillo heißen, schlürfen kann. Und – an kirchlichen Feiertagen – nach Weihrauch, der den Weg hoch zum Dom weist.

Die Stadt mit ihren 36.000 Einwohnern ist zwar überschaubar, aber keineswegs «langweilig», wie der Schriftsteller und Philosoph Ludwig Marcuse 1925, damals noch Journalist des Frankfurter Generalanzeigers, schrieb. Marcuse kann nicht richtig hingeschaut haben. Anders Fjodor Dostojewski, der 1874 von den «prachtvollen Türmen» Limburgs schwärmte. Wie recht der russische Schriftsteller hatte! Limburg war und ist ein einziger Theaterschauplatz mit zahlreichen Bühnenbildern und markanten Darstellern.

Fratzen an den Balkenköpfen

Der Limburger zeigt sich und will gesehen werden. Die Altstadt mit ihren liebevoll sanierten Fachwerkhäusern dient ihm als Kulisse. Gerne führt er Gäste über das Kopfsteinpflaster der Gassen: zum Haus der Sieben Laster, wo Fratzen an den Balkenköpfen prangen. Vom Volk wurden sie ganz im Sinne der Dämonenabwehr als die Sieben Todsünden – Trägheit, Zorn, Unmäßigkeit, Unkeuschheit, Neid, Geiz und Hoffahrt – gedeutet.

Weiter geht die Führung zur Plötze, einem kleinen Platz, auf dem ein Brunnen an Friedrich von Hattstein erinnert. Der Raubritter und spätere Stadthauptmann soll so stark gewesen sein, dass er ein Fass Wein hochheben und den herausfließenden Rebensaft aus dem Spundloch trinken konnte. Und schließlich geht es zur engsten Stelle des historischen Handelswegs von Frankfurt nach Köln, die sich in der Fahrgasse befand. Manche Händler mussten hier ihre Waren abladen, um das Nadelöhr mit dem Wagen passieren zu können. Für die Limburger Bürger war dies ein gutes Geschäft: Das Entladen, Lagern und Beladen brachte Geld ein, das die Stadt reich gemacht und den Bürgern den Namen Säcker eingebracht hat.

Die heutigen Limburger gehen ganz anderen Berufen und Berufungen nach. Sie sind Kabarettist und Schauspieler, wie Dieter Thomas, oder reisen als Liedsänger durch die Welt, wie der Tenor Christoph Prégardien. Die Musik spielt eine große Rolle in Limburg, man denke nur an die Limburger Domsingknaben oder an das Sängerdorf Lindenholzhausen, den größten Stadtteil von Limburg. In Hollese, wie der Ort im Volksmund heißt, singt angeblich jeder der 3000 Einwohner in einem der elf Chöre, die sich Cäcilia oder Harmonie nennen, wobei es zwischen den Chören nicht immer harmonisch zugehen soll. Aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und so holen die Holleser Sänger bei nationalen und internationalen Wettbewerben einen Preis nach dem anderen ins Limburger Land.

Vom «Schienenhafen» hinaus in die Welt

Ganz in der Nähe von Lindenholzhausen liegt der ICE-Bahnhof Limburg-Süd, der 2002 den Betrieb aufnahm und der einzige Bahnhof in Deutschland ist, an dem ausschließlich ICEs halten. Für die Limburger ist das eine gute Sache. Sind doch Frankfurt und Köln jetzt nur noch 20 Minuten von der Bischofsstadt entfernt. Mittlerweile steigen täglich rund 2700 Menschen zu. Und keiner regt sich darüber auf, dass das Gelände, auf dem der Bahnhof steht, Railport heißt. Übersetzt bedeutet das so viel wie «Schienenhafen».

Die Gesellschaft zur Erhaltung der deutschen Sprache fand diese Wortschöpfung gar nicht gut. Sie wollte sogar dagegen demonstrieren. Aber darauf haben die Sprachritter dann doch verzichtet. Schade eigentlich. Eine Demo auf dem Domplatz hätte nur unterstrichen, dass Limburg und die Limburger überhaupt nicht langweilig sind.

Unter dem Titel Meine Heimat stellen news.de-Redakteure die Besonderheiten und Highlights ihrer Heimatlandstriche oder Städte vor. Kommen Sie mit auf eine persönliche Reise durch Deutschland.

som/reu/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Heidrun
  • Kommentar 1
  • 13.01.2011 21:16

Eine "Gesellschaft zur Erhaltung der deutschen Sprache" gibt es nicht. Am nächsten kommt diesem Konstrukt noch die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Aber die hat trotz ihres Namens an den meisten Anglizismen wenig auszusetzen. Gemeint ist hier wahrscheinlich der Verein Deutsche Sprache (VDS), der sich als mitgliederstärkster Sprachverein gegen das überbordende "Denglisch" zur Wehr setzt. Homepage: http://www.vds-ev.de/

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