Vegane Mode Klamotten ohne tierische Qualen

Vegane Mode (Foto)
Wenn es Schafen ans «Leder» geht, endet das blutig. Die Wollgewinnung ist ein schmerzhaftes Geschäft - für die Tiere. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Melanie Sohn
Dioxin und Gammelfleisch - vegan ist in, auch bei Kleidung. Vegane Mode verzichtet auf alles, was tierischen Ursprungs ist. Leder, Wolle und Seide sind tabu. Ob die Kleidung uns zu besseren Menschen macht und wie sie funktioniert, erklärt news.de.

Dioxin-Skandal, Gammelfleisch und Vogelgrippe - es sind traurige Wahrheiten, die wir jeden Tag serviert bekommen. Für viele Menschen ist das Grund genug umzuschwenken. Bio boomt - Gemüse, Obst, Brot und Fleisch aus kontrolliertem Anbau finden reißenden Absatz. Kaum ein Supermarkt, der keine eigene, zertifizierte Biomarke im Regal hat. Die Zahl der Menschen, die aus ethischen Gründen komplett auf Fleisch verzichten, steigt merklich.

Der Vegetarismus ist kein Trend mehr, sondern eine weitverbreitete Lebenseinstellung. Allein in Deutschland gibt es sechs Millionen Vegetarier, weiß Sebastian Zösch, stellvertretender Vorsitzender des Vegetarierbunds Deutschland. Davon ernähren sich zehn Prozent vegan - verzichten also auf alle tierischen Produkte, auch auf Milch und Eier.

Vegetarisch oder vegan
Diese Stars essen kein Fleisch

Doch der Lebenswandel macht sich nicht nur bei der Auswahl der Lebensmittel bemerkbar. Auch in einem der wichtigsten Segmente, der Textilherstellung, ist Grün - zumindest im übertragenen Sinn - die Farbe der Zukunft. Das Stichwort ist grüne Mode, die aus biologisch angebauten Rohstoffen wie Baumwolle besteht. Und die Stichworte sind auch Fair Trade und Nachhaltigkeit. Den Menschen, die den Grundstoff für unsere Mode anbauen und ihn weiterverarbeiten, soll es gut gehen, sie sollen davon leben können und nicht krank werden. Dem tragen die Händler immer mehr Rechnung. Unternehmen wie H&M, C&A oder auch Tchibo binden die Mode kontinuierlich in ihr Angebot mit ein.

Eine ganzheitliche Fragestellung

Doch Verbraucher können noch einen Schritt weiter gehen: Vegane Mode wird ohne jegliche Zuhilfenahme von tierischen Produkten hergestellt. Selbst Klebstoff, der für Schuhe verwendet wird, ist frei von tierischen Bestandteilen. Die logische Konsequenz daraus ist der komplette Verzicht auf Leder, Seide, Wolle, Angora, Mohair, Pelz und Daunen - eine lange Liste. Das unterscheidet die vegane Mode von der grünen: Bei Letzterer setzen die Hersteller das Hauptaugenmerk auf den weitestgehenden Verzicht von Chemikalien, gerechte Entlohnung der Arbeiter und nachhaltigen Anbau der Rohstoffe. Leder wird in diesem Fall dann pflanzlich statt chemisch gegerbt, erklärt Tanja Wiemann von der Tierrechtsorganisation PETA. Verzichtet wird darauf aber nicht.

Das ist bei veganer Mode anders: Doch was ist so schlimm daran Leder, Wolle und andere tierische Produkte zu tragen? Wiemann betrachtet diese Fragestellung ganzheitlich und weist auf Umweltschutz und Gesundheit für Mensch und Tier hin. Laut PETA ist es gesünder, sich vegetarisch oder gar vegan zu ernähren. Außerdem trüge die Landwirtschaft nicht unerheblich zum CO2-Ausstoß bei. Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung der Tiere treiben die Bilanz nach oben. Rund 80 Prozent des weltweiten Leders werden außerdem chemisch gegerbt. Das dort verwendete Brom und weitere Chemikalien sind hochgradig giftig und auch noch im fertigen Produkt enthalten - sie können laut PETA dem Menschen schaden.

Und natürlich geht es letztendlich um das Tier selbst: Wie es in vielen Mastanlagen aussieht, weiß jeder dank regelmäßiger Fernsehberichte und die Aufklärung durch Tierrechtsorganisationen. Schafe werden zur Wollgewinnung zwar nicht geschlachtet, aber auch sie haben oft unter ihrer Haltung zu leiden. So berichtet Wiemann vom weltweit größten Wollproduzenten Australien. Hier sind viele Tiere so überzüchtet, dass sich Hautfalten an ihren Körpern bilden. Diese entzünden sich häufig im Afterbereich, werden von Parasiten wie Fliegen befallen. Um dem entgegenzuwirken, schneiden die Züchter die Hautlappen ab. Ohne Betäubung, ohne Wundversorgung - im Fachjargon heißt diese Prozedur Mulesing.

«Die Wege sind da, um sie zu gehen»

Zwei, die den Gedanken der veganen, ökologischen und fair gehandelten Mode leben, sind Anja und Sandra Umann aus Berlin. Die Zwillingsschwestern haben ihr eigenes Label Umasan gegründet und sind seit über einem Jahr am Markt. Es geht den Schwestern nicht nur um Tierschutz mit ihrer Mode. Sie verfolgen das ganzheitliche Konzept des Umweltschutzes in allen Bereichen. Die 32-Jährigen wollen ein Umdenken im oft oberflächlichen Bereich der Mode erwirken. Angst hatten sie davor nicht. «Die Wege sind da, um sie zu gehen», sagt Anja Umann.

Ein Jahr haben die jungen Frauen an der Idee gefeilt und ihr Label aufgebaut, Partner und Wege gesucht und gefunden. Seit über einem Jahr gibt es Umasan nun. Ihre Stoffe beziehen sie ausschließlich aus Europa, genäht werden ihre Kleider in Italien. In einer kleinen Manufaktur, die ebenfalls von zwei Schwestern betrieben wird, entstehen die zeitlosen und asiatisch inspirierten Kreationen von Umasan. Hier können sich Anja und Sandra Umann sicher sein, dass alles Fair Trade, ökologisch und vegan hergestellt wird. Sie haben Europa gewählt, um die Transportwege möglichst kurz zu halten und jederzeit vor Ort sein zu können. Darüber hinaus sind die allgemeinen Richtlinien, was die Stoffqualitäten betrifft, wesentlich strenger als zum Beispiel in Asien.

Die Resonanz auf die Idee und ihre Mode war groß, erzählt Anja Umann. Massenware soll es bei Umasan nie geben - die Mode wird lediglich in Kleinstauflagen gefertigt. «Pro Style und Farbe zwischen 50 und maximal 150 Stück», versichert die Designerin. Bei den Materialien setzen die Schwestern auf Bambus- und Sojaqualitäten sowie Baumwolle und Proteinfasern. Mittlerweile haben diese Stoffe eine solche Qualität erreicht, dass sie der Haptik von Seide oder auch Wolle sehr nahe kommen. «Man kann also nicht von Verzicht sprechen», argumentiert die Veganerin.

Die Zielgruppe sehen die Schwestern in Menschen, die gut verdienen und bereit sind, viel Geld für die High-End-Fashion auszugeben. Immerhin kosten die Stücke um die 300 bis 350 Euro. Die Kunden wollen konsumieren, dabei ein gutes Gefühl haben und so aktiv am Umweltschutz und der Weltverbesserung teilhaben. Die Preise werden an der Wertschöpfungskette festgemacht. Denn: «Ein Trend ist vegane Mode nicht. Vielmehr findet ein allgemeines Umdenken statt und das Interesse an der Nachhaltigkeit wächst», resümiert Anja Umann.

Hier finden Sie ökologische und vegane Mode

Vegane Taschen, Schuhe und Mützen gibt es beim Bekleidungssyndikat.
Mode für Frauen, Männer und Kinder sowie Wohnaccessoires bietet Hessnatur.
Bio, Öko, vegane und Fair-Trade-Mode bei Glücksstoff.
Accessoires, Mode und Beauty - alles vegan - bei Muso Koroni.

sua/reu/news.de/Peta

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • diwa
  • Kommentar 8
  • 21.09.2011 11:06

Zum Label: Umasan Warum muss vegane Mode teuer und auf Besserverdienenden konzipiert sein, wenn der Tierschutz in die breite Masse hineingehört? Sollte doch auch ein Normalverdienender die Chance erhalten, zum Tierschutz etwas beizutragen? Das Label Umasan ist nicht human,sondern trägt zum Ärgernis des Tieres nicht zum Umdenken für den Tierschutz bei. Wer das Leben eines Veganers vertreten möchte, sollte jeden ansprechen - auch die aus den unteren Schichten.

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  • Antonietta
  • Kommentar 7
  • 13.01.2011 07:27

Die Hälfte der Küken in Betrieben, in denen Legehennen gezüchtet werden, werden bei lebendigem Leibe zerschreddert oder vergast. Und das ist völlig legal in Deutschland. Dabei ist es egal, ob man seine Frühstückseier aus Käfighaltung oder Biohaltung kauft, das Kükensexen ist praktisch immer die gängige Praxis! Das Sexen wird in der Eierproduktion durchgeführt, weil nur Hennen Eier legen und daher relevant sind. Da die Zuwachsleistung von für die Eierproduktion gezüchteten Hühnerrassen etwas unter der aus Geflügelmastzüchtungen liegt, werden die Hähnchen nach dem Sexen getötet.

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  • deeplus
  • Kommentar 6
  • 12.01.2011 17:53

Ich habe gerade entdeckt, dass die Redaktion sich erlaubt hat über Chris Martin und Gwyneth Paltrow zu sagen, sie seien "verrückt", weil sie ihrer Tochter Apple einen veganen Kuchen zum Geburtstag gegeben haben. -??? - Wofür war jetzt diese Wertung gut? Veganer sind nicht verrückt- sie haben andere Prioritäten. Ich bin keine Veganerin, aber das hat mich jetzt wirklich *tierisch* geärgert. Warum nennt niemand Raucher verrückt - wenn sie doch wissen, dass es selbstzerstörerisch ist? Bloß, weil so eine große Masse von Menschen raucht ist das dann "normal"??

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