Shopping-Center Kinder im Konsumwahn

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Von news.de-Redakteurin Melanie Sohn
Wir erziehen unsere Kinder zu kleinen Konsummonstern. Einkaufszentren und Outlet-Center greifen uns dabei tatkräftig unter die Arme. Wo sind die wirklich sinnvollen Freizeitmöglichkeiten für Familien geblieben?

Factory Outlet-Center boomen - auch hierzulande. Es gibt immer mehr Zwischenformen, die die Anzahl in Deutschland nach oben treiben. Als da wären: Outlet-Stores, Outletcities, Fabrik-, Werks- oder auch Lagerverkäufe. Sie alle haben eines gemein: Sie suggerieren Schnäppchen, Spaß, Shoppingerlebnis pur und bewerben sich selbst als perfektes Familienausflugsziel - schließlich findet dort jeder etwas und die Kinder können notfalls in der Spielgruppe abgegeben werden. Im Kids Camp zum Beispiel stehen «Liebevolle Kinderbetreuung mit Spaß und Spiel» auf dem Programm. Die «Outlet-Paradiese» schaffen Spielecken und bieten Aktivitäten für die kleinen Kunden an.

Wollen die Kinder diese Angebote nicht, müssen sie eben mit durch die beschaulichen Gässchen, drücken sich an den Glasfronten der Spielwarengeschäfte die Nase platt und werden, ob der reichhaltigen Auswahl und der billigen Preise, zu kleinen Konsummonstern erzogen. Einkaufen wird immer mehr zur Familienbeschäftigung des 21. Jahhunderts - die Center der schier unbegrenzten Möglichkeiten tragen dazu bei.

Outlets
Shopping-Spaß ohne Grenzen?

Wer darüber nachdenkt, dem muss sich eine Frage aufdrängen: Sind wir schon solche abgestumpften Gefühlskrüppel, dass wir uns Shoppen als glattgebügeltes Familienerlebnis unterjubeln lassen? Wer bleibt schon entspannt, wenn er acht oder mehr Stunden vollbepackt durch ein Shoppingcenter rennt und Unmengen an Geld ausgibt, weil alles so günstig scheint? Die Kinder quängeln irgendwann - zu Recht -, weil sie nicht mehr können oder wollen. Das Portemonnaie wird unmerklich leichter und am Ende des Tages sind alle erschöpft und sich einig: Das machen wir so schnell nicht wieder. Der Nutzen für das Familienleben? Null.

Wer denkt noch über richtige Freizeitbeschäftigung mit Kindern nach? Früher gingen die Familien inklusive Oma und Opa in den Zoo oder Tierpark, sie trafen sich im Park zum Picknicken, Vorlesen und Fußballspielen, plantschten im Schwimmbad oder genossen das Wetter bei einer Radtour. Heute fröhnen schon die Kleinsten dem Konsum, wollen von Prinzessin Lillifee über Barbie bis Hanna Montana alles haben und wissen nicht mal mehr, wie sie ein Bild malen sollen.

Der Schuldige ist jeder Einzelne von uns, der, ohne zu hinterfragen, all die tollen Möglichkeiten nicht nur angenommen, sondern an sich gerissen hat. Nachdenken können die anderen, es müssen Schnäppchen gejagt werden. Es gibt nur einen Haken: Kindererziehung und Familienzeit funktionieren in keinem Shoppingcenter der Welt.

kas/sca/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Stefan Sch
  • Kommentar 1
  • 18.09.2012 11:54

Sicherlich ist es nicht wünschenswert, dass die sonntäglichen Zoobesuche zunehmend durch das Besuchen von Outlet Centern abgelöst wird. Aber es gibt dennoch viele Möglichkeiten den Einkauf auch für Kinder interessant und vor allem entspannt zu gestalten. Genau zu diesem Thema habe ich eine umfassende Ratgeberbroschüre verfasst, die sehr ins Detail geht und wertvolle Tipps für Eltern bietet: http://www.verkaufsoffenesonntage.com/ratgeber/mit-kindern-entspannt-einkaufen.html

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