Koffer weg Supergau am Paketband

Verlorene Koffer (Foto)
Wenn der Koffer nicht auf dem Gepäckband liegt, ist der Urlaub dahin. Doch Sie können vorsorgen um das Risiko eines Verlustes zu minimieren. Bild: ap

Von Fabian von Poser
Der Urlaub steht vor der Tür, Sie steigen voller Vorfreude aus dem Flieger und dann das: Ihr Koffer fehlt auf dem Gepäckband, will einfach nicht auftauchen. Wo ist er abgeblieben, was können Sie gegen den Kofferschwund machen und warum verschwinden Koffer?

Die Zahl der fehlgeleiteten Koffer ist laut einer Untersuchung des Logistik-Unternehmens SITA, das jedes Jahr den sogenannten Baggage Report erstellt, 2009 im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 24 Prozent auf etwa 25 Millionen zurückgegangen. Allein in Deutschland passiert es täglich jedoch bis zu 6000 Mal, dass am Flughafen das Gepäckband abgeschaltet wird und verärgerte Passagiere zurückbleiben - ohne Koffer.

Das ist eine Quote von etwa 1,5 Prozent. In einem Flieger mit 200 Sitzplätzen kommen so durchschnittlich drei Koffer verspätet oder gar nicht an. Immerhin: 99 Prozent der verlorenen Gepäckstücke werden ihren Eigentümern in den nächsten 48 Stunden wieder ausgehändigt.

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Viele Fluggesellschaften stellen ihren Passagieren bei Kofferverlust zunächst so genannte Overnight-Kits zur Verfügung. Enthalten sind meist Unterwäsche und Toilettenartikel. So gibt es zum Beispiel bei Lufthansa und den Star-Alliance-Partnern Sets mit unterschiedlicher Ausstattung für Damen und Herren.

Darin enthalten sind ein T-Shirt, Kosmetika wie Zahnpasta und Zahnbürste sowie Deo und Kamm. Air France und KLM bieten den Passagieren ein Overnight-Kit mit T-Shirt, Socken und Toilettenartikeln an. Air Berlin hat Overnight-Kits derzeit nur noch am Flughafen Nürnberg. «Weil der Inhalt heute in so gut wie jedem Hotel zur Grundausstattung gehört», wie es heißt.

Bleibt der Koffer länger als 24 Stunden verschollen, hat der Passagier laut Montrealer Abkommen das Recht, notwendige Einkäufe zu machen und sich das Geld dafür erstatten zu lassen. Diese müssen jedoch genau belegt werden. Bei Germanwings werden 50 Prozent der Kleidungskosten und bis zu 50 Euro für Kosmetika als so genannte «first needs» erstattet.

Lufthansa ersetzt Gebrauchsgegenstände wie Deo, Zahnbürste und Zahnpasta immer zu 100 Prozent. Dauergebrauchsgegenstände wie Schuhe und Kleidung werden im Rahmen der Höchsthaftungsgrenze von 1200 Euro zu 50 Prozent bezahlt, wenn sie der Gast behält, und zu 100 Prozent, wenn er sie später an die Airline zurückgibt.

«Es gilt das Prinzip der Plausibilität», sagt Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. «Fliegt der Gast in den Urlaub und kauft sich dort drei Geschäftanzüge, hinterfragen wir das schon mal etwas genauer.» Lufthansa sowie zahlreiche andere Gesellschaften zahlen zudem eine Art Soforthilfe, die meist zwischen 20 und 150 Euro pro Tag beträgt.

Mehr Entschädigung durch bessre Passagierrechte

Seit im Juni 2004 das Warschauer Abkommen von 1929 durch das Montrealer Abkommen ersetzt wurde, haben sich die Passagierrechte deutlich verbessert. Der Schadenersatz fällt seitdem höher aus und richtet sich nicht mehr nach dem Gewicht des Gepäcks. Trotzdem ist er noch eng bemessen. Maximal 1000 Sonderziehungsrechte gibt es pro Koffer.

Je nach Tageskurs dieser internationalen Kunstwährung sind das zwischen 1000 und 1200 Euro. Das klingt viel, reicht aber meist nicht aus, um den Inhalt wirklich zu ersetzen. Zudem müssen Urlauber jeden Verlust dokumentieren - am besten per Rechnung.

Wichtig zu wissen: Während kostspielige Geschäftskleidung in der Regel anstandslos bezahlt wird, schließen viele Fluggesellschaften die Haftung für Gegenstände wie Laptops, Schmuck, Geld und zerbrechliche Dinge aus oder versichern diese nur gegen Zahlung eines Zuschlags. Will man sich für den Fall der Fälle nicht auf die Fluggesellschaft verlassen, kann man ab wenigen Euro eine Reisegepäckversicherung abschließen.

Verbraucherschützer raten allerdings von einer solchen Versicherung ab. Begründung: Die Haftungsausnahmen sind zahlreich. Dafür lohnt es sich, einen Blick in den Leistungskatalog von Kreditkartenunternehmen zu werfen, ob nicht die eigene Kreditkarte eine Versicherung bei Verspätung oder Transportverlust einschließt. Bei manchen Karten ist das der Fall. Die private Hausratsversicherung springt bei fehlgeleitetem Gepäck übrigens nicht ein.

Das können Sie tun

Bereits die Wahl der Flugroute kann Auswirkungen auf das Reisegepäck haben. Knapp bemessene Umsteigezeiten, noch dazu an großen Drehkreuzen wie Frankfurt, London, Paris oder Madrid erhöhen das Verlustrisiko. Grundsätzlich ist frühes Einchecken Trumpf. So bleibt dem Flughafenpersonal genügend Zeit, die Gepäckstücke zum Flugzeug zu bringen.

Nicht selten kommt es am Laufband zu unbeabsichtigten Verwechslungen. Um diese zu vermeiden, empfehlen sich ausgefallene Koffermodelle und Farben. Dem Bodenpersonal hilft es außerdem, wenn das Gepäck gut erkennbar gekennzeichnet ist. Deshalb ist es ratsam, jedes Gepäckstück mit Namensschildern mit Heimat- und Hoteladresse zu versehen - auch im Inneren. Darüber hinaus ist es sinnvoll, alte Gepäck-Tags zu entfernen, weil sie das Lesegerät irritieren können. Ein teuer aussehender Koffer lässt auf einen wertvollen Inhalt schließen und wird daher schneller zum Objekt der Begierde.

Wieviele und warum gehen die Koffer verloren?

Bei der Deutschen Lufthansa verschwinden pro 1000 Stück transportiertes Gepäck im Durchschnitt 10,9 Koffer. Bei der British Airway sind es schon 15,6 Gepäckstücke. Die wenigsten Ausfälle dieser Art verzeichnen die Turkish Airlines mit 4,5 und die Air Malta mit 4,6 Gepäckstücken. Die stellte die Association of European Airlines (AEA) in einer Erhebung aus dem Jahr 2009 fest.

Die Gründe des Gepäckverlustes sind vielfältig. Der Baggage Report 2010 der SITA hat diese aufgeschlüsselt. Rund 52 Prozent gehen demnach durch Fehler beim Transfer von Flugzeug zu Flugzeug verloren. Auf Platz zwei folgen mit 16 Prozent die Fehler beim Beladen des Flugzeuges.

Auch zu lange Sicherheitskontrollen, Ungenauigkeiten bei der Ausstellung des Tickets, Fehlleitungen am Flughafen und natürlich das Vertauschen von Gepäckstücken gehören zu den Gründen warum Koffer auf dem Gepäckband einfach nicht auftauchen wollen.

som/ham/news.de/srt

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • max
  • Kommentar 2
  • 29.05.2011 23:56

Wenn man mit KLM in Amsterdamm umsteigen muss bekommt man seinen Koffer scheinbar nur wenn man mehr als zwei Stunden Zeit zum Umsteigen hat. Und ein Notfallpack gab es auch niemals. Mir ist es dieses Jahr bereits 2 male so passiert und zwei weiteren Arbeitskollegen auch!

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  • bruno
  • Kommentar 1
  • 26.12.2010 18:14
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