Friseur-WM An die Kämme, fertig, los

Bei der Weltmeisterschaft der Friseure in Paris wollen auch die Deutschen punkten. Bis zum bevorstehenden Wochenende wird noch kräftig geübt. Gefragt sind handwerkliches Geschick und Kreativität.

Friseur-WM (Foto)
Jedes Haar muss perfekt sitzen. Sonst gehen die Anwärter auf den Weltmeistertitel leer aus. Bild: dpa

Mutige Formen, extravagante Farben: Bei der Weltmeisterschaft der Friseure in Paris wollen am bevorstehenden  Wochenende auch deutsche Stylisten mit Kreationen punkten, die Blicke einfangen. Während manche Frisur schnell fertig sind, brauchen die Coiffeure für andere Stunden.

Beim Abschlusstraining übte der deutsche Kader in Darmstadt, damit beim Aufeinandertreffen in der französischen Hauptstadt auch alles sitzt. Erwartet werden Friseure aus 50 Nationen. Die WM gibt es alle zwei Jahre. Die deutschen Mannschaften sicherten sich immer wieder Titel.

«Wir wissen, dass man mit solchen Frisuren nicht auf die Straße gehen will», gibt der Art-Direktor des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks aus Köln, Franz-Josef Küveler, lächelnd zu. «Hier wird auch mehr gefordert als im normalen Friseurgeschäft.»

Im Vergleich zur Otto-Normal-Frisur erscheinen die Kreationen durchaus gewagt. Bei Männern stehen helle Strähnen wie Stacheln eines Igels ab. Die Frisur ist in zehn Minuten fertig - und die Finger genügen zum Stylen. Kamm und Bürste werden nicht gebraucht. Auf den Köpfen der Frauen lodern mitunter helle Farben, Schwünge bestimmen Steckfrisuren.    

Haben auch die Kunden was davon? Ja, sagt Küveler. Was für den Rennfahrer die Formel 1, sei für den Friseur die Weltmeisterschaft. Wer handwerklich in der höchsten Klasse klarkomme, beherrsche sein Metier auch im Alltag.

Jedes Haar hat einen Namen

«Ich muss jedes Haar mit Vornamen kennen, damit ich es richtig ansprechen kann», beschreibt Küveler die Ambitionen der rund 45 Teilnehmer aus Deutschland. Da heißt es üben, üben und nochmals üben. «Ich trainiere täglich, nach der Arbeit und auch am Wochenende», erzählt die 30 Jahre alte Adriana Klosa aus Bietigheim in Baden-Württemberg.

Beatrice Bergmann aus Leipzig in Sachsen pflichtet ihr bei. Für ihre Hochsteckfrisur hat sie noch nicht einmal 20 Minuten Zeit. Da muss jeder Handgriff sitzen. «Handwerklich saubere Arbeit ist das oberste Gebot», sagt die 21-Jährige.

Das weiß auch Nico Wolfram, der 2008 in Chicago Weltmeister wurde. Ein Fehler lasse sich nicht mehr reparieren. «Was gefärbt ist, ist gefärbt. Was weggeschnitten ist, ist weggeschnitten», sagt der 23-Jährige aus Wernshausen in Thüringen.

Mitunter dauert es Monate, bis eine neue Frisur so ist, wie sie sein soll. «Da gibt es leicht Entwicklungsphasen von einem halben Jahr und mehr», sagt Klosa. Die Entwürfe seien nicht vorgegeben. Auch bei der Ausgestaltung kann ein grundlegender Arbeitsschritt viel Zeit verschlingen. Allein für das Auftragen der Farbe braucht Wolfram rund 15 Stunden. «Man kann das immer nur Stück für Stück machen.»

som/ham/news.de/dpa

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