30 Grad und Öhrchen-Nudeln
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Von Simone F. Lucas
Artikel vom 09.09.2010
Nunzia Caputo ist so rund und blond wie ihre Orecchiette, und sie ist eine kleine Berühmtheit. Dabei ist die 52-Jährige keineswegs die einzige, die in Baris Altstadtviertel «Arco Basso» die berühmten apulischen Nudeln von Hand herstellt.
Fast in jeder Haustür steht eine Frau in Kittelschürze mit einem Brett voller weizenfarbener Öhrchen - so die Übersetzung von Orecchiette. Aber Nunzia hat mehr vorzuweisen: einen Zeitungsartikel, der sie mit Starkoch Jamie Olivier zeigt. Der britische Vorzeigekoch war hier bei ihr in Bari zu Gast und hat ihre Orecchiette genossen. Im Gegenzug hat er für Nunzia und ihre Familie gekocht - nach deutschen Rezepten. So ein Besuch spricht sich rum. Und deshalb ist Nunzia bei Stadtführungen gefragt. Als Fotomodell hat sie schon Übung, und auch Mama Fiore Franca, von der sie die hohe Kunst der Orecchiette gelernt hat, stellt sich für die Fotografen in Positur.
79 Jahre ist die Dame alt, und ihre Hände sind so flink wie eh und je. «Mir kommen keine Maschinen ins Haus», sagt sie. «Die nehmen uns doch bloß die Arbeit weg.» Außerdem: Orecchiette müssen einfach von Hand gemacht sein, um zu schmecken. Auf diese Tradition lässt Mama Fiore nichts kommen. Für die Nüdelchen ist nicht viel mehr nötig als Wasser und Mehl für den Teig, eine geschickte Hand und ein kleines Messer für die Form. Eine halbe Stunde braucht Nunzia für ein Kilo Pasta, acht bis zehn Kilo können es an einem Tag schon werden. Das Kilo verkauft die Hausfrau für vier Euro. Und wenn viele Kunden kommen, ist der Vorrat schnell ausverkauft.
Die Nachbarinnen beäugen das Knäuel der Käufer um Nunzia neugierig. Womöglich bleibt ja noch ein Käufer für die Nachbarin übrig. Die hat schließlich auch ein Brett voller Orecchiette vor der Tür. Streit gibt es dennoch nicht unter den Frauen des Archo Basso. «Wir sind einfache Leute», sagt Nunzia. «Wir halten zusammen.» Anders geht es wohl auch nicht in dieser Gasse, in der die Häuser Augen und Ohren haben. Von den Fassaden schauen streng die Schutzheiligen, manche hinter einem Röckchen aus Brokat, andere durch Plastikblumen. Wäsche trocknet im Wind und durch die offenen Türen schaut man in die gute Stube, sieht die Familie beim Essen, die Oma beim Mittagsschlummer - und die Hausfrau, die ihren Nudelteig knetet.
Südöstlich gelegen bildet die Region Apulien den Absatz des weltbekannten Stiefels. Die Hauptstadt Bari beherbergt eine der größten Universitäten Italiens. Doch den Besucher locken nicht nur der malerische Hafen, die Kirchen und Sehens-würdigkeiten. Apulien ist berühmt für seine zahlreichen Gaumenfreuden aus allen erdenklichen Bereichen. Dazu gehören neben den «Öhrchen» auch der unverwechselbare Wein sowie des angeblich beste Olivenöl Italiens. Frische Tomaten, Fenchel, Paprika, Auberginen, Spinat und zahlreiche Hülsenfrüchte runden den Speiseplan im Mekka der mediterranen Küche genussvoll und gesund ab. Selbst im Herbst kann man hier noch Temperaturen um die 30 Grad genießen und somit seinen Sommerurlaub getrost in die kühlere Jahreszeit verschieben.
som/ham/news.de/srt
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