Gardasee Sehnsuchtsort der Deutschen

Wenn Deutschland schon wieder grau ist, wärmt die Sonne hier noch: Kein Wunder, dass der Gardasee als beliebtester Alpen-Badesee gilt. Im Herbst kommen die wahren Kenner - und eine ganze Region profitiert vom See.

Gardasee (Foto)
Der Gardasee ist einer der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Bild: srt/Archivbild

Dass es die Kenner an den Gardasee lockt, ist kein Wunder: Ist er doch seit jeher ein Sehnsuchtsort der Deutschen, die nächstgelegene Verheißung der Sonne. Die wärmt hier auch noch, wenn es in Deutschland schon längst wieder kalt und grau ist. Deshalb kommen Kenner gerne im Herbst. Dann können sie den See in Ruhe und mit der besten Sicht des Jahres genießen. Am wildromantischen Nordufer ist das Städtchen Riva ein bevorzugtes Ziel.

«Gestern in Riva angelangt», schreibt Nietzsche an die «geliebte Schwester». Und schwärmt: «Ich wohne in einem immergrünen Garten, der an den See stößt, abseits von der Stadt.» Diese Oase präsentiert sich heute noch genauso traumschön, wie sie der ruhelose Philosoph um 1890 bei seinem Aufenthalt offensichtlich so sehr genossen hat.

Und auch seine gastliche Herberge gibt es noch, heute unter dem Namen «Hotel & Resort Du Lac et Du Parc» - eine der begehrtesten Adressen am Gardasee. Bevorzugt schon durch die Lage am See, dessen Reiz sich hier auf ganz besondere Weise entfaltet. Denn die nahen Zweitausender der Alpen sorgen für eine besonders klare Luft, in der die unzähligen Nuancen von Türkis und Blau des Wassers noch tiefer als anderswo zu schimmern scheinen. Gerade im goldenen Herbst.

Der taucht den von Nietzsche so gerühmten «Garten» in magische Glutfarben. Die rund 70.000 Quadratmetern umfassende Parklandschaft ist durchzogen von Ahorn, Gingkos, Magnolien, Kamelien und unzähligen anderen Gewächsen, in denen dunkle Pinien ihre schmalen Ausrufezeichen setzen.

Wasserburg mit Panoramablick

Nur ein paar Minuten Fußweg, bequem am Ufer entlang, sind es nach Riva del Garda. Wie in einem Fjord liegt das Städtchen am engen Nordufer im Windschatten des über 1500 Meter steil aufragenden Hausberges Monte Rocchetta. Ausflugsboote und Fähren tuckern in regelmäßigen Abständen in den Hafen. Gleich neben den Anlegern führt eine steinerne Brücke zur Rocca. Die trutzige Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert ist heute Museum. Doch neben den Exponaten von der Römerzeit bis zur Moderne ist ganz klar der wundervolle Panoramablick auf Stadt und See aus den Fenstern des Kastells die eigentliche Attraktion.

Spätestens beim Bummel durch Riva mit seinem charmanten Stil-Mix von Habsburger-Bauten und venezianischen Palästen erlebt man es, dieses südländische Flair, das den Gardasee zum Sehnsuchtsziel nicht nur der Deutschen gemacht hat. Siehe Nietzsche. Aber auch Goethe - natürlich - wie später Rilke, Kafka und die Mann-Brüder fanden es dort so bezaubernd schön wie inspirierend. Weshalb auch dem Briten D.H. Lawrence (Lady Chatterley) die morbide Eleganz von Riva gleich als Kulisse für einen ganzen Roman diente.

Schlemmerzeit mit Wein, Oliven und Maroni

Gerade so wirkt noch heute die Piazza III Novembre nahe des Hafens. Eingerahmt von Bogengängen, in denen Cafés zum süßen Nichtstun einladen, setzt sie ein unübersehbares Zeichen mit dem dreißig Meter hohen Torre Apponale. In den verwinkelten Gassen ringsum finden sich unzählige Restaurants und Bars: Pizza-Futterstellen für schnellen Touristenhunger vor allem, aber auch echte kulinarische Geheimtipps. Wie das «Al Volt», dessen Wirtin ihre sorgfältig angerichteten Köstlichkeiten (Hechtsoufflé, butterzarte Rinderbacke in Barolo) in einem wie privat wirkenden Wohlfühl-Ambiente serviert, in dem selbst die weißgestärkten Servietten noch Schleifen tragen.

Überhaupt ist gerade im Herbst am Gardasee Schlemmerzeit angesagt - mit Weintrauben und Oliven, Maroni und Pilzen satt. Jetzt kann man bei angenehmen Temperaturen durch die Weinberge wandern, unterwegs beim Winzer einkehren und bei einem der bekannt süffigen Tropfen aus der Gegend den Blick auf den See genießen, der tief unten in der Sonne glitzert. Schon seit mehr als hundert Jahren wird in Riva wie in Arco und Torbole ein besonders gastfreundlicher Brauch gepflegt: Auf den Märkten dort kann jedermann kostenlos vom ersten Most und von den reifen Trauben probieren.

Ein paar Euro freilich kosten die heiß gerösteten und geliebten Maroni. Frisch aus dem Tütchen, die Hitze mit einem Schluck jungen Wein gedämpft - köstlich. Wobei die italienischen Maroni mit deutschen Esskastanien nur bedingt zu tun haben. «Sie sind größer und lassen sich leichter schälen», klärt Bauer Roberto auf, der von seinen rund 250 Bäumen mehrere tausend Kilo erntet, und setzt verschmitzt lächelnd nach: «Und besser schmecken tun sie auch!» In kleinen Trattorien gehören zur Maronizeit Pasta oder Salat mit den nahrhaften Früchten zu den typischen Herbstgerichten. Ganz wie bei Mamma schmecken dann auch Steinpilz, Pfifferling oder Täubling gegrillt, im Risotto oder mit Nudeln.

All dies sind leibliche Genüsse, denen sich die Geistesgrößen unter den Gardasee-Besuchern wohl allzu gerne ergaben, Nietzsche inbegriffen. Der ist übrigens noch immer im Hotel Du Lac gegenwärtig: in Gestalt einer Büste, die zum 100. Todestag im Jahre 2000 gestiftet wurde.

som/ham/news.de/srt

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