Mo., 13.02.12

Oktoberfest «Wiesn» rüstet sich für Jubiläum

Artikel vom 02.09.2010

Die Vorbereitungen für den 200. Geburtstag laufen auf Hochtouren. Nie dagewesene Sicherheitsvorkehrungen sollen die Besucher des weltgrößten Volksfestes schützen. Erstmals gilt ein komplettes Rauchverbot in den Zelten.

Zum Jubiläum rüstet die Wiesn auf: Das Oktoberfest wird zu seinem 200. Geburtstag mit nie dagewesenen Sicherheitsvorkehrungen aufwarten. Blumenkübel und bunt beklebte Litfaßsäulen aus Beton sollen als Straßensperren Bollwerke gegen den Terror sein.

Die Gäste des größten Volksfestes der Welt sollen nicht vor martialischen Polizeisperren stehen, die ihnen die Feierlaune verderben. Am 18. September heißt es «Ozapft is» - das erste Bierfass ist angezapft, es darf gefeiert werden.

Die Festleitung erwartet einen noch größeren Ansturm als sonst. Wiesnchefin Gabriele Weishäupl rechnet damit, dass bis zum 4. Oktober noch mehr als die üblichen sechs Millionen Besucher kommen - auf dem Festgelände wird es noch enger. Rund 300 Polizeibeamte sorgen für Sicherheit, stichprobenartig werden an den Eingängen Taschen kontrolliert. «Die Sicherheit ist definitiv so hoch wie nie», sagt Weishäupl. Drohungen des Terror-Netzwerks Al-Kaida gegen Deutschland wie im vergangenen Jahr gibt es bisher nicht.

Erstmals gilt ein komplettes Rauchverbot

Historisches Bier und Pferderennen, Schmankerl wie vor 200 Jahren und eine romantische Hochzeit - stilecht wie in den Anfangszeiten will München auf einer «historischen Wiesn» am Rande des Festgeländes den runden Geburtstag feiern. «Lohnbrater» werden mitgebrachte Würste garen - früher waren es freilich Hendl. Und anstatt schneller Rennpferde sollen dem Vernehmen nach behäbige Kaltblüter an den Start gehen, die nicht wie früher rund um die Theresienwiese galoppieren, sondern nur eine kurze Strecke.

Ein Pferderennen zum Abschluss der Hochzeitsfeier des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen am 17. Oktober 1810 war praktisch die «Ur-Wiesn»: So gut wie alle Münchner waren auf den Beinen, um das Spektakel zu sehen. Nicht ohne Hintersinn ließen die Wittelsbacher 1810 das Volk mitfeiern: Das Fest sollte nach der Erhebung Bayerns zum Königreich das Gemeinschaftsgefühl fördern.

Neben der historischen gibt es die ganz «normale» Wiesn. Vor allem an Wochenenden treffen sich hier im Morgengrauen Frühaufsteher und Nachtschwärmer, um im Bierzelt so früh wie möglich die ersten Maßkrüge zu stemmen. Auswüchse beim Alkoholkonsum seien «kein Wiesn-Problem», sondern Zeichen einer gesellschaftlichen Entwicklung, betont Weishäupl. Dagegen könne die Festleitung nicht an. Wirtesprecher Toni Roiderer betont, Betrunkene würden nicht ins Zelt gelassen, und niemand müsse mehr trinken, als ihm bekomme. «Uns ist recht, wenn einer vier Maß trinkt, und uns ist recht, wenn er fünf verträgt - aber er ist nicht verpflichtet.» Negativ-Berichte seien einseitig. «Die Welt neidet München das Volksfest!»

Erstmals gilt in den stets von Überfüllung bedrohten Bierzelten ein komplettes Rauchverbot. Nach außen drängende Raucher und nach innen drängende Gäste könnten sich gehörig in die Quere kommen. Roiderer hofft auf die Vernunft der Besucher. Sein Appell: «Esst und trinkt mehr, dann braucht's nicht rauchen.»

Wiesn-Krimi sorgt für Entrüstung

Auf der Theresienwiese stehen jetzt schon die Zelte, seit Wochen vergeht in München kaum ein Tag ohne irgendeine Nachricht vom Oktoberfest - München fiebert dem Fest entgegen. «Wenn es um die Wiesn geht, hat alles viel mehr Bedeutung als im normalen Leben», stellt Wiesnstadtrat Helmut Schmid (SPD) fest.

Flirtbörsen für eine zünftige Wiesn-Begleitung, Ausstellungen, ein Theaterstück, eine Wiesn-Oper und eine regelrechte Flut von Büchern zum Oktoberfest bringen die Münchner seit Wochen in Stimmung. Zwei Wiesn-Krimis sind schon auf dem Markt - und einer sorgte gleich für Entrüstung. 70 russische Elitesoldaten mit Flugabwehrraketen, enttäuscht vom Zerfall der Sowjetunion, bringen in «Oktoberfest» von Christoph Scholder mit Hilfe von Giftgas die Bierzelte unter Kontrolle, 70.000 Menschen werden Geiseln, in blutigen Details werden verstümmelte Körper beschrieben.

«Das Wesen des Thrillers ist natürlich, dass er mit unseren Ängsten spielt, das ist seine Existenzberechtigung», verteidigt Verleger Hans-Peter Übleis von Droemer Knaur das Buch. Dass sich just am zweiten Sonntag der Jubiläumswiesn das blutige Attentat von 1980 zum 30. Mal jährt, habe bei der Planung keine Rolle gespielt. Damals explodierte in einem Mülleimer eine Bombe und riss 13 Menschen in den Tod. Es war einer der schlimmsten Terroranschläge in der deutschen Nachkriegsgeschichte, mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Ob der Täter, der Rechtsextremist Gundolf Köhler, wirklich Einzeltäter war, ist bis heute umstritten. Seit dem Anschlag gibt es auf dem Gelände keine Mülleimer mehr.

jag/news.de/dpa
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