Jetzt auch Kirchen für Radfahrer
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Ob an der Autobahn oder auf dem Radweg: Wer mobil ist, bekommt in Deutschland seine eigenen Gotteshäuser. Rund 50 Radfahrer-Kirchen warten in der Republik auf Besucher - teilweise sogar mit Flickzeug. Die meisten befinden sich am Elbe-Radweg.
Für motorisierte Zeitgenossen stehen Kirchen schon lange an Autobahnen offen. Doch auch diejenigen, die sich im Urlaub oder am Wochenende aufs Rad setzen, müssen aufs Gebet im Gotteshaus direkt an der Strecke vielerorts nicht mehr verzichten. Denn in Deutschland gibt es immer mehr Radfahrer-Kirchen. Bundesweit sind es inzwischen rund 50.
Vergleichsweise viele gibt es am mehrere hundert Kilometer langen Elberadweg, der von Prag über Dresden und Magdeburg bis hinauf in den Norden nach Cuxhaven führt und zu den beliebtesten Radfernwegen des Landes zählt. Jedes Jahr sind dort Zehntausende Menschen unterwegs. Erst im Frühjahr öffneten zahlreiche weitere Kirchen neu für Radfahrer und Wanderer, wie Friedemann Kahl von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) sagt. Damit gebe es nun entlang des dortigen Elberadwegs ein relativ dichtes Netz von 25 evangelischen und katholischen Radfahrer-Kirchen.
Die zu finden, ist nicht sonderlich schwer. Spezielle Schilder am Wegrand und manchmal auch Zeichen direkt auf dem Asphalt weisen auf die Gotteshäuser hin, die in aller Regel ganz normale Gemeindekirchen sind, nun aber ausdrücklich auch Radfahrer und Wanderer willkommen heißen. Bei der evangelischen Kirche heißt es, das Ganze sei ein Teil der Initiative «Offene Kirchen», mit der nicht nur in touristischen Hochburgen mehr Besucher angelockt werden sollen.
Kirchen mit Picknick-Plätzen und Flickzeug
Um das Prädikat Radfahrerkirche zu bekommen, gibt es vielerorts gewisse Standards. Kahl sagt, die Radfahrer-Kirchen in Mitteldeutschland an der Elbe etwa müssten tagsüber von Ostern bis zum Reformationstag beziehungsweise Allerheiligen täglich geöffnet sein. Vorgeschrieben sind Abstellmöglichkeiten für die Räder sowie Zugang zu Trinkwasser und Toiletten. An vielen Radfahrerkirchen finden sich außerdem Picknick-Plätze sowie Hinweise auf Übernachtungen und Fahrradwerkstätten. In einigen steht sogar etwas Werkzeug und Flickzeug bereit.
Die Kirchenoberen hoffen, dass das neue Angebot dabei hilft, insgesamt wieder mehr Menschen in die Gotteshäuser zu bekommen. Die Voraussetzungen dafür scheinen nicht schlecht zu sein. Radfahrer seien sehr offen und interessiert an religiösen und kunstgeschichtlichen Dingen, sagt Kirchensprecher Kahl. «Wer mit dem Rad länger unterwegs ist, reist ganz wie ein Pilger und ist sicher auch empfänglicher für Gottes Botschaft.»
Die Einschätzung teilt auch Pfarrer Tobias Krüger, der im beschaulichen Weßnig 50 Kilometer nördlich von Dresden vor sieben Jahren die erste Radfahrerkirche Deutschlands öffnete. Die Idee kam ihm, weil die Gemeinde immer kleiner, die Zahl der Radfahrer auf dem nahen Elberadweg aber offenkundig immer größer wurde. «Da lag es nahe, so etwas zu machen.» Das Ganze funktioniere sehr gut, sagt er. Viele Radfahrer suchten ganz bewusst die Kirche auf um innezuhalten. Der Pfarrer schätzt, dass im letzten Jahr rund 8000 Radfahrer in die kleine Dorfkirche in Elbnähe kamen. Die war schon etwas baufällig und kann nun auch dank Spenden begeisterter Radfahrer nach und nach wieder auf Vordermann gebracht werden.
jag/iwi/news.de
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