Urlaub auf Vulkanien Hot-Spots für Lava-Fans

Lava-Fans (Foto)
Viele Vulkane locken Urlauber an. Bild: news.de

Von Christian Haas
In diesem Jahr hatten Vulkane bisher nicht den besten Ruf. Doch mit ihren dampfenden Kratern und Schluchten bieten sie einmalige Spektakel. News.de gibt heiße Tipps für Vulkanreisende.

 Wer im Frühjahr dieses Jahres tagelang mit Bus, Bahn und Taxi durch Europa irren musste, weil in den meisten Ländern des Kontinents der Luftraum gesperrt wurde, der war auf den Schuldigen nicht gut zu sprechen. Sein unaussprechlicher Name: Eyjafjallajökull, der isländische Gletschervulkan. Seine Aschepartikel beeinflussten für mehrere Tage das öffentliche Leben. Doch bei näherer Betrachtung ist der Vulkan ein echtes touristisches Schmuckstück, für das manche Naturbegeisterte sogar extra nach Island reisen. Aber nicht nur dort begeistern die dampfenden Krater Besucher aus aller Welt. Wir geben acht heiße Tipps für Vulkanreisende.

Hotel am brodelnden Eyjafjallajökull

Bis zum Frühjahr 2010 hat sich kaum jemand für ihn interessiert, doch inzwischen ist der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island kein Unbekannter mehr. Den sechstgrößten Vulkan des Landes kann man am besten von der komfortablen Aussichtsplattform des Viersternehotel Ranga im Ort Hella aus besichtigen; von dessen Restaurant wird der Blick auf den imposanten Gletschervulkan kostenlos mitserviert. Wer noch näher ran will, der löst ein Ticket für das Helikopter-Sightseeing. Zu bestaunen gibt es bei dem Rundflug einiges: neben dem eigentlichen Gletschervulkan noch drei weitere Gletscher samt darunter brodelnder Magmakammer, üppige Vegetation und jede Menge Meer und Wasserfälle.

Reichhaltiges Vulkan-Paket in Italien

Die Aschewolke von Island hat das Interesse auch an anderen Vulkanen geweckt. Das gilt besonders für den Berg der Berge, wie Europas größter aktiver Vulkan genannt wird. In der Tat hat der Ätna auf Sizilien in den vergangenen Jahren immer wieder Feuer und Asche gespuckt. Erst 2008 gab es stärkere Eruptionen, 2002 zerstörte ein Ausbruch gar die Seilbahn, die bis auf rund 2500 Meter hinaufführt. Wenn nicht mal wieder wie vor einigen Tagen, am 23. Juli 2010, Asche freigesetzt wird, können interessierte Besucher wieder den Weg bis hinauf auf rund 3000 Meter auf sich nehmen - wobei Busse und die wieder in Stand gesetzte Seilbahn komfortable Abkürzungen darstellen. Die letzten Höhenmeter allerdings können nur zu Fuß und mit Führer zurückgelegt werden. Kleines Zuckerl: Im Winter geht es auf Skipisten bergab! Im Sommer wartet eine weiträumige, dreieinhalbstündige Vulkanrundtour mit der Schmalspurbahn Circumetnea.

Etwas nördlich von Sizilien sorgen die Äolischen Inseln permanent für Aufregung. Aus den Gipfelkratern des aktivsten Vulkans Europas, des Stromboli, werden Gesteinsbrocken bis zu 200 Meter hoch in die Luft geschleudert - ein unvergessliches und etwa halbstündig wiederkehrendes Naturschauspiel. Zehntausende wollen das Spektakel jährlich sehen. Allerdings sollte man einen gebührenden Sicherheitsabstand zum aktiven Krater einhalten. Unser Tipp: Mit dem eigenen oder gecharterten Segelboot anreisen - einen besseren Aussichtsplatz als vom Meer gibt es wohl kaum. Höchstens die Panoramaterrasse des feinen Hotels Il Galeone auf der Nachbarinsel Panarea.

Aller guten Dinge sind drei, im Falle des italienischen Vulkantrios ist das der Vesuv, der seit jeher eine fantastische und mittlerweile auch friedliche Kulisse für die Metropole Neapel abgibt. Seinen fürchterlichen Ruf begründete er im Jahr 79, als er die Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiae zerstörte und unter seiner Lava begrub (und dessen Überreste heute einen hervorragenden Einblick in die römische Zeit erlauben). Die Chancen, dass der 1281 Meter hohe Vulkan auch im 21. Jahrhundert ausbricht, sind hingegen sehr gering. Das letzte Mal spuckte der Vesuv 1944, seither raucht er kaum noch. Trotzdem: Er gilt als einziger noch aktiver Vulkan auf dem europäischen Festland. Das steigert freilich die Spannung, die Straße von Ercolano aus hinaufzufahren und nach einem rund halbstündigen Fußmarsch an den Krater zu kommen. Der Blick hinein und hinunter auf Neapel und das Meer ist überwältigend. Klar, dass hier Lava-Souvenirläden passende Mitbringsel feilbieten.

Mondlandschaften auf Atlantik-Inseln

Die warten auch auf den Kanaren. Dort spielt der Vulkanismus ja ohnehin eine prägende Rolle, vor allem auf Teneriffa, wo der 3718 Meter hohe Teide den imposanten Mittelpunkt darstellt. An den Hängen des Vulkans, der gleichzeitig Spaniens höchsten Berg verkörpert, sind auch einige der weltgrößten Krater zu finden: Las Cañadas. Zudem warten verschiedene Touren durch die Pinienwälder, an Lavafeldern entlang oder durch Mondlandschaften und Lorbeerwälder. Ein Himmelreich für Naturfreunde. In zwei Besucherzentren kann man sich zudem bestens informieren - auch darüber, ob die bis auf 3500 Meter führende Seilbahn geöffnet hat oder nicht.

Weit weniger touristisch geht es auf den Azoren zu - die trotz ihrer Lage mitten im Atlantik noch zu Portugal und somit zur EU gehören. Hier fühlen sich Naturliebhaber wohl und Vulkanliebhaber am Westzipfel der Ilha do Faial ganz besonders. Nach fast einem halben Jahrhundert sind dort die Spuren des letzten großen Ascheregens noch immer allgegenwärtig: Verkohlt ragt das Skelett des alten Leuchtturms aus der schwarzen Vulkanschlacke. Unter Aschekuppen ist das alte Dorf noch auszumachen. Die tiefschwarze Lavawüste steht in extremem Kontrast zur ansonsten sattgrünen Hügellandschaft der Inselgruppe.

Ein 2008 eröffnetes Museum widmet sich liebevoll der Geschichte der Ausbrüchen und der Vulkanologie. Vom Atlantik in den Indischen Ozean, ins tropische La Réunion - dem französischen EU-Außenposten mit der weltweit einmaligen Lava- und Kraterlandschaft. Einzigartig ist etwa der 2632 Meter hohe Vulkan Piton de la Fournaise («Der Glutofen»), einer der attraktivsten und aktivsten Vulkane weltweit. Doch er ist nicht der Einzige seiner Art. Lavafelder und Krater, bizarre Felsformationen und Landstriche, in die aufgrund des steilen Reliefs keine einzige Straße führt, gibt es auch an anderen Stellen der Insel.

Zwei Vulkane auf Hawaii

Wenn von Vulkanen die Rede ist, darf Hawaii natürlich nicht fehlen. Dort schwingen sich die beiden Vulkane Mauna Kea und Mauna Loa zu rekordverdächtiger Größe auf. Von ihrem Fuß am Meeresboden bis zum Gipfel messen sie mehr als 9900 Meter und überragen damit sogar den Mount Everest (gut - die Hälfte der hawaiianischen Vertreter befindet sich unter dem Meeresspiegel). Der entscheidende Vorteil für Urlauber: Man kann hier deutlich einfacher wandern, und wer es aufregender will, auch extremklettern. Bester Ort für Vulkanfreunde ist der rund 900 Quadratkilometer große Hawaii Volcanoes Nationalpark - mit den dampfenden Calderas und den üppigen Regenwäldern ein Wunder der Natur. 240 Kilometer Wanderwege und malerische Routen ermöglichen es, dieses Naturschauspiel hautnah zu erleben - vor allem, wenn man den dampfenden Krater des Kilauea durchquert.

Am besten informiert man sich vor seiner Auto-, Trekking oder Radtour im Kilauea-Besucherzentrum beim Parkeingang. Dort kann man einem halbstündigen Film zur Einführung sehen, sich in der Volcano Art Center Gallery umgucken und einen Blick in die Speisekarte des Volcano House werfen. Wie wär's zum Beispiel mit einer feurigen Pepperonisoße oder Pizza Volcano? Dann darf man freilich auch einen Ausbruch erwarten, wenngleich dieser eher mit Schweiß als mit Lava zu tun hat.

jag/news.de/srt

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