Trainingsanzug Schlabbriger Beziehungskiller

Kristina Schmidl (Foto)
news.de-Redakteurin Kristina Schmidl Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
Socken in der Sandale, Vokuhila-Frisuren oder Motivkrawatten gehören zu den schlimmsten Modesünden. Doch nur eine ist so unverzeihlich, dass sie verboten gehört: der Trainingsanzug. Zumindest außerhalb von Turnhallen, Sportplätzen und Trimm-Dich-Pfaden.

Jogginganzüge sind alles andere als schön. Müssen sie auch gar nicht sein. Denn wie der Name schon sagt, sind sie zum Sporteln gedacht, zum Reinschwitzen beim Fitnesstraining, nicht aber als Freizeitbekleidung, in der man sich zum Bäcker oder gar in den Frühstücksraum des Urlaubshotels wagen darf.

Dazu müsste der Trainingsanzug schon deutlich hübscher sein. Tatsächlich übertrifft sich das ohnehin schon geschmacklose Kleidungsstück durch seine unglaubliche Vielfalt an grauenhaften Variationen jedoch immer wieder selbst in seiner ganzen Hässlichkeit. Drei, vier Trainingsanzüge und eine ganze Familie ist entstellt. Besonders häufig zu beobachten bei deutschen, holländischen oder amerikanischen Touristen auf europäischen Campingplätzen: Mutti mischt in einem pinken Nylon-Jogginganzug Kartoffelsalat, Vati heizt in einem neonfarbenen Exemplar aus Ballonseide, das noch aus seiner Jugend in den 1980er Jahren stammen könnte, den Grill an. Und die lieben Kleinen buddeln in Frottee-Trainingsanzügen mit Mickey-Mouse-Aufdruck auf der Brust im Sand. Allein der Gedanke an dieses Bild verursacht Brechreiz.

Doch warum in aller Welt, ist der Trainingsanzug auch über den Sport hinaus als Freizeitbekleidung so beliebt? Vermutlich, weil ihn manche Menschen einfach praktisch finden. Doch auch sie sollten Rücksicht darauf nehmen, was andere sehen und was sie ihnen mit ihrem Anblick antun. Und auch Bequemlichkeit kann kein Argument sein. Schließlich dürfen Angestellte im Sommer bei 30 Grad auch nicht im Bikini oder Nachthemdchen ins Büro gehen, obwohl sie es so bequemer hätten.

Selbst in den eigenen vier Wänden geht der Trainingsanzug gar nicht – es sei denn, man strampelt gerade fleißig auf dem Home-Trainer. Man stelle sich nur mal folgende Situation vor: Er liegt gerade in Trainingshosen faul vor der Glotze, guckt Fußball und plötzlich klingelt es an der Tür. Die Liebste steht davor, will überraschend zum Kuscheln vorbeikommen, bekommt beim Anblick der fürchterlichen Hose jedoch einen Schreikrampf, macht angeekelt auf dem Absatz kehrt und geht den ganzen Tag nicht mehr ans Telefon. Zu tief sitzt der Schock, wie sehr eine Trainingshosen selbst einen wunderschönen Mann entstellen kann. Für ihn gibt es nur eine Rettung: Er versteht, dass es auf den Kontext ankommt, in dem man ein gewisses Kleidungsstück trägt.

mik/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig