Mo., 13.02.12

Im Bus durch Afrika Halsbrecherische Reise ohne Regeln

Von Eva Krafczyk

Artikel vom 14.06.2010

Wer öffentliche Verkehrsmittel in Afrika benutzt, sollte keine empfindlichen Ohren und keine feine Nase haben. Mit Tieren an Bord geht es bei höllisch lauter Musik in rasantem Tempo über Stock und Stein. Auch mit Platzangst ist man falsch. Denn die Busse sind erheblich überfüllt.

Die Matatus, jene Minibusse, die in Kenia die meisten städtischen Pendler aus Außenbezirken und Slums in die Innenstädte bringen, sind meist völlig überladen mit Passagieren. Offiziell sind die Fahrzeuge nur für 14 Fahrgäste sowie Fahrer und «Schaffner» zugelassen.

Tatsächlich werden in die Fahrzeuge gerade auf Überlandstrecken auch gern ein Dutzend mehr Passagiere reingequetscht, die sich den Platz dann noch mit ein paar Hühnern auf dem Weg zum nächsten Markt teilen dürfen. Auf stundenlanger Fahrt mit einem fremden Kleinkind oder der Einkaufstasche der Nachbarin auf dem Schoß zu enden, ist ganz normal.

Die Fahrt in halsbrecherischem Tempo über schlaglochübersäte Straßen, meist unter Umgehung sämtlicher Verkehrsregeln, wird von überlauter Musikbeschallung begleitet. Unklar ist dabei vor allem auf Fernstrecken, ob es den Fahrern darum geht, ihre Fahrgäste zu unterhalten oder sich selbst am Steuer der verbeulten, klappernden Minibusses wach zu halten. Immer wieder kommt es angesichts der Fahrweise und der Straßenverhältnisse zu schweren Unfällen mit zahlreichen Toten.

Tiere und Särge als Gepäck

Ziegen und Schweine werden aus Platzgründen eher auf dem Dach festgezurrt, wo der neu zusteigende Fahrgast gelegentlich auch mal einen Sarg unter den Gepäckstücken sieht. Dann ist der Minibus meist unterwegs nach Westkenia, denn die Sitten der dort lebenden Volksgruppe der Luo schreiben vor, dass Tote auf dem heimatlichen Grundstück ihrer Familie beigesetzt werden.

Größer, aber nicht unbedingt bequemer oder Tüv-tauglicher sind die Fahrzeuge der Busgesellschaften, die ihre Passagiere auch in Nachbarländer befördern. Einige renommierte Unternehmen verkaufen tatsächlich nur so viele Fahrkarten, wie Sitzplätze vorhanden sind. Andere halten auch dann noch an, um einen am Straßenrand winkenden Möchtegern-Passagier aufzunehmen, wenn sie bereits völlig überladen sind.

Ebenfalls voll, aber tempomäßig deutlich gemäßigter sind die Dala-Dala-Minibusse in Tansania - jedenfalls auf den Fahrstrecken auf Sansibar. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass in der Swahili-Kultur ostafrikanischer Küstenbewohner übermäßige Eile und Hektik verpönt sind und das ohnehin eher entspannte afrikanische Zeitgefühl noch einmal gedehnt wird. Kunterbunt sind die Busse in Senegal, während im ziemlich unafrikanisch-disziplinierten Äthiopien die meisten Busse einen einheitlichen Farbanstrich haben.

Segenssprüche verzieren die Karosserie

Uniformität ist den meisten der Fahrzeugbesitzer allerdings ein Dorn im Auge. In einigen Ländern haben die Behörden zwar die Rundum-Bemalung der Busse und Minibusse, auf denen Fahrziel oder Liniennummer gar nicht mehr zu sehen sind, verboten. Auf den Teilen der Karosserie, die noch zur individuellen Verschönerung freigegeben sind, oder auf dem Heckfenster prangen trotzdem die Konterfeis von Rappern, Fußballstars oder anderen Idolen.

Barack Obama etwa ist immer wieder zu sehen, gelegentlich aber auch das Porträt von Osama bin Laden. «Public Enemy» prahlen viele Minibusfahrer auf der Windschutzscheibe. Angesichts der höllischen Fahrweise vieler Fahrer schaden die mal christlichen, mal islamischen Segenssprüche jedenfalls nicht, die immer wieder zu sehen sind und mitunter die Funktion von Stoßgebeten erfüllen dürften.

sck/reu/news.de/dpa
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