Südafrika-Lexikon Von A wie Apartheid bis Z wie Zuma

Was ist eigentlich ein Braai und wie antwortet man auf Howzit? Wie gut kennen Sie den WM‑Gastgeber? Das Südafrika-Lexikon vermittelt unverzichtbares Wissen rund um Land, Leute und Fußballkultur in Südafrika.

Südafrika-Lexikon (Foto)
V wie Vuvuzela: Die Tröte ist derzeit der südafrikanische Exportschlager. Bild: ddp

Apartheid – Während der A., was wörtlich «Getrennt-sein» bedeutet, wurde von 1948 bis 1994 die farbige Bevölkerung Südafrikas in einem rassistischen System unterdrückt, in Townships und so genannte Homelands gesperrt. Der Widerstand gegen die Apartheid wurde von Nelson Mandelas ANC angeführt, der größten Partei Südafrikas.

Airtime – A. wird in Südafrika immer gebraucht und deshalb überall verkauft: an Tankstellen, in Kinos, am Straßenrand und in den Wellblechhütten der Armensiedlungen. Gemeint ist Handyguthaben, das meist in kleinen Einheiten an den Mann gebracht wird: zwischen 15 und 60 Rand, also in etwa ein bis fünf Euro.

Bafana Bafana – Spitzname der südafrikanischen Nationalelf, bedeutet in etwa: «die Jungs». Nachdem B. B. lange Zeit glücklos agierten, beim Afrika-Cup im Januar scheiterte das Team bereits an der Qualifikation, hat sich das Blatt rechtzeitig zur WM gewendet: Eine Siegesserie lässt die Südafrikaner hoffen auf die Jungs in Gelb und Grün.

Biltong – Früher aßen die Vortrekker der Buren den beliebten Trockenfleisch-Snack aus Rinder-, Kudu- oder Straußenfleisch im Planwagen. Heute gibt es B. an jeder Tankstelle: in handliche Scheibchen geschnitten oder als großer Schwarten. Letzteres sei nur Menschen mit guten Zähnen und viel Geduld empfohlen.

Braai – Südafrikanische Variante des BBQ, bei Südafrikanern - egal welcher Hautfarbe - gleichermaßen beliebtes Freizeitspektakel. Gegrillt wird eigentlich immer, meist Steaks, Hähnchenschlegel und Boerewors – eine lecker gewürzte Bratwurstrolle. Dazu gibt’s die Chilli-Soße Chakalaka. Eine Einladung zum B. sollte man auf keinen Fall ausschlagen!

Coloureds – Keineswegs abwertend gemeint ist der Ausdruck «Farbige» in Südafrika. Die C. bilden neben Weißen, Schwarzen und Indern beziehungsweise Asiaten eine vierte Volksgruppe in Südafrika. Wie die Buren sprechen die meisten C.'s Afrikaans, eine dem Niederländischen verwandte Sprache.

Highjacking – Das bewaffnete Entwenden von Fahrzeugen. Jeder Südafrikaner, der ein Auto besitzt, wird Touristen vor dieser Art des Raubüberfalls warnen. Passiert in Wirklichkeit jedoch viel seltener als es aufgeregte Zeitungsschlagzeilen vermuten ließen.

Howzit – Standardgruß in Südafrika und Kurzform des längeren «How is it?» Auch wenn das «Wie geht’s?» bedeutet, erwartet man keine lange Erläuterung der eigenen Befindlichkeit. Es reicht als Antwort «fine» zu sagen oder einfach ein gut gelauntes H. zurück zu schmettern.

Jabulani – Der offizielle Ball der Fußball-WM mit einem Design aus elf Farben, das die elf offiziellen Sprachen und Bevölkerungsgruppen der Regenbogennation repräsentiert. Der Name des Fußballs stammt vom Zulu-Wort für «feiern» und dazu ist man hier fest entschlossen.

Kwaito – Die Musik der urbanen, schwarzen Jugend: eine Mischung aus Disko, Hiphop, R&B und Dancehall vermischt mit einem ordentlichen Schuss House-Beats. Außer in einigen liberalen Vierteln der Großstädte – wie Meville in Johannesburg oder Observatory in Kapstadt – ist das Nachtleben noch immer durch unsichtbare Rassenschranken getrennt.

Laduma – Mit diesem begeisterten Ausruf jubeln die Südafrikaner, wenn das eigene Fußballteam das Leder versenkt hat. Eigentlich bedeutet der Zulu-Ausdruck «Es donnert!» Kurz vor der WM hofft das ganze Land, dass Bafana Bafana es in der Vorrunde gegen Mexiko, Uruguay und Frankreich ordentlich donnern lassen.

Madam and Eve – Niemand kommentiert so spitz und lebensnah das moderne Südafrika wie M. & E., der beliebteste Comic-Strip des Landes über eine südafrikanische M. und ihre schwarze Haushälterin E. Seit über zehn Jahren freuen sich Millionen Leser über die tägliche Dosis Respektlosigkeit. Ein Muss für Comic-Fans!

Madiba – M. nennen die Südafrikaner ihren Volkshelden Nelson Mandela, nach dessen Klan-Namen. Der Freiheitskämpfer vom Volk der Xhosa verbrachte 27 Jahre im Gefängnis als politischer Gefangener des Apartheid-Regimes, bevor er 1994 erster schwarzer Präsident des Landes wurde und den Friedensnobelpreis erhielt.

Makarapa – Kult-Kopfbedeckung eines sendungsbewussten, südafrikanischen Fußballfans. Das Fan-Utensil wird aus einem Bauhelm gebastelt, der mit einem Geweih oder Hörnern versehen, bemalt, beklebt und beschriftet wird. Für die weniger Kreativen gibt es fertige M. zu kaufen – mittlerweile in jedem Supermarkt.

Minibusse – Verkehrsmittel Nummer eins auf dem afrikanischen Kontinent. Die Fahrer der stets überfüllten Busse sind für ihre rabiate Fahrweise bekannt; überholt wird auf allen Spuren und ohne zu blinken. Wohin welche Busse fahren, ist für Außenstehende nur schwer zu durchschauen und wird per Handzeichen signalisiert.

Seite 2: N wie Nkosi Sikelel'iAfrika bis Z wie Zuma

Nkosi Sikelel’ iAfrika – «Gott segne Afrika» lautet der Name des Volksliedes, das die ersten beiden Strophen der südafrikanischen Nationalhymne bildet. Die letzten beiden Strophen stammen aus dem Lied «Die Stem van Suid-Afrika». Südafrika ist wohl das einzige Land mit einer Hymne in vier Sprachen: Xhosa/Zulu, Sesotho, Afrikaans und Englisch.

Rand – So heißt die Währung Südafrikas, abgeleitet von der Region Witwatersrand, dem Weißwasser-Gebirge, die mit ihren Goldvorkommen maßgeblich zum Wohlstand Südafrikas beitrug. Zehn Rand sind derzeit in etwa einen Euro wert.

Robots – Keine Roboter sondern schlicht Ampeln. Gehört zu den englischen Ausdrücken, die außerhalb von Südafrika niemand versteht wie «Garage» für Tankstelle oder «Bankteller» für Geldautomat. Will man Geld abheben, fragt man jedoch am besten nach einem ATM (automated teller machine).

Sangoma – Der Besuch bei einer S., einer traditionellen Heilerin, soll schon manchem südafrikanischen Fußballer Glück vor der nächsten Partie gebracht haben. Auf dem Spielfeld vergrabene Hühnerknochen oder von einer S. zeremoniell geweihte Fußballschuhe und Trikots sind keine Seltenheit in dem Land am Kap.

Shebeen –Township-Kneipen, die während der Apartheid illegal waren und sich bei der schwarzen Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen. Das Bier wird in 0,75-Liter Flaschen, so genannten Quarts, ausgeschenkt. Sofern es nicht gleich selbst gebrautes Maisbier gibt. Auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn auch nur mit ortskundiger Begleitung.

Shooter – Nein, so heißen nicht die bewaffneten Gangster, sondern die überaus beliebten Kurzen, die in fast jeder Bar zu finden sind. Eigenwillige Kreationen aus drei bis vier Likörsorten in einem Schnapsglas mit noch eigenwilligeren Namen: B52, Black Bitch, Sowetan Toilet – am bekanntesten ist der Springbok: Pefferminzlikör mit Kahlua.

Soccer-City – Stadion des WM-Eröffnungsspiels und des Finales. Das 200 Millionen Euro teure Stadion bietet 94.000 Zuschauern Platz. Nach der WM wird das Stadion vermutlich nur zum Derby zwischen den Topklubs Orlando Pirates und den Kaizer Chiefs ausgelastet sein, den Lokalmatadoren aus Soweto und besten Soccer-Teams des Landes.

Soweto – Keiner weiß, wie viele Millionen Menschen in den South-Western-Townships in der Nähe von Johannesburg wirklich leben. Fest steht allerdings, dass sich das ehemalige Apartheid-Ghetto S. längst zu einer Großstadt gemausert hat – mit Krankenhäusern, Museen und Shoppingmalls. Für Besucher allemal ein lohnendes Ziel.

Springboks – Die Rugby-Nationalmannschaft S. sind mit den Proteas, dem nach der Nationalblume benannten Cricketteam des Landes, die sportlichen Helden der weißen Minderheit. Doch mit der WM begeistern sich mehr und mehr weiße Südafrikaner auch für Fußball, den Sport der Schwarzen.

Ubuntu – Bedeutet in etwa «Gemeinsinn» und ist vermutlich die einzige Zulu-Vokabel, die es in den Sprachwortschatz westlicher Länder geschafft hat. Als Management-Philosophie mit exotischem Anstrich und als Anwendung für das Software-Betriebssystem Linux.

Unjani – «Wie geht's?» in den Sprachen der Xhosa und der Zulu, den beiden größten afrikanischen Volksgruppen. In dem von Buren und Coloureds gesprochenem Afrikaans erkundigt man sich mit «Mou gaan dit?» nach dem Befinden.

Vuvuzela – Die armlange, krachmachende Plastiktröte dürfte mittlerweile auch hierzulande hinlänglich bekannt sein. Spätestens seit Bundestrainer Joachim Löw und einige europäische Journalisten Anstoß an den über 110 Dezibel nahmen, auf die es die Trompete locker bringt. Dennoch sind V.'s derzeit Südafrikas Exportschlager Nummer eins.

Zakumi – Ein Leopard mit grünen Haaren und schlechter Frisur ist das offizielle Maskottchen der WM 2010. Der Name Z. ist ein Kunstwort aus ZA für Zuid-Afrika und dem Wort kumi, das in mehreren afrikanischen Sprachen «zehn» bedeutet – wie 2010.

Zuma – Der ANC-Chef Jacob Z. ist der vierte Ministerpräsident Südafrikas seit dem Ende der Apartheid. Von dem Karikaturisten Zapiro wird er traditionell mit einer Dusche auf dem Kopf gezeichnet. Eine Anspielung auf den Versuch des für seine Affären bekannten Politikers sich mit einer heißen Dusche vor einer HIV-Infektion zu schützen.

kru/ped/ivb/news.de

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