08.06.2010, 11.43 Uhr

Flirt-Ratgeber: Ein Blick wie eine Erektion

Die schönsten Frauen ins Bett reden können - damit will Flirt-Ratgeber Stefan Strecker seinen Lesern helfen. Zu lernen gibt es dann allerdings wenig, zu lachen und fremdschämen umso mehr.

Wer Frauen verführen will, muss sich schon mehr einfallen lassen als platte Flirtsprüche. Bild: iStockphoto

Muster der Verführung – Wie Sie die Frauen, die Sie begehren, verführen ist als angebliches Psychologiebuch mehr unfreiwillig komisch als wirklich hilfreich. Der todernste Flirt-Ratgeber mit hochwissenschaftlichem Fundament macht sich allein schon durch ständig falschen Satzbau und desaströse Rechtschreibung selbst lächerlich. Trotzdem kann man als Hilfesuchender einiges lernen - nämlich wie man es am besten nicht macht.

Psychologie pervertiert

Der erfahrene Mitzwanziger Strecker versucht Neurolinguistische Programmierung (NLP) und mentale Suggestion als Verführungstricks zu verkaufen. Bei NLP handelt es sich um ein psychologisches Konzept, das komplizierter klingt als es ist, aber trotzdem zumindest vom Autor verstanden hätte werden sollen. Im Prinzip geht es nur darum, mit der eigenen Persönlichkeit angenehme Erinnerungen zu wecken, so beim Gegenüber Eindruck zu schinden und dessen Gefühlswelt zu beeinflussen. Erzählt also jemand von warmen Schaumbädern und berüht den Gesprächspartner am Arm, hat diese Person plötzlich eine positive Konnotation.

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So zumindest funktioniert die Theorie. In der Praxis ist es natürlich nicht so leicht. Und obwohl NPL wissenschaftlich belegt ist, muss man solche Themen erstens selbst begreifen, um sie zu erklären, und zweitens so einfach und plausibel schildern, dass der Leser sie nachvollziehen und anwenden kann.

Sätze, die schmerzen

Dazu serviert Stefan Strecker dann platte Floskeln, dämliche Machosprüche und unnachvollziehbare Logiken, die es einem schwer machen weiterzulesen: «Warnung! Dieses Buch verursacht spontanes Selbstbewusstsein mit Frauen!», «Wir investieren nur in Frauen, mit denen wir bereits schlafen!», «Gäbe es genug befriedigenden Sex, würde Psychologie nicht existieren.»

Und das ist erst der Anfang der selbstverliebten Lektionen in Sachen Sexerschleichung. Besonders witzig sind die grandiosen Flirtsprüche und die Erklärung, die dem frustrierten Leser ans Herz gelegt werden:

Die dümmsten Anmachsprüche

Wie wäre es zum Beispiel mit: «Ich muss dir ein Kompliment machen...! Sie wird fragen: Was?» Nach dem Motto: «Lasst sie darum betteln, jede Frau schreit nach Komplimenten!»

Oder aber: «Weißt du, du bist eine der wenigen Frauen, die mir mit einem Augenaufschlag eine Erektion machen können.» Das soll sie wohl so sehr überraschen, dass sie total fasziniert von seinem Mut ist.

Gerissener: Man holt zwei Getränke und fragt sie: «Welches Glas möchtest du?» Das spielt auf die unter Männern immer wieder belächelte Entscheidungsfreudigkeit von Frauen an. Er bringt also lieber gleich etwas mit, als mit der Frage Zeit zu verschwenden, ob sie überhaupt etwas trinken möchte.

Aus dem Munde der besonders Kreativen klingt es bisweilen so: «Mein Gott, siehst du gut aus.» Strecker behauptet, wer das sagt und sie danach stehen lässt, wird ihre Neugier wecken.

Bekannt und immer wieder genutzt: «Von deinem Parfüm kann man süchtig werden.» Dahinter steckt wohl der Glaube, Frauen, denen man schmeichelt, fühlen sich verstanden. Innere Werte mit der Erscheinung zu verwechseln, ist bei Flirtenden allerdings ein häufiger Fehlgriff.

Am wirksamsten aber natürlich: Auf Partys oder in Diskotheken, wenn es sehr laut ist, Zettel und Stift dabei haben, eigene Nummer notieren und Folgendes verbrechen: «Hi, hast du einen Freund? Wenn nicht, dann ruf doch mal an!»

Langweilige Lustoffenbarungen

Wer die Angebetete mit einer dieser umwerfend eloquenten Sexgaranten tatsächlich ins Bett gelotst hat, dem gibt Strecker noch einen ganz wertvollen Tipp: Eine Zeichnung, in der er die weibliche Klitoris lokalisiert und dann rät, dort doch mal «den Zungentornado» auszuprobieren. Nähere Erläuterungen spart sich der Autor. Der Leser kann ja noch denken. Spätestens da ist das Grauen perfekt und es bleibt jeder Frau nur zu wünschen, dass sie niemals auf einen Schüler Streckers trifft.

Die unglaublich unseriöse Herangehensweise an ein eigentlich ernst zu nehmendes psychologisches Thema macht Muster der Verführung zu einem echten Fremdschämgenuss. Vor allem dank der pubertären Rhetorik, dem übersteigerten Selbstwert und der sprachlichen Holprigkeit. Prädikat: Gelesen, gelacht und besser gemacht.

Lesetipp: Muster der Verführung - Wie Sie die Frauen, die Sie begehren, verführen,Stefan Strecker, Verlag: Libri Books on Demand GmbH, 167 Seiten, 17,90 Euro.

brc/ham/ivb/news.de

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