Buchkritik Wenn der Tick die Erotik ausmacht

Der kleine Erotiker (Foto)
Der kleine Erotiker enthält alles, was man beim Sex nicht unbedingt probieren, aber erfahren möchte. Bild: DVA

Lexika müssen nicht trocken sein: US-Comedian Dennis DiClaudio schafft es in Der kleine Erotiker, mehr Witz und Sex zwischen zwei Buchdeckel zu packen, als man sich je von einem Fetisch-Nachschlagewerk erhoffen würde. Und erklärt, warum Delphinsperma gefährlich ist.

Was haben Autos, Teddybären, Nasen, Clowns und Tierkostüme gemeinsam? Natürlich: Man kann mit ihnen Sex haben wollen. Es gibt bekanntermaßen mehr als genug äußerst ungewöhnliche Fetische, und Dennis DiClaudio stellt deshalb in seinem Lexikon der unzüchtigen Vergnügungen Der kleine Erotiker zumindest die 42 unglaublichsten, skurrilsten und witzigsten kurz vor.

Faszination Fetisch

Er nimmt sich der Kastrationsphantasie (leider nur einmal auslebbar) ebenso an wie dem Ballonfetischismus (für die, die aufblasen besser finden als blasen) oder der nicht jugendfreien Liebe zu Comicfiguren. Soll es alles geben. Und wer glaubt, DiClaudio habe da nur urban myths zusammengetragen und ein bisschen phantasiert und übertrieben, irrt. Jede der beschriebenen sexuellen Vorlieben der etwas selteneren Art hat zumindest eine Anhängerschaft, die groß und bekennend genug ist, sich in Internetforen zu suchen, zu finden und unterhaltsam auszutauschen, so dass DiClaudio Informanten ausfindig machen konnte. Also nichts an den Haaren herbeigezogen. Apropos Haare: Auch klassischere Fetische wie die Trichophilie (das Faible für eine bestimmte Struktur, Farbe, Länge von Haar) werden erklärt.

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Psychologische Probleme

Und erklärt ist das nächste Stichwort: Ein ganz großes Plus für den psychologisch interessierten Leser ist das Bemühen DiClaudios, mögliche psychische Wurzeln der einzelnen Gelüste aufzuzeigen. Nur wird das dann doch auch schnell langweilig, weil es immer wieder die gleichen Gründe sein sollen: Prägungen in der Kindheit oder aber das genaue Gegenteil, nämlich die Erotisierung von frühkindlichen Ängsten. Verdrängung durch Sex quasi. Deshalb wünscht sich also manch einer schmutzige Spielchen mit Clowns, obwohl er die seit Stephen King´s Es eigentlich abgrundtief hasst - und irgendwie lässt sich das dann auch fast alles wieder auf Masochismus zurückführen. Nicht viel Überraschendes oder wissenschaftlich Überzeugendes in dieser Beziehung.

Schwarzer Humor und verhinderte Sexunfälle

Neben den psychologischen Einblicken bietet Der kleine Erotiker in jedem der knackig-knappen Lexikoneinträge zudem aber auch Tipps zum nützlichen Zubehör, ein beispielhaftes Phantasieszenario, das dann wohl die meisten Leser doch nicht so anturnt (andernfalls haben sie sich aber auch gleich selbst diagnostiziert) und nicht ganz ernstzunehmende Warnhinweise wie den für Sodomisten, zu bedenken, dass das Ejakulat von Delphinen bis zu 14 Metern zurücklegen kann und folglich mit einer ziemlichen Wucht austreten muss. Malen Sie sich die Bedenken des Autors aus. Seltsames Bild, aber DiClaudio meint es ja nur gut mit dem geneigten und eventuell experimentierfreudigen Leser.

In Punkten wie diesem zeigt sich, was das kleine Fetisch-Lexikon wirklich ausmacht: Der schwarze Humor des amerikanischen Komikers, der auch schon für den Erfolg Des kleinen Neurotikers und Des kleinen Hypochonders verantwortlich war. DiClaudio nimmt noch so absurde Fetische auf die Schippe, ohne dabei aber Verständnis und Respekt zu verlieren. Er klärt wie nebenbei auf und ist selbst aufgeklärt genug, das auf lockerste Art zu tun.

So verbindet Der kleine Erotiker unnützes Wissen in Form eines ganzen Haufens lateinischer Vokabeln für sexuelle Vorlieben, von denen man vorher noch nicht einmal etwas geahnt hat, mit Augenbrauenhochzieh-Unterhaltungswert und zugleich entspannend lässiger Attitüde. Wir lernen: Sex ist Spaß und muss nicht immer ernstgenommen werden. Und Fetische sind keine Behinderungen, die politische Korrektheit des Betrachters verlangen. Lesen, wundern, lachen. Alles erlaubt. Und das ist auch gut so.

Titel: Der kleine Erotiker - Lexikon der unzüchtigen Vergnügungen
Autor: Dennis DiClaudio
Verlag: DVA
Seiten: 206
Preis: 14,95 Euro

brc/car/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ihr Name
  • Kommentar 1
  • 10.05.2010 22:07

Soooo verträumte liebe Augen im Impressum und die lesen Fetischlexika?

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