Mit Lockenmähne im leuchtenden Sportdress. Sexy und sportlich.
«Wir wollen nicht sexy sein!»
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Mit Lockenmähne im leuchtenden Sportdress. Sexy und sportlich.
Von news.de-Mitarbeiterin Corina Broßmann
Es ist der heiße Trend der Messe FIBO 2010: Pole Dance. News.de hat mit Miss Pole Dance 2007, 2008 und 2009 Jeannine Wilkerling über ihren umstrittenen Sport gesprochen, den sie abends unterrichtet, während sie tagsüber ihre Doktorarbeit schreibt.
Jeannine, bist du hauptberuflich Pole Dancer?
Jeannine Wilkerling: Nein, ich habe ein Diplom in Mineralogie und mache gerade meinen Doktor in Werkstoffwissenschaften. Meine eigene Pole-Dance-Schule führe ich neben dem Studium, gebe am Wochenende und nach Feierabend Kurse.
Was halten deine Familie, dein Partner und deine Kommilitonen von deinem sexy Hobby?
Wilkerling: Ich bin solo und meine Familie findet toll, was ich mache. Meine Schwester ist bei jedem Wettkampf dabei. Mein Vater verfolgt die Meisterschaften im Fernsehen. Er hätte mich auch gern nach Jamaika zur WM begleitet, da war ihm nur der Flug zu teuer, sonst hätte er mich vor Ort angefeuert. Meine Mitstudenten haben mich sogar schon in einem Fanbus begleitet. Mein Umfeld weiß, dass Pole Dance nichts Anrüchiges, sondern ernstzunehmender, harter Sport ist.
Wieviel Sexappeal gehört zum erfolgreichen Pole Dancing?
Wilkerling: Wir wollen nicht sexy sein. Bei den internationalen Wettbewerben gibt es sogar Punktabzug für zu knappe Outfits, der Po muss zum Beispiel immer bedeckt sein. Wer sich aufreizend an die Brüste oder zwischen die Beine fasst, wird disqualifiziert.
Wieso trittst du dann trotzdem in engen Kostümchen auf, die viel Haut zeigen, und nicht in Jogginghose?
Wilkerling: Das ist einfach Teil der Show, natürlich braucht man was fürs Auge. Aber das ist beim Eiskunstlauf oder Standardtanz nicht anders. Da geht es schließlich auch nicht hochgeschlossener zu. Es ist einfach eine Frage der Ästhetik, kein berechnendes Aufreizen. Trainiert wird übrigens in unspektakulären Sportsachen. T-Shirt, Shorts, Sneakers oder klassische Tanzschuhe, das war´s. Kein Glitzer, kein Make-up.
Gibt es überhaupt (Ex-)Stripperinnen in der professionellen Pole-Dance-Szene?
Wilkerling: Sicher, aber in meine Kurse ist noch keine gekommen. Ganz ehrlich?: Ich glaube, es wäre ihnen zu anstrengend und zu zeitaufwendig richtig an der Stange zu trainieren. Wir aber wollen nicht anmachen und Geld verdienen, indem wir uns nur ein bisschen rumräkeln. Für uns ist Pole Dance Fitness, sportliche Herausforderung und eine Möglichkeit unseren Körper in Form zu halten oder zu bringen. Gute Pole Dancer kommen eher aus dem Gerätturnen, Ballett oder Zirkus. Das einzige, was wir mit Stripperinnen gemeinsam haben, ist die Stange.
Wie sieht deine typische Kursteilnehmerin denn aus?
Wilkerling: Da ist jeder Typ Frau dabei: Von 9 bis 55. In Begleitung von Mutti oder Ehemann. Schüchtern oder extrovertiert. Ganz normale Mädels, die im Altersheim, bei Aldi oder im vodafone-Shop nebenan arbeiten.
Auch mal Männer?
Wilkerling: Leider noch nicht. Bei den internationalen Wettbewerben ist das aber schon Gang und Gäbe.
Welche körperlichen Voraussetzungen muss ich zum Pole Dance mitbringen? Sollte man schlank sein, um erfolgreich an der Stange tanzen lernen zu können?
Wilkerling: Nein, gar nicht. Jeder kann das mit viel Zeit und Muse hinkriegen. Die Kraft baut man nach und nach auf und abnehmen lässt es sich auch ganz prima beim Pole Dancing. Der ganze Körper wird schließlich trainiert und geformt. Da kommt man richtig ins Schwitzen und verbrennt eine Menge Kalorien.
Wie kann ich meinen Freund/Mann noch überzeugen, dass er mir einen Pole-Dance-Kurs schenkt? Drei Argumente pro Pole Dance?
Wilkerling: Du tust was für deinen Körper, dein Ego und hast Spaß. Das sollte er dir schließlich gönnen und auch davon profitieren.
Was spricht gegen das Pole Dancen? Wie sieht es mit der Verletzungsgefahr aus? Tut es nicht einfach höllisch weh, mit nackten Oberschenkeln von einer Metallstange zu rutschen oder das eigene Körpergewicht mit einer Kniekehle zu halten? Was sind deine schlimmsten Erfahrungen und Tipps dagegen?
Wilkerling: Blaue Flecken sind an der Tagesordnung, Sehnenscheidenentzündungen auch, wenn man die falsche Grifftechnik hat. Muskelfaserrisse passieren schnell – und manch einer Schülerin wird schlecht beim Drehen um die Stange. Deshalb gibt es zwei Stunden vor dem Training nichts mehr zu essen.
Würdest du deiner Tochter Pole Dance erlauben?
Wilkerling: Natürlich. Warum nicht? Hauptsache Sport. Wenn es ein Junge wäre, dürfte er aber auch Fußball spielen.
Wie sieht die Zukunft des Pole Dance und seines Images aus? Was erhoffst du dir?
Wilkerling: Im Moment gibt es in Deutschland schon 19 offizielle Pole-Dance-Schulen. Monat für Monat kommen welche dazu. Je bekannter Pole Dance als Fitnesstrend wird, umso mehr wird er sich hoffentlich von den schmuddeligen Assoziationen befreien können. China ist ein gutes Vorbild. Da explodiert der Markt gerade. Ich selbst möchte so viele Menschen wie möglich von meinem Sport begeistern, wünsche mir noch eine ganze Kette an Pole-Dance-Studios und werde bei der WM im Oktober in der Schweiz um den Weltmeistertitel kämpfen.
Schafft es der Pole Dance auch schon 2012 zur Olympischen Disziplin, wie es KT Coates mit ihrer Petitionsliste anstrebt?
Wilkerling: Das würde mich wahnsinnig freuen. Aber ich bin Realist. Wir sollten uns Schritt für Schritt als ernstzunehmende Sportart etablieren. Das braucht Zeit.
Apropos Zeit: Wie lang gibst du dir noch als aktive Stangentänzerin?
Wilkerling: Wenn es peinlich wird, hör ich auf. Versprochen.
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