Urlauberakquise «Jetzt sind wir gastfreundlicher denn je»

Beide L├Ąnder hat die Wirtschaftskrise hart getroffen: Mit einer Charme-Offensive ringen Griechenland und Island nun um deutsche Urlauber. G├╝nstige Preise und landestypischer Frohsinn sollen die Touristen ins Land schwemmen.

Griechenland (Foto)
Mit einer Charme-Offensive und mit dem Ausbau ihres Reiseangebots ringen Griechenland und Island um den deutschen Urlauber. Bild: dpa

Das raue Island und das sonnige Griechenland haben in der Wirtschaftskrise einen Plan gemein: Mit einer Charme-Offensive und mit dem Ausbau ihres Reiseangebots ringen beide um den deutschen Urlauber. Der Tourismus soll im Kampf gegen den drohenden Staatsbankrott frisches Geld bringen. Die Ferienbranche - ohnehin schon der gr├Â├čte Wirtschaftssektor in diesen L├Ąndern - soll in der Krise weiter wachsen. «Gerade der deutsche Tourist ist in der Krise f├╝r uns wichtiger denn je», sagte Islands designierter Botschafter in Deutschland, Gunnar Snorri Gunnarsson, auf der Internationalen Tourismus B├Ârse (ITB), die am Sonntag in Berlin zuende gegangen ist.

F├╝nf Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen von deutschen St├Ądten in die isl├Ąndische Hauptstadt Reykjavik ausgebaut. In der Hochsaison soll es 36 Fl├╝ge pro Woche aus Deutschland geben. Die Insel soll nach Vorstellung des isl├Ąndischen Tourismusamtes «Visit Iceland» auch als Zwischenziel f├╝r Reisende auf dem Weg von Europa in die USA dienen. «Unser kleines Land wird aus allen N├Ąhten brechen», prophezeit eine isl├Ąndische Touristik-Sprecherin. «Und dann geht es auch mit der Wirtschaft endlich wieder bergauf.»

Griechenland: Ein wankendes Land

2009 besuchten 566.000 Touristen aus der ganzen Welt die Insel mit rund 320.000 Einwohnern. Besonders viele Deutsche fliegen seit Beginn der Krise im Jahr 2008 Reykjavik an: W├Ąhrend die Gesamtzahl der Urlauber in Island 2009 nur um 0,8 Prozent auf 562.000 stieg, kamen aus Deutschland 15 Prozent mehr G├Ąste. Angelockt wurden sie auch von den g├╝nstigen Preisen, die laut Gunnarsson binnen eines Jahres um zw├Âlf Prozent gesunken sind.

Trotz G├Ąsteboom: Geschw├Ąchte L├Ąnder ringen um deutsche Touristen

Doch trotz des G├Ąstebooms stagnierte die Tourismusbranche: Kaum neue Arbeitspl├Ątze wurden geschaffen, keine neuen Hotels, keine neuen Freizeitanlagen gebaut. «Die Krise hat auch den Tourismus fest im Griff, aber wenn noch mehr G├Ąste kommen, k├Ânnen wir endlich wieder anfangen zu investieren», sagt die Touristik-Sprecherin.

Viele geschw├Ąchte L├Ąnder ringen gerade in diesem Jahr mit Billig- und Werbe-Offensiven um den deutschen Touristen. Das in finanzielle Schwierigkeit geratene Emirat Dubai l├Ądt etwa bis zu zwei Kinder pro Familie kostenlos nach Dubai ein, wenn sie von zwei zahlenden Erwachsenen begleitet werden. Mit dem mutigen Versprechen «stabiler Preise» und mit der Ank├╝ndigung von 4000 zus├Ątzlichen Hotelbetten wirbt Griechenlands stellvertretende Tourismusministerin, Angela Gerekou, auf der ITB um deutsche Touristen. «Kommen Sie nach Griechenland - gerade jetzt. Jetzt sind wir gastfreundlicher denn je», sagt sie.

Dabei will das von hohen Staatsschulden bedrohte Land ein eisernes Sparprogramm umsetzen: Die Benzin- und Mehrwertsteuern werden erh├Âht, die Preise dadurch voraussichtlich steigen. Gerekou versichert aber, dass der Griechenland-Urlaub nicht teurer werden soll. Das Land will um jeden Preis vermeiden, dass Touristen wegen des Images als Schuldens├╝nder wegbleiben. Denn die Touristenbranche erwirtschaftet nach Angaben eines Sprechers der griechischen Tourismus-Werbung 18 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, mindestens eine Million Arbeitspl├Ątze h├Ąngen davon ab.

Die ├ťbernachtungszahl in den Hotels ist bereits im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent zur├╝ckgegangen. 7,1 Prozent weniger Deutsche urlaubten in Griechenland. Auch f├╝r dieses Jahr sehen die Prognosen schlecht aus. ITB-Chef Martin Buck meint, dass Urlauber vielleicht auf die t├╝rkische ├äg├Ąis ausweichen werden. Das will Griechenland auf jeden Fall verhindern. Vize-Ministerin Gerekou: «Sie d├╝rfen sich sicher sein, dass wir die Deutschen wirklich lieben.»

tfa/iwi/ivb/news.de/dpa

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