Ganz entspannt im Sand: Homosexuelle Urlauber werden inzwischen in mehr als 70 Ländern willkommen geheißen.
Wie Familienurlaub
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Ganz entspannt im Sand: Homosexuelle Urlauber werden inzwischen in mehr als 70 Ländern willkommen geheißen.
Von news.de-Redakteur Sebastian Haak, Berlin
Auf der ITB gibt es inzwischen einen eigenen Stand mit Angeboten für schwule und lesbische Touristen. Ein cleverer Schachzug: Denn Homosexuelle geben auf Reisen im Schnitt mehr Geld aus als Heteros.
Schwule und Lesben, als gutbetuchte Minderheit sind sie eine Marktmacht. Das ist ungerecht. Schließlich sind wir alle irgendwie Minderheit. Kinder, Glatzköpfe, Vegetarier, Raucher, Fußgänger. Wer kümmert sich um uns?
Stephen Smith ist ein kleiner Mann. Aber er ist energisch. Wenn er erzählt, dass er die Regenbogenfahne vor elf Jahren nicht vom Stand Floridas auf der ITB entfernt hat, dann kann man sich das bildlich vorstellen. Und es ist nicht schwer, sich auszumalen, wie der US-Amerikaner sich mit einem bestimmten «No!» gegen die zur Wehr setzte, die das Symbol am liebsten aus den Hallen in Berlin verbannt hätten. Die Regenbogenfahne. Sie ist ein Symbol für Toleranz und Offenheit von beziehungsweise gegenüber Homosexuellen.
Jetzt steht Stephen Smith wieder auf der ITB. Der Stand Floridas liegt ein paar Meter abseits und hinter dem kleinen Mann mit den blondierten Spitzen schimmern wieder die Farben des Regenbogens. Diesmal aber nicht als unauffällig Flagge. Sondern als Leuchtdekoration, die mehr als drei Meter über dem Boden noch immer kein Ende findet. «Vor sechs Jahren hatten wir das erste Mal einen kleinen, eigenen Stand, irgendwo am Rand», erzählt Smith. «Jetzt sind wir an der Grenze zwischen den USA und Russland – was für einen Aufstieg.» Smith steht der Stolz ins Gesicht geschrieben.
«Wir» – das ist die IGLTA, die International Gay and Lesbian Travel Association (deutsch: Internationale Reisevereinigung für Schwule und Lesben). Die Organisation ist ein Zusammenschluss von mehr als 1700 Unternehmen aus der Reisebranche – von Hotels über Reiseveranstalter bis hin zu PR-Agenturen –, die über 70 Länder der Welt verteilt sind. IGLTA-Unternehmen gibt es in Nordamerika ebenso wie in Europa, Asien, Südamerika, Australien oder Afrika. Mit Ägypten und Libanon sind sogar Länder des arabischen Raums Heimat einiger Tourismusschaffender, die sich mit dem regenbogenfarben schillernden IGLTA-Logos schmücken und so zeigen: Schwule und Lesben sind uns willkommen.
Dass die ITB-Veranstalter das Segment Gay and Lesbian Travel in diesem Jahr zum ersten Mal ganz offiziell in die Ausstellerliste aufnahmen und nicht wie in der Vergangenheit einfach – fast schon heimlich – einen Stand vermieteten, macht Stephen Smith noch ein bisschen stolzer. «Schwule und Lesben reisen gerne», sagt er. Das ist eigentlich nicht erwähnenswert, aber dass sie sich dabei nicht mehr verstecken mussen, ist für Stephen eine relativ neue Erfahrung. Die gleichgültig vorbeischlendernden Messebesucher sind für ihn daher ein Erfolg. Normalität eben.
Die spendableren Kunden
Ein anderer Ausdruck dieser neuen Normalität ist die Europride 2010, für die am IGLTA-Stand geworben wird: Schwule und Leben treffen sich am 17. Juli in Warschau zu einer großen Parade. Vom 8. bis 18. Juli bieten die Veranstalter ein touristisches Rahmenprogramm. Es wird das erste Mal sein, dass eine derart große Veranstaltung von und für Homosexuelle im Osten Europas stattfindet. Und das auch noch in Polen, einem tiefkatholischen Land.
«Wir erwarten für die Parade 50.000 Besucher», sagt Magdalena Zawitkowska, die für das polnische Unternehmen Mazurkas Travel diese Veranstaltung mitorganisiert und die ITB am IGLTA-Stand verbringt. «Das wird für die Besucher, aber auch für unser Unternehmen eine einmalige Erfahrung.» Zawitkowska weiß, dass die neue Normalität im Umgang mit Sexualität trotz des IGLTA-Standes auf der ITB noch längst nicht grenzenlos ist, auch wenn Stephen Smith sich wünscht, dass Reisen für Schwule und Lesben bald «nichts anderes als ein weiteres Reisesegment sind». Magdalena Zawitkowska schaut bei der Auswahl von Nachtclubs oder Hotels für das Begleitprogramm der Europride 2010 noch sehr genau hin, dass die gebuchten Unternehmen kein Problem mit Homosexualität haben.
Entgegen der immer noch hartnäckigen Klischees dreht sich bei Gay-Reisen nicht alles ums Nachtleben. Auch wenn Magdalena Zawitkowska beobachtet hat, dass Schwule und Lesben auf ihren Reise noch mehr «als andere» auf Spaß aus seien – eine Meinung, die Stephen Smith nicht teilt –, so sind sich doch beide darin einig, dass Homosexuelle wie alle anderen Urlauber auch gerne historische Bauten und Altstädte besichtigen, gut Essen gehen oder einfach mal die Seele baumeln lassen – am besten in einer sicheren und toleranten Atmosphäre. Wie ganz normaler Familienurlaub.
Und wen das noch nicht überzeugt, für den gibt es noch ein Geld-Argument: Gerade in schweren Zeiten wie diesen, in denen die Tourismusbranche einem schweren Jahr entgegen blickt, könnte sie Homosexuelle schätzen lernen. «Nicht nur, dass wir unseren Freunden immer davon erzählen, wenn es uns irgendwo gefallen hat», sagt Stephen Smith. «Wir geben bestimmt auch 20 bis 25 Prozent mehr im Urlaub aus als Heterosexuelle.» Die bezeichnet Smith übrigens als «Mainstream-Sexuelle».
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Leserkommentare (5)
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jetzt antworten Kommentar meldenDer Arsch ist fundamental!
jetzt antworten Kommentar meldenWas soll ich mitdiskutieren ? Es gab schon immer geistig verwirrte aber man sollte es nicht für normal hinstellen, für beide Geschlechter nicht. Gott, den es nicht gibt, die Kirche, die Kinder vergewaltigt, und die Menschen mit Kirchensteuer abzocken, damit sie parasitär leben können. Ich verstehe die Welt nicht mehr, schäme mich fast schon, das ich mit einer Frau lebe... Soll das so sein ? Schwesterwelle als Vorbild voran und das in der Politik ? Ich kotz ab und hoffe, wenn es doch einen Giott geben sollte, er der Sache irgendwann gerecht wird. Ende Der Untergang dieser Welt steht bevor
jetzt antworten Kommentar meldenmit verlaub herr haak...das ist armselig u. zeugt von unreife. ich muss ihnen als mensch mein tiefes bedauern aussprechen. sie sind nicht kritikfähig.
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