So., 12.02.12

Finnland Wenn die Bären erwachen

Von Monika Reisner

Artikel vom 01.02.2010

Bald recken und strecken sich die Bären in Finnland: Der Winterschlaf ist vorbei, und Ari Sääski führt wieder Touristen zum Bärengucken durch die Taiga von Karelien. Für den ehemaligen Manager ein angenehmerer Berufsalltag.

Lange Schatten kriechen die Stämme der Lärchen und Kiefern hoch. Nur die Wipfel sonnen sich im warmen letzten Licht des Tages; die Wolkenbänder verfärben sich zu einem sanften Violett. Es ist ein Abend wie so viele in der finnischen Taiga nahe der russischen Grenze. Und da, unbemerkt, lautlos, löst sich langsam aus der Dämmerung ein Braunbär. Vorsichtig tritt er auf die Lichtung, schnüffelt, lauscht, bleibt stehen, stellt sich auf die Hinterbeine. Schließlich fühlt er sich sicher und betritt die Arena aus Wurzeln und Torf, umringt vom Dickicht hoher Bäume und dichter Sträucher.

Er ahnt nicht, dass 16 Augenpaare jede seiner Bewegungen verfolgen. Der König des Waldes verharrt und tappt auf schweren Pfoten weiter. Vor ihm türmt sich ein Berg Lachse auf. Der Bär wühlt darin herum, schnappt sich ein Bündel Fische und verschwindet hinter den dunklen Bäumen. Es wird eine halbe Stunde dauern, bis sein Appetit den Bären noch mal auf die Lichtung treibt, und eine weitere, bis noch vier Artgenossen an dem Festmahl teilnehmen. Ein paar Rangeleien, Gefauche und Gebrumme, dann ist es wieder still. Nur das Knacken der Äste und lautes Schmatzen der über 300 Kilogramm schweren Könige des Waldes ist bis spät in die Nacht zu hören.

Manager wird Bärenführer

Die Zuschauer und ihr Guide, Ari Sääski, sitzen reglos und beobachten die riesigen Tiere. Seit sieben Jahren veranstaltet Ari solch abenteuerliche Ausflüge in die nächtliche Taiga. Natur und Abenteuer waren schon immer ein Hobby des ehemaligen Managers. «Der Wettbewerb wurde zu hart, es ging nur noch ums Verkaufen, und ich beschloss, mein Leben zu ändern», erzählt er. Da lag die Idee mit den Bären nahe: Sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren Jäger. Ari verfolgt Tiere nur mit den Augen - und dem Herzen: «Das ist mein Leben. Jede Saison, jeder Tag in der Natur hier ist anders, du weißt nie, was passiert.»

Urlaubern die Natur Nordkareliens nahezubringen ist für einige Einheimische das Beste, was sie in dieser Region machen können. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 20 Prozent. Auch der gelernte Förster Jussi Väliaho war nicht immer Wildnisführer. «Meine Arbeit machen jetzt Maschinen», sagt er. «Irgendwann sah ich einen Grönlandhusky und hatte die Idee, für Touristen Expeditionen zu veranstalten.» Das war vor zwei Jahren. Heute freuen sich 30 Hunde, wenn Jussi an den großen Gehegen entlangläuft. Das Gelände liegt zwei Kilometer Luftlinie von Russland entfernt und 60 Kilometer vom nächsten Supermarkt. Doch Jussi und seine Frau Suvi genießen die Einsamkeit: «Ich könnte die Expeditionen auch ohne Kunden machen», lacht er.

Eine Reise nach Karelien ist eine Reise in die Einfachheit

Später erzählt Jussi am Lagerfeuer bei Piroggen und Lachssuppe von Polar-Expeditionen und Wölfen. Die lachenden Augen hinter der Brille schweifen über den See und wandern immer wieder zu den Hunden mit dem dichten Fell, zu Lyyli und Pekko, Tytti und Hexli, Johnny und Rudolf. «Ich bin serr, serr stolz auf meine Hunde», sagt er und rollt dabei ganz finnisch das R. Die mit Reis oder Lachs gefüllten Teigtaschen würden den Vierbeinern sicher auch gut schmecken. Dazu gibt es Pilzsalat, Brot mit geräuchertem Schinken vom Rentier und Beerenwein. Es ist ein einfaches Mahl unter freiem Himmel.

Überhaupt führt eine Reise ins nur wenig besiedelte Karelien in die Einfachheit, sie konzentriert sich auf Schauen und Erleben: Seen und Wälder, Vogelgesang, Wellengeplätscher und Blätterrauschen, Wandern, Hundegebell und im Winter das Knirschen im Schnee. Es ist ein Luxusurlaub, bei dem nicht Seife und Shampoo im Extrakörbchen im Hotelbadezimmer fürs Wohlbefinden sorgen, sondern das knisternde Feuer, die Sauna am See und die Stille rundherum.

Die Auswahl an Feriendomizilen ist groß: Das Angebot reicht von der einsam gelegenen Blockhütte am See über Ferien auf dem Bauernhof bis zum Ferienhaus-Resort mit Pauschalprogramm. Auch eine Insel kann man vorübergehend bewohnen, zum Beispiel im Pielinensee, südlich von Kuhmo.

Selbst von der höchsten Erhebung der Region, dem 347 Meter hohen Ukko-Koli am Westufer, scheint der See endlos groß. Immer wieder fällt bei einer Wanderung durch den Koli-Nationalpark der Blick auf die von der letzten Eiszeit geformten, langgestreckten Inseln. Finnische Künstler sollen sich hier oben inspiriert haben lassen, etwa der Maler Akseli Gallen-Kallela um 1890, und der finnische Komponist Jean Sibelius. Wer genau hinhört, der kann vielleicht die Gesänge des Kalevalas, des finnischen Nationalepos, hören. Die fein gezupften Saiten der Kantele, einem Zupfinstrument, klingen wie das Mondlicht auf den schwarzen Wellen, melancholisch, wehmütig, schön.

Die Lieder handeln von Gut und Böse, von der Liebe und von Mythen. Zuschauer in der Natur Kareliens lauschen anderen Tönen: dem klopfenden Balzgesang des Auerhahns, dem Rascheln von Birkenblättern im Wind, dem leisen Plätschern der Seen und dem lauten Schmatzen der Bären.


Reiseinformationen:

Finnair und Blue1 fliegen 1-3 mal täglich ab München, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin und Hamburg nach Helsinki, Air Berlin fliegt von Berlin Düsseldorf, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Köln/Bonn, Karlsruhe/Baden-Baden, München, Münster, Memmingen, Nürnberg, Saarbrücken, Stuttgart und Sylt nach Helsinki.

Fähren: Finnlines fährt von Travemünde nach Helsinki. Viking Line fährt ab Stockholm nach Turku oder Helsinki.

Bärenbeobachtung: Wild Brown Bear, Ari Sääski
Huskytrekking und -safari:
Ultima Taiga Ky

Urlaub auf der Insel:
Piekoli oy

 

iwi/car/nbr/news.de/srt
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Schlagworte:
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Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 15.02.2011 01:10
von
MoranElvia34

Don't you recognize that it's correct time to receive the business loans, which would realize your dreams.

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  • Kommentar: 1
  • 27.12.2010 05:30
von
MorseTessa

I think that to receive the loan from creditors you must have a firm motivation. Nevertheless, once I've got a bank loan, because I was willing to buy a car.

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