Masturbation «Spitze Gegenst√§nde, das ist nicht clever»

Um Masturbation ranken sich Tabus und Missverständnisse. Dabei kann beim Selbst-Hand-Anlegen nicht viel passieren. Und richtig ist, was Spaß macht. News.de sprach mit Sexualtherapeutin Dr. Carla Thiele.

Wer beim Masturbieren gerne zu Gegenst√§nde greift, sollte nicht selbst basteln oder den Gem√ľsekorb pl√ľndern. Produkte aus dem Sexshop, wie etwa Dildos, sind sicherer. Bild: ddp

In Notaufnahmen werden immer wieder Menschen eingeliefert, die sich beim Masturbieren verletzt haben. Welche Regeln sollte man beachten, um sich nicht selbst zu gef√§hrden? 

Dr. Carla Thiele: Wirklich falsch machen kann man beim Selbst-Hand-Anlegen nichts. Aber es gibt selbstgef√§hrdende Techniken. Sich spitze Gegenst√§nde einzuf√ľhren, ist nicht so clever. Es gibt aber nichts Gef√§hrliches, was ich meinem K√∂rper selbst antun k√∂nnte. Wenn ich es mir mit der Hand mache, dann passiert gar nichts. Ansonsten sagt mir ja eigentlich der gesunde Menschenverstand, dass ich mir keine spitzen Gegenst√§nde einf√ľhren sollte oder nichts, was ich nicht wieder raus kriege.

Dennoch passieren immer wieder Unfälle?

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Thiele: Das sind aber meist Menschen, die spezielle Neigungen haben. Die sich irgendwelche Objekte einf√ľhren. Die sich Ringe um den Penis machen oder sich etwas in den After einf√ľhren. Das sind Hilfsmittel, die nicht im Sexshop zu bekommen sind. Die ganzen Sextoys sind dagegen so gefertigt, dass man sich damit nicht verletzten kann. Die Analdildos sind in der Regel so gemacht, dass man die nicht im Ganzen irgendwo hinein kriegt. Das ist immer mit einem Stopper ausger√ľstet. Die Unf√§lle, das sind eher Selbstbastler-Geschichten. Deshalb sollte sich jeder, der gerne Gegenst√§nde mag, sich wirklich Dildos im Sexshop holen. Oder wer befangen ist: Da gibt es √ľbers Internet inzwischen eine gro√üe Auswahl. Und dann einfach in Ruhe ausprobieren. Man muss nicht zu Flaschen, Kerzen oder Gurken greifen.

Da könnte dann was schief gehen?

Thiele: Ja, wenn die Gurke etwa abbricht oder bei einer offenen Flasche die Saugwirkung einsetzt. Aber die Hauptunfälle passieren mit Metallgegenständen. Wenn sich Leute irgendwelche Ringe löten und Elektroströme anlegen.

Kann man sich in Masturbationspraktiken zu sehr hineinsteigern?

Thiele: Wenn, dann ist es ein generalisiertes Problem. Wenn es etwa ein extremer Sexualtrieb ist, so dass ich mich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann. Ein Sexualtrieb ist erst dann krankhaft, wenn ich in meiner Arbeit oder meinem Alltag davon gestört bin. Wenn ich etwa Spannung nur durch Masturbation abbauen kann, mehrfach am Tag masturbieren muss und dadurch nicht einmal mehr einkaufen gehen, meinen Arzttermin wahrnehmen oder zur Arbeit gehen kann. Dann ist es ein Problem.

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Das kann aber nicht durch Masturbation entstehen?

Thiele: Nein. Entweder man hat diesen gesteigerten Sexualtrieb, oder man hat ihn nicht. Es ist nicht so, dass wenn man einmal mit der Masturbation anfängt, man dann nicht mehr aufhören kann.

Welche Missverständnisse herrschen heute noch beim Thema Masturbation?

Thiele: Menschen stellen sich vor, wie Masturbation zu sein hat. Dass etwa M√§nner sich vorstellen, dass man prinzipiell sich bei steifem Glied befriedigt und die Vorhaut vor und zur√ľck zieht. Aber da gibt es nat√ľrlich verschiedene Techniken. Einige M√§nner legen sich nur auf den Bauch und dr√ľcken ihren Penis in die Matratze. Man kann auch masturbieren ohne steifen Penis. Genauso gibt es Frauen, die nicht an der Klitoris reiben und sich auch nichts einf√ľhren, sondern nur ein Kissen an ihre Vagina pressen oder mit ihren Schenkeln aneinander reiben. Das Missverst√§ndnisse ist, dass man vielleicht nicht korrekt masturbiert. Aber es ist v√∂llig egal, wie man es macht, Hauptsache man hat seinen Spa√ü dran.

Wird die Akzeptanz von Masturbation im gesellschaftlichen Bewusstsein besser?

Thiele: Es wird zwar akzeptierter. Aber es ist noch weit weg von akzeptiert.

Was sind die Gr√ľnde daf√ľr?

Thiele: Das ist eher auf der privaten Ebene und weniger auf der gesellschaftlichen. Es herrscht in Partnerschaften die Angst, dass man nicht das Objekt der Begierde sein könnte, wenn der Partner masturbiert. Das ist inzwischen ein definitiv größerer Faktor als etwa moralische Vorstellungen oder eine Verurteilung von der Kirche. Diese Aspekte nehmen eher ab. Aber die Unsicherheit in der Partnerschaft bleibt.

Wenn man offen in einer Partnerschaft damit umgeht, ist Masturbation dann kein Tabu mehr?

Thiele: Genau. Da kann man den Partner ja fragen: «Wie sieht es denn aus? Wie wollen wir das handhaben?» Man kann dem Partner ja erstmal unterstellen, dass das eine normale Handlung ist. Einfach mal fragen: «Du machst es dir doch bestimmt auch mal selber?» Man kann je nach Vorliebe auch fragen: «Kann ich dir mal zugucken?» Oder: «Wollen wir das offen handhaben. Wenn ich mal Lust habe, kann ich dann sagen, ich gehe jetzt mal ins Schlafzimmer und nehme mir mal ein bisschen Zeit f√ľr mich.» Oder will man da vielleicht Umschreibungen finden. Ich denke, das ist okay, wenn man das so offen anspricht.

Kann man mit der Offenheit auch √ľbers Ziel hinausschie√üen?

Thiele: Ja, ich w√ľrde davor warnen – das gilt auch f√ľr offene Paare – die Masturbationsbeichte zu betreiben, wenn es ums Kopfkino geht. Das ist etwas, das eher irritiert. Das ist ein privater Raum, den man f√ľr sich behalten sollte.

Dr. Carla Thiele ist Fach√§rztin f√ľr Innere Medizin und hat sich auf Sexualmedizin spezialisiert. Sie ist Sexualtherapeutin und betreibt eine Praxis in Leipzig. Thiele ist zudem Vorstandsmitglied der Gesellschaft f√ľr Sexualwissenschaft (GSW).

ham/news.de

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3 Kommentare
  • stern5

    15.01.2012 13:14

    Selbstbefriedigung in einer Ehe/Partnerschaft muss kein Problem sein. Ich weiß, dass meine Frau gelegentlich ohne mein Beisein masturbiert. Wunderbar - ich gönne ihr jeden Orgasmus. Ich mache es auch - auch das ist meiner Frau bekannt. Das alles ist unabhängig vom Geschlechtsverkehr.

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  • Jack the Ripper

    12.01.2012 13:11

    Zur Selbstbefriedigung in einer Partnerschaft: Ich finde es selbstverst√§ndlich, dass die Partner auch bei funktionierender Ehe/Partnerschaft masturbieren k√∂nnen. Dadurch muss die Partnerschaft nicht gest√∂rt werden. Selbstbefriedigung ist eine eigenst√§ndige und wertvolle Form der Sexualit√§t und kann dar√ľber hinaus auch in das Liebesspiel integriert werden.

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  • Nobra

    28.09.2010 10:29

    Das sind ja unsere Vibs und Dildos auf dem Bild oben, sch√∂ne √úberraschung! :-) Allerdings sind die als Anregung gemeint, was es Sch√∂nes in Sexshops gibt. Unsere Vibratoren sind zwar die weitaus St√§rksten, Besten und Sch√∂nsten, aber es gibt sie gar nicht in Sexshops, auch nicht im online-Versandhandel, die gibt es nur als individuelle Anfertigung und nur √ľber unsere eigenen Seiten zu bestellen! Daher ist der link zu uns wohl angebracht: http://www.nobra.de Alles Liebe, 'nobra'

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