Ruhrgebiet Besuch im Kohlenpott

Landschaftspark Duisburg Nord (Foto)
Wo einst der Schornstein rauchte, kann man sich jetzt erholen: Im Landschaftspark Duisburg-Nord. Bild: SRT-Archivbild

Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt Europas und feiert sich jetzt ein Jahr lang selbst. Was liegt also näher, als dem einstigen Kohlenpott einen Besuch abzustatten? Zehn Plätze sollten Sie dabei auf keinen Fall versäumen.

1. Welterbe: Zeche Zollverein in Essen
Das berühmteste Bergwerk der Welt ist der perfekte Startpunkt für jeden Ruhrlaub. Zur Einstimmung lassen Sie sich von einem ehemaligen Bergmann durch das heutige Unesco-Welterbe führen, dann bewundern Sie im nagelneuen Ruhrmuseum die multimediale Aufbereitung des Mythos Ruhrgebiets und lassen sich schließlich im Casino in der alten Kompressorhalle Bergmannskost auf Sterneniveau servieren. Auf einer 60 Meter langen, freischwebenden Rolltreppe fahren Sie anschließend zur 24-Meter-Ebene der ehemaligen Kohlenwäsche in die zentrale Besucherinfo der Kulturhauptstadt Ruhr 2010.

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2. Schauschacht: Deutsches Bergbaumuseum
Wie sieht ein Berghammer aus? Wie werden Schächte abgeteuft? Und was ist Kohle überhaupt? All das und noch viel mehr über die Welt der Bergleute vermittelt das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum. Es ist übrigens auch das weltgrößte. Ein wirkliches Besucherbergwerk, in dem man wie früher die Kumpel tausend Meter in die Tiefe fährt, gibt es im ganzen Ruhrgebiet nicht. Im Schaubergwerk in Bochum ist 20 Meter unter der Erdoberfläche ein 2,5 Kilometer langer Schacht nachgebaut. Macht nichts, es wirkt alles echt. Und manchem gefällt es gar so gut, dass er im Bergbaumuseum heiratet. Ein Standesamt ist vorhanden.

3. Ruhr-Kathedrale: Jahrhunderthalle Bochum
Von außen ist sie unspektakulär. Aber wer Sie einmal betreten hat, wird sich ihrem ganz eigenen Bann nicht entziehen können: Die Jahrhunderthalle wirkt wirklich wie eine gotische Kirche. 1902 wurde sie als repräsentative Ausstellungshalle des «Bochumer Vereins» erbaut, später als Gaskraftzentrale für die Stahlproduktion genutzt. Seit der Sanierung 1993 dient sie als Veranstaltungshalle für die Ruhrtriennale und zahlreiche Konzerte.

4. Skulpturenwald: Halde Rheinelbe
In Gelsenkirchen-Ückendorf können Sie einen Spaziergang durch einen Zechenwald-Dschungel machen, der nach Stilllegung der Zeche Rheinelbe 1928 wachsen durfte, wie er wollte. Überall in diesem wilden Industriewald lassen sich Werke des Künstlers Herman Prigann entdecken. Ganz im Süden ragt die Halde Rheinelbe als schwarzer Kegel in den Himmel. Hinauf kommen Sie auf einem spiralförmigen Weg, der natürlich selbst wieder ein Kunstwerk ist. Und oben lockt die Himmelstreppe, ein zehn Meter hoher Tempel aus Abfall-Mauerstücken.

5. Moderne Kunst: Dortmunder U
Vom Florian, dem Fernsehturm am Rand des Westfalenparks, haben Sie ganz Dortmund im Blick. Dazu gehört auch das Dortmunder U, das ehemalige Lagerhochhaus der Unionsbrauerei. Im Mai soll dort das Museum für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts eröffnen. Zumindest die siebenstöckige Rolltreppe wird sicher schnell Furore machen. Zu sehen ist auch die berühmte Zeche Zollern, die auf den ersten Blick wie ein Schloss wirkt. Im Museumsshop bekommen Sie die berühmten Grubentücher zu kaufen, mit denen sich die Kumpels den Schweiß abgewischt haben.

6. Zentrum für Lichtkunst in Unna
Schwebende Neonröhren, Licht als Wasserfall, bunte Tränen in Lila und Blau: Das Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna ist ein Ort mit surrealem Charakter. Tief unter der Erde in den Kühlgewölben und Gärbecken der ehemaligen Lindenbrauerei haben die Werke von Kunstgrößen wie Mischa Kuball, Mario Merz und James Turell eine labyrinthische Heimat gefunden. Oben im Tageslicht wird übrigens wieder gebraut: In einer winzigen Gasthausbrauerei sind zwei ehemalige Meister der Lindenbrauerei wieder erfolgreich am Werk.

7. Hundertwasser-Glaselefant in Hamm
So etwas gibt's nur im Ruhrgebiet: Aus der ehemaligen Kohlenwäsche machten die Künstler Horst Rellecke und Friedensreich Hundertwasser den größten Elefant der Welt. Besonders eindrucksvoll ist die begehbare Plastik aus Stahl und Glas mit einem Aufzug im Elefantenrüssel abends bei Beleuchtung. Im Kopf des Glaselefanten findet sich ein Palmengarten, in dem zehn kinetische Objekte von Horst Rellecke zu bestaunen sind. Im umliegenden Maximilianspark gibt es auch ein Schmetterlingshaus und einen sensationellen Kinderspielplatz.

8. Pyramide für Bergfexe: Tetraeder Bottrop
Er ist das Wahrzeichen der Stadt Bottrop: der Tetraeder. Die Stahlkonstruktion auf der ehemaligen Halde an der Beckstraße bildet eine gigantische, 60 Meter hohe Pyramide, die auf vier acht Meter hohen Betonpfeilern befestigt ist. Eine Treppe führt hinauf zu drei Aussichtskanzeln. Dort hinauf zu kraxeln ist freilich nur etwas für wirklich Schwindelfreie. Der höchste Aussichtspunkt hängt nämlich auch noch ganz bewusst schräg. Das grüne Unikum, das sich unterhalb des Tetraeders die Halde hinabwindet, ist übrigens die Skihalle von Bottrop.

9. Gasometer Oberhausen
Gänsehaut in einer Tonne: Der weithin sichtbare, stählerne Zylinder des Gasometers diente bis 1988 als Zwischenspeicher für Kokereigas und wurde dann zur ungewöhnlichsten Ausstellungshalle Europas umgebaut. Die erlebte bereits spektakuläre Projekte wie «The Wall» von Christo und Jeanne-Claude, die aktuelle Dauerausstellung heißt «Wunder des Sonnensystems» mit dem größten künstlichen Mond der Welt. Hinauf zu den Plattformen in 117 Meter Höhe führt ein gläserner Fahrstuhl im Zylinderinneren.

10. Landschaftspark Duisburg-Nord
Zu Deutschlands verrücktestem Park sollte man abends fahren: Das 1985 stillgelegte Thyssen-Stahlwerk ist dann eine einzige, riesige Lichtskulptur. Auch sonst tut sich hier Spannendes: Die alte Gebläsehalle wird als Konzerthalle genutzt, die Kraftzentrale mit Events bespielt. Auf der Tribüne der Abstichhalle laufen Kinofilme. Der Alpenverein beklettert die bis zu 16 Meter hohen Betonwände der Erzbunker. Den mit Wasser gefüllten Gasometer nutzen Taucher zum Training. Der Hochofen 5 ist begehbar.

iwe/seh/news.de/srt

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