In 1142 Metern Höhe thront der Brocken über dem Harz. Eigentlich ist er der höchste Berg eines Mittelgebirges, aber auf dem Gipfel wartet Hochgebirsklima und eine Welt, die im Tal nicht zu erahnen ist.
An manchen Tagen kann man von oben die 100 Kilometer entfernte Stadt Magdeburg sehen. An anderen keine 20 Meter weit. 300 Tage im Jahr hüllt sich der Brockengipfel eitel in Nebel und gibt nur widerwillig die Schemen des höchstgelegenen Schmalspurbahnhofs des Landes preis, wenn sich die kohlebetriebene Brockenbahn ihrem Ziel auf 1142 Metern nähert.
Auch auf die, die schon seit zehn Jahren hoch kommen, übt das Wetter eine mystische Anziehung aus. «Wenn an klaren Tagen abends die Sonne untergeht, dann halten wir auf dem Heimweg noch immer inne, weil es einfach so schön ist», sagt Angelika Klippstein. Sie arbeitet seit dem Jahr 2000 im Brockenhotel und auf dem Berg ist das Wetter nicht nur ein profanes Small-Talk-Thema. Manchmal, erzählt Klippstein, seien Gäste verärgert, wenn ausgerechnet an dem Tag, an dem sie im Hotel übernachten, nichts zu sehen ist von dem gepriesenen Rundblick. Dass ihnen dann in der Aussichtskuppel des Hotels nur die bunten Bilder auf den Orientierungstafeln bleiben, während sich draußen eine weiße Nebelwand ans Fenster drückt, damit müssten sie rechnen: Auf dem Brocken sei eben alles anders.
Tatsächlich ahnt der, der zum ersten Mal unten im Tal steht, nichts davon, was ihn oben erwartet. Klimatisch ist der Brocken einzigartig. Er ist mit Abstand die höchste Erhebung im ansonsten flachen Norden Deutschlands und kann deshalb ungehindert von kalten Winden mit Geschwindigkeiten von bis zu 260 Kilometern pro Stunde umstürmt werden. Auf dem Gipfel herrscht alpines Klima, wie es es europaweit sonst nur im Hochgebirge oder auf Island gibt.
Dampf walzt sich durch die Wipfel der Fichten
Deshalb ist es dann doch fast egal, wie das Wetter ist. Die meisten Gäste im Brockenhotel sind Wanderer, die sowieso nur für eine Nacht bleiben und eigentlich nur eines wollen: das Gefühl, einmal auf dem Brocken übernachtet zu haben. Einen spontanen Wochenendausflug allerdings sollte niemand planen. Die Nächte zwischen Freitag und Sonntag sind bis zu einem Dreivierteljahr im Voraus ausgebucht. Und wenn die Menschen im 100-Kilometer-Umkreis an klaren Tagen den Gipfel sehen können, wird es auch während der Woche schwierig: Bis spätestens 10 Uhr sind dann alle 18 Zimmer für die Nacht belegt.
Doch auch ohne Übernachtung lohnt der Ausflug auf den Brocken. Und ganz gewiss nicht nur wegen der inzwischen legendären Erbsensuppe mit Bockwurst, die auf dem Plateau serviert wird. Skilaufen ist direkt am Gipfel zwar verboten, wandern jedoch nicht. Auf dem Goetheweg, dem Hirten- oder Hexenstieg kommen die Besucher vorbei an geheimnisvollen Mooren, ungezähmten Bergbächen und schroffen Klippen.
Für den bequemen Weg zum Gipfel warten im Tal schnaufend die 100 Jahre alten Dampflokomotiven der Harzer Schmalspurbahn. Nach der Öffnung des Brockens im Dezember 1989 protestierten Naturfreunde dagegen, dass sich wieder eine kohlefressende Eisenbahn durch die dichten Fichtenwälder zum Gipfel fräßt. Doch wenn es bei der Einfahrt in den Fichtenwald dunkel wird in den holzverkleideten Waggons, wenn draußen auf den Plattformen nichts weiter zu sehen ist als vorbeifliegende Zweige, dann ist das der perfekte Auftakt für diese andere, meist schemenhaft im Nebel verhüllte Welt auf dem Brocken.
Leserkommentare (1)
Lange her 1 Wir gingen von Schierke hoch zum Brocken . Na dies war anstrengend ! Oben angekommen waren wir alle außer Atem . Na und dann war die Überraschung da : Ich rief ganz laut : Ha ,unser Herr Schubert scheucht uns auf dem Stadion und nun scheuchte er uns hoch zum Brocken um den Nebel zu sehen !! Nun wissen wir ,wie der Nebel auf dem Brocken ist . Auch nicht übel !Kehrtwendung ; Marsch runter wieder !!
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