Haare, Nägel und Co. Beauty-Mythen auf dem Prüfstand

Es gibt Fragen, auf die weiß auch die beste Freundin keine Antwort. Oder jede Freundin, die man fragt, hat eine andere parat. In Sachen Schönheit entstehen so die unterschiedlichsten Gerüchte. News.de erklärt, was wirklich dran ist an den schönen Geschichten.

Haare besser trocken bürsten (Foto)
Haare lassen sich besser kämmen und werden weniger strapaziert, wenn sie trocken sind. Bild: dpa

Gesicht/Haut: Zahnpasta soll nicht nur für ein strahlendes Lächeln sorgen, sondern auch gegen Pickelchen helfen. Und damit wären wir bei der ersten Halbwahrheit. Christiane Bayerl ist Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Doktor Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden. Sie sagt: «Zahnpasta trocknet zwar den Pickel aus, reizt aber auch die Haut. Besser ist eine dermatologische Aknetherapie mit den richtigen Präparaten.»

Gute Nachrichten gibt es hingegen für «Schokoholics»: «Schokolade macht keine schlechte Haut», sagt Bayerl. Ebensowenig wie gutes Make-Up, das allerdings zum Hauttyp passen sollte. «Pflicht ist, sich jeden Abend abzuschminken», betont Bayerl.

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Um die Haut jung zu halten, bringt es übrigens nichts, literweise Wasser zu trinken. Wichtiger ist ein gesunder Lebensstil (Alkohol, Nikotin und Umweltgifte gilt es zu meiden) und UV-Schutz. Wer auf seine Tagescreme mit UVB-Schutz allein vertraut, liegt falsch. Ein Muss sind UVA- und UVB-Filter. Enthält die Tagescreme nicht beide, ist zusätzlicher Sonnenschutz nötig.

Apropros cremen: Ist mehr wirklich besser? «Zweimal am Tag ist durchaus richtig», rät Bayerl. «Wichtiger ist aber, womit man sich eincremt und das hängt vom Hauttyp ab.»

Egal wie oft er benutzt wird: Der Lippenfettstift macht nicht abhängig. Im Gegenteil: «Menschen mit trockener Haut brauchen im Winter Lippenpflegeprodukte. Die dürfen dann auch aufgetragen werden, wenn ein Spannungsgefühl an den Lippen entsteht», so Bayerl. Im Urlaub oder der Freizeit, wenn man sich in der Sonne aufhält, sei ein UV-Lippenschutzstift notwendig.

Haare: Ob blond, brünett, schwarz oder rot: Hauptsache, die Haare sehen toll aus. Wie schön also, dass 100 Bürstenstriche tatsächlich für Glanz sorgen. Udo Walz, Star-Coiffeur aus Berlin, erklärt warum: «Beim Bürsten wird die Schuppenschicht der Haare in die Wuchsrichtung beziehungsweise in die Spitzen geführt. Dadurch reflektiert das Licht von der Oberfläche des Haares und lässt die Haare glänzender erscheinen.»

Eine Halbwahrheit ist hingegen, dass Haare durch Schneiden dicker werden: «Während das Haar sich am gesamten Kopf im Laufe der Lebenszeit nach und nach erneuert beziehungsweise wächst, werden die Haarspitzen in den Längen dünner», so Walz, der schon Prominente wie Marlene Dietrich oder Gwyneth Paltrow frisiert hat. «Sobald die Spitzen des Haares gerade und stumpf nachgeschnitten werden, gewinnen die Haarlängen wieder an Fülle. Das lässt sie voller und kräftiger aussehen.»

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An den Haaren herbeigezogen ist die Annahme, tägliches Waschen schade dem Haar - zumindest so lange, wie man sich nicht selbst bei jeder Wäsche eine talkdrüsenanregende Kopfmassage gönnt: «Ganz wichtig ist, dass als Abschluss der Wäsche eine zusätzliche Pflege benutzt wird. Zum Beispiel eine Feuchtigkeitspflege, um das Austrocknen der Haare zu verhindern, rät Walz. «Dann erzielt man gesunde und schöne Haare.»

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Ein anderes Problem: Bei vielen Frauen gehören eine schmerzende Kopfhaut und ein Kamm voller Haare zum morgendlichen Kämmen dazu. «Leichter geht es, wenn die Haare trocken sind», rät Stefanie Köhn, Präsidentin des Bundes Deutscher Haarformer in Göttingen. Denn nasses Haar sei aufgequollen und weich - es lasse sich leicht überdehnen. «Dabei kann es wie ein Gummi ausleiern und seine Elastizität verlieren.»

Besonders langes Haar sollte von unten nach oben gekämmt werden: Zuerst die Haarspitzen entwirren, dann vom Ansatz bis in die Spitzen durchkämmen. Die Expertin empfiehlt Kämme, die zwischen den Zinken keine scharfe Naht haben - bei «gepressten oder gespritzten Kämmen» könne das der Fall sein. Selten zu kaufen, aber ein echter Luxus für das Haar seien Hornkämme.

Auch Bürsten sollten möglichst aus natürlichem Material (zum Beispiel Wildschweinborsten) bestehen. Das Borstenbett sollte weich und flexibel sein. Das federe den Druck ab, schone die Kopfhaut und rege die Durchblutung an. «Mit der richtigen Bürste sind die berühmten 100 Bürstenstriche eine echte Wohltat für Kopfhaut und Haar», fasst Köhn zusammen. «Mit dem falschen Werkzeug werden sie schnell zum Horrortrip.»

Körper: Wer glaubt, nur übergewichtige Menschen bekämen Cellulite, der irrt. Aber: «Cellulite wird bei ‹dickeren› Menschen deutlicher sichtbar», sagt Bayerl. Ursache für Cellulite ist, dass die Fasern, die das Gewebe in Spannung halten, bei Männern und Frauen unterschiedlich angeordnet sind. «Bei Frauen können sich die Fettzellen zwischen den Fasern leichter nach oben drücken», erklärt Bayerl. Auch Lebensstil und Genetik spielen eine Rolle. Ein bisschen was machen kann man aber schon: «Sport ist gut gegen Cellulite, immer nur sitzen in engen, nicht elastischen Hosen, schlecht.»

Das nächste Gerücht stimmt nur bedingt: Baden und duschen an sich trocknet die Haut nicht aus. Shampoos und Duschgels hingegen schon: «Sie enthalten Stoffe, die Lipide, also Fette, aus der Haut entfernen», sagt Bayerl. «Daher sollte man mit viel klarem Wasser nachspülen und sich bei Veranlagung zu trockener Haut hinterher eincremen.»

Nägel: Der perfekte Fingernagel ist nicht zu lang, nicht zu kurz, aber immer schön bunt und gepflegt. Das Problem: Bunt und gepflegt schließen sich in diesem Fall leider zumindest auf Dauer aus. Aicha Jouni, Geschäftsführerin von Aicha Jouni Kosmetik in Hannover, erklärt es so: «Wenn man ständig Nagellack trägt, kann das den Nagel schädigen, da keine Luft daran kommt, deshalb sollte man alle paar Tage ohne Lack auskommen.»

Auch könne ständiges Tragen von Lack zu Verfärbungen führen, gegen die man aber zumindest ein Stück weit vorbeugen kann: «Klarer Unterlack sollte immer aufgetragen werden», so Jouni.

Ein weiterer Tipp der Expertin: «Wenn man das Gefühl hat, der Lack könnte trocken sein, sollte man ganz vorsichtig die Nagelspitze an die Lippen halten. Gibt es einen kleinen Schlag, braucht man noch etwas Geduld. Passiert nichts, ist der Lack trocken.»
Ganz schlimm wird es für die Nägel, wenn der Lack wieder runter soll. Zumindest, wenn der Entferner Aceton enthält: «Aceton macht die Nägel dünn und brüchig», warnt die Expertin.

car/news.de/dpa

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